"Discovery" Riss in Tank-Isolierung gefährdet Start

Am Nationalfeiertag der USA sollte der Space Shuttle "Discovery" endgültig abheben - nach zweimaliger Verschiebung. Doch in der Nacht entdeckten Ingenieure einen Riss im Schaumstoff des Außentanks. Dort lag schon der Grund für die Shuttle-Katastrophe von 2003.

Cape Canaveral - Wäre der Start des Space Shuttles "Discovery" mit dem deutschen Astronauten Thomas Reiter an Bord nicht wenige Minuten vor dem geplanten Start am Sonntagabend abgebrochen worden, wäre der Schaden gar nicht entdeckt worden. Der Riss in der Schaumstoffisolierung des Außentanks ist 13 Zentimeter lang. Inspekteure fanden ihn in der vergangenen Nacht.

Das bestätigte der Sprecher der US-Raumfahrtbehörde Nasa, George Diller. Es werde derzeit geprüft, ob dies ein Problem für den geplanten Start des Shuttles darstelle. Noch heute wolle die Nasa-Spitze entscheiden, ob der Riss den für Morgen geplanten Start gefährdet.

Ein Problem mit der Schaumstoffisolierung des Treibstofftanks hatte am 1. Februar 2003 den Absturz der Raumfähre "Columbia" verursacht, bei dem alle sieben Astronauten an Bord ums Leben kamen.

Damals war beim Start ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgeplatzt und hatte die Hitzekacheln des Space Shuttles beschädigt. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühte die Raumfähre. Abfallende Schaumstoffstücke beim Start waren auch der Grund, warum die Nasa die "Discovery" nach dem letzten Flug vor einem Jahr am Boden behalten musste.

Umstrittene Startfreigabe

Seither nahm die Nasa zahlreiche technische Änderungen vor, um die Sicherheit des Shuttles zu erhöhen. Nasa-Chef Michael Griffin hatte im Juni entgegen dem Rat zweier Top-Berater entschieden, dass die "Discovery" startbereit ist.

Wegen schlechten Wetters war der ursprünglich für Samstag vorgesehene Start am Wochenende bereits zwei Mal verschoben worden. Bis zur Entdeckung der Risse sahen die Nasa-Pläne vor, dass die "Discovery" mit der siebenköpfigen Crew am Dienstag um 14.37 Uhr Ortszeit (20.37 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) startet. Dienstag, der 4. Juli, ist zugleich der Nationalfeiertag der USA.

Insgesamt ist das Zeitfenster für den geplanten Shuttle-Start nur 19 Tage groß. Verstreicht diese Zeit, ohne dass die "Discovery" abhebt, könnten erst wieder ab Ende August Starttermine anberaumt werden.

Thomas Reiter würde dann als erster Deutscher die Internationale Raumstation (ISS) besuchen. Er ist zugleich der erste Astronaut der Weltraumorganisation Esa, der zu einem Langzeitaufenthalt von mindestens sechs Monaten an Bord bleiben wird.

stx/AFP/dpa/rtr

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