"Discovery" Unerwünschter Kontakt auf dem Weg zur ISS

Weiße Punkte auf den schwarzen Hitzekacheln haben bei der Nasa für Aufregung gesorgt: Sind es Schäden? Unterwegs zur Raumstation könnte etwas den Schutzschild getroffen haben. Die Nasa beruhigt - gibt aber noch keine Entwarnung.


Der Deutsche Thomas Reiter musste seinen Stammplatz räumen. Und Stammplatz, das heißt im Weltraum Sitzplatz, weil jeder Astronaut über einen persönlichen angepassten Schalensitz verfügt. Fünf Monate war Reiters Sitzgelegenheit in der Sojus-Kapsel festgeschraubt, die an die Internationale Raumstation ISS angedockte ist - als Rettungsschiff zur Rückkehr im Notfall.

Am heutigen Dienstag wurde der Astronautensessel in die gerade erst angekommene "Discovery" geräumt und dort montiert. Das teilte die US-Raumfährtbehörde Nasa mit. Im Gegenzug wurde der Sitz von Sunita Williams in der russischen Kapsel angeschraubt - damit wurde die US-Astronautin offiziell zum Mitglied der ISS-Langzeitcrew.

Vor diesem Wachwechsel lag jedoch eine Wartezeit wegen einer Inspektion: Denn auf dem Flug zur ISS wurde der Hitzeschild ist womöglich doch beschädigt - das sollte erst abgeklärt werden.

Einen Tag nach dem Bilderbuchstart am Samstagabend teilte die Nasa zunächst mit, dass die Raumfähre bei ihrem Start ins All keine Schäden erlitten hat. Doch auf dem Weg zur ISS sei etwas gegen den Shuttle gestoßen, heißt es nun. Ein Sensor habe eine Berührung oder einen Einschlag gemeldet. Das sei aber nicht als Besorgnis erregend eingestuft worden, sagte der Nasa-Einsatzleiter John Shannon. Die Nasa rechne auch nicht damit, dass die Mission der "Discovery" in irgendeiner Weise beeinträchtigt werden könnte.

Womöglich kleine Beschädigungen: Weiße Punkte auf schwarzen Hitzekacheln der "Discovery"
REUTERS / NASA TV

Womöglich kleine Beschädigungen: Weiße Punkte auf schwarzen Hitzekacheln der "Discovery"

Dennoch habe die US-Raumfahrtbehörde eine genauere Überprüfung beschlossen – denn noch ist unklar, welches Objekt die linke Tragfläche getroffen hat. Experten konnten nicht erklären, was den Alarm während des Fluges ausgelöst hatte, sagte Shannon.

Kurz vor dem Andocken an die Raumstation flog die "Discovery" etwa 200 Meter von der ISS entfernt eine Schleife, ähnlich einer Rückwärtsrolle, damit zwei Besatzungsmitglieder der Raumstation rund 300 Fotos der "Discovery" aufnehmen konnten. Die Bilder zeigten laut Shannon kleine weiße Punkte auf den schwarzen Kacheln des Hitzeschildes - bei denen es sich um kleine Beschädigungen handeln könnte.

Wie schlimm der Schaden ist, ist noch unklar

Nachdem die Raumfähre schließlich am Montagabend pünktlich um 23.10 Uhr MEZ an die ISS angedockt hatte, benutzten die Shuttle-Astronauten den Roboterarm der Raumstation, um mit einer lenkbaren Kamera den Einschlag zu untersuchen. Eine endgültige Einschätzung des Schadens liegt aber noch nicht vor.

Seit dem "Coumbia"-Unglück ist die Nasa besonders besorgt über mögliche Schäden am Hitzeschild. Beim Start des Shuttles "Columbia" im Jahr 2003 hatten abgesprengte Schaumstoffstücke vom Außentank den Hitzeschild so stark beschädigt, dass die Raumfähre beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinander brach und verglühte. Alle sieben Astronauten kamen ums Leben.

Thomas Reiter wird noch neun Tage im All verbringen: Voraussichtlich am 21. Dezember kehrt er mit der "Discovery" nach Cape Canaveral (Florida) zurück. Die Wachablösung war ein bitter-süßer Moment für den Deutschen: Er freue sich sehr auf daheim, auf das Wiedersehen mit der Familie und Freunden, aber natürlich sei er gern im All gewesen und habe jede Minute genossen, sagte der 48-Jährige. Nachfolgerin Williams bleibt bis zum kommenden Sommer an Bord der ISS; sie ist erst die dritte Frau in einem Langzeiteinsatz im All.

fba/AP/AFP/dpa



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