"Discovery" Raketenrucksack mit Klebeband geflickt

Schon im August soll der nächste US-Shuttle zur ISS fliegen. Die Nasa verbreitete Klebeband-Anekdoten vom letzten Weltraumspaziergang und kündigte an: Die Raumstation wird fertig gebaut, bevor "Discovery" und "Atlantis" eingemottet werden.

Houston - Eine Anekdote aus dem Alltag der Space Cowboys und viel Entwarnung: Nach diesem Rezept hatte die Nasa bereits letzte Woche mutmaßliche Vogelkot-Flecken an der rechten Flügelspitze der "Discovery" in Szene gesetzt, um zu demonstrieren, wie glatt die Shuttlemission STS-121 verläuft. Beim zweiten Weltraumspaziergang der Shuttle-Crew musste nun ein Klebeband herhalten.

Duct-Tape, grob und fest, ist in den USA ein beliebter Universalkleber für schnelle Fälle. Jedem amerikanischen Fernsehzuschauer dürfte das Heimwerkermaterial ein Begriff sein. Prompt erkundigte sich der britischstämmige US-Astronaut Piers Sellers per Funk bei der Bodenkontrolle, ob es keine schnelle Klebebandlösung für sein Problem gäbe: Der Jetpack drohte, sich von Piers' Raumanzug zu lösen.

Es handelt sich dabei um eine Art Düsenrucksack, mit dem Astronauten aus eigener Kraft zur ISS zurückschweben sollen, wenn sie trotz Haltegriffen und -seilen ins All zu treiben drohen. Dieses Rettungssystem hatte sich bei Sellers gelockert, mit Klebeband wurde Abhilfe geschaffen. In Gefahr sei der Astronaut während des rund sechseinhalbstündigen Außeneinsatzes jedoch zu keiner Zeit gewesen, betonte die Nasa. Das wäre der Abenteueratmosphäre dann doch zu viel.

Ernsthafte Probleme gibt es nicht, alles läuft wie geschmiert - das ist die Botschaft solcher Details zur Halbzeit der Mission. Die Hoffnung der Nasa auf ein Ende des Shuttle-Ärgers scheint sich zu erfüllen. Tatsächlich ist STS-121 noch ein Testflug, der letzte der Flug-Wiederaufnahmephase nach der langen Missionspause seit der "Columbia"-Katastrophe vor drei Jahren: Wenn auch diese Reise zur ISS ohne Probleme verlaufe, werde der reguläre Betrieb der Raumfähren wieder aufgenommen, so die Planung.

ISS wichtig auf dem Weg zu Mond und Mars

Mittlerweile fühlen sich die Nasa-Verantwortlichen offenbar so sicher, dass sie diese Entscheidung vorgezogen haben: Zwei weitere Shuttle-Starts sollen in diesem Jahr folgen. Die Raumfähre "Atlantis" wird am 28. August zur Internationalen Raumstation ISS fliegen, sagte Nasa-Manager Phil Engelauf. Im Dezember soll dann die "Discovery" den deutschen Astronauten Thomas Reiter von der ISS zurückbringen.

Insgesamt seien noch 16 Missionen für den Endausbau der Weltraumstation bis 2010 vorgesehen. In diesem Jahr will die Nasa die verbleibenden Shuttles ihrer Flotte endgültig einmotten. Die restlichen Flüge gelten als Minimum für eine annähernde Fertigstellung der ISS - sie umkreist die Erde immer noch im halbfertigen Zustand. So bauten erst die Astronauten der aktuellen Mission die Raumstation so weit aus, dass dort auch eine sechsköpfige Besatzung leben könnte. Nasa-Chef Michael Griffin hat die Station unterdessen als wichtig für eine erneute US-Mondlandung und eine mögliche bemannte Mission zum Nachbarplaneten Mars bezeichnet.

Die Astronauten haben während ihres Weltraumspaziergangs die bewegliche Basis eines Roboterarms an der Außenseite der ISS gerichtet. Dies galt als wichtigste Reparatur der Mission. Für Thomas Reiter und die acht anderen Raumfahrer der ISS und der "Discovery" hieß es am Dienstag wieder aus- und einpacken. Die Raumfahrer müssen mehr als zwei Tonnen Müll, unbenötigte oder kaputte Teile sowie wissenschaftliche Experimente im Leonardo-Frachtmodul für die Rückkehr zur Erde verstauen.

Die "Discovery" soll am Samstag um kurz nach zwölf Uhr Mittag deutscher Zeit mit dem Abdockmanöver beginnen. Die Landung auf dem Weltraumbahnhof von Cape Canaveral in Florida ist für Montag, den 17. Juli gegen drei Uhr Nachmittag deutscher Zeit vorgesehen.

stx/dpa/AFP/AP

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