Analyse von US-Forschern Die Welt könnte einen »Don't Look Up«-Asteroiden überleben

Ein Asteroid von zehn Kilometer Durchmesser, mit Kurs auf die Erde – das zerstört im Netflix-Film den Planeten. Tatsächlich hätte die Menschheit zumindest bessere Chancen als die Dinosaurier, sagen zwei Physiker.
Mehrfach schon haben sich Filmemacherinnen und Filmemacher mit der Frage auseinandergesetzt, was passiert, wenn ein Asteroid auf die Erde zuraste. Dieses Bild stammt aus dem Film »Armageddon«.

Mehrfach schon haben sich Filmemacherinnen und Filmemacher mit der Frage auseinandergesetzt, was passiert, wenn ein Asteroid auf die Erde zuraste. Dieses Bild stammt aus dem Film »Armageddon«.

Foto: Mary Evans / IMAGO

Vor etwa 66 Millionen Jahren hat ein Asteroid das Leben auf der Erde zu großen Teilen zerstört, die Dinosaurier sind die bekanntesten Opfer dieses Einschlags.

Der Film »Don't Look Up«, der zu den bislang erfolgreichsten Filmen der Streamingplattform Netflix zählt, spielt mit einem Szenario, in dem erneut ein riesiger Asteroid auf die Erde zurast. Der Asteroid misst zehn Kilometer im Durchmesser, zwischen seiner Entdeckung und dem errechneten Einschlag liegen sechs Monate.

In dem Film »Don't Look Up« schlüpfen Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence in die Rollen zweier Physiker, die die Welt vor einem Asteroiden retten wollen.

In dem Film »Don't Look Up« schlüpfen Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence in die Rollen zweier Physiker, die die Welt vor einem Asteroiden retten wollen.

Foto: Niko Tavernise / Netflix

Zwei Physiker von der University of California in Santa Barbara haben sich der Frage angenommen, was wäre, wenn die im Film dargestellte Fiktion zur Realität würde. Wenn tatsächlich ein riesiger Asteroid auf die Erde zuraste – hätte die Menschheit eine Chance, die globale Katastrophe abzuwenden?

Der Vorteil gegenüber den Dinosauriern: ein planetares Abwehrsystem

Ja, lautet das Urteil der Wissenschaftler – zumindest, was die technischen Möglichkeiten anbelangt.

»Wir zeigen«, heißt es in dem 15-seitigen Paper , das auf dem Preprint-Server Arxiv erschienen ist, »dass die Menschheit eine technologische Schwelle überschritten hat, um zu verhindern, dass wir den Weg der Dinosaurier gehen.«

Die Physiker berechneten für ihre Analyse, welches Ausmaß die Zerstörung durch einen vergleichbaren Asteroideneinschlag hätte. Die Aufprallenergie könnte demnach tatsächlich der des Einschlags entsprechen, der die Ära der Dinosaurier beendete. Dränge ein Objekt der geschilderten Maße in die Erdatmosphäre ein, könnte das im Extremfall zu einem drastischen Anstieg der atmosphärischen Temperatur um 300 Grad Celsius führen. Das Ergebnis wäre ein Massensterben, das meiste Leben auf der Erde wäre vernichtet.

Sind nukleare Sprengköpfe die Rettung?

Doch: Die Menschheit hat Möglichkeiten, Asteroiden abzuwehren. In der Veröffentlichung werden verschiedene Optionen vorgestellt, etwa die sogenannte »PI-Methode« – PI wie für den englischen Ausdruck »Pulverize It«. Dabei könnten nukleare Sprengsätze den Asteroiden in Fragmente zerlegen, ihn also »pulverisieren«. Die Einzelteile sollten die Erde dann entweder verfehlen, oder so klein sein, dass sie in der Atmosphäre verglühen. Das sei bei Asteroiden mit einem Durchmesser von weniger als einem Kilometer bereits der Fall. Radioaktive Fragmente, die auf die Erde treffen, sollten dabei kein großes Problem darstellen.

Politisch, heißt es in dem Paper dazu weiter, wäre diese Lösung herausfordernd. Denn die Sprengkapseln müssten vor dem Einsatz getestet werden. Derartige Tests seien derzeit aber durch den Vertrag über das Verbot von Atomtests verboten. Im Falle einer realistischen, existenziellen Bedrohung ließe sich dazu jedoch hoffentlich eine Lösung finden, schreiben die Autoren der Analyse.

Und die Menschheit bereitet sich ja tatsächlich auf derartige Eventualitäten vor. Raumfahrtagenturen verschiedener Länder und Staatengemeinschaften betreiben Abteilungen zur planetaren Verteidigung. Fachleute forschen seit Jahren an Möglichkeiten, Einschläge vorherzusagen und abzuwenden. Das Büro der Vereinten Nationen für Weltraumangelegenheiten etwa veranstaltet jährlich eine Konferenz, auf der Expertinnen und Experten Szenarien zur Schadensbegrenzung, rechtliche Fragen und die Art der Kommunikation erörtern. Und sechs Monate, das steht so auch in der Veröffentlichung, böten genug Zeit, Maßnahmen umzusetzen.

Für den Notfall: Bunker im Meer

Was, wenn aber doch alle Bemühungen scheiterten? Auch dieser Fall bedeutet der Analyse zufolge nicht unweigerlich das Ende allen menschlichen Lebens auf unserem Planeten. Die Menschheit könne sich etwa in unterirdischen oder unterseeischen Bunkern retten. »Die Aufnahme von Leben unter Wasser oder im Untergrund wäre eine kluge, auf Zivilschutz basierende Strategie, um das Überleben der Menschen und anderer Spezies zu sichern.«

Das Echo auf die vergleichsweise optimistische Haltung, die aus der Analyse hervorgeht, ist einem Bericht  der britischen Zeitung »The Guardian« zufolge geteilt. So habe etwa Mark McCaughrean, ein leitender Berater für Wissenschaft und Exploration bei der Europäischen Weltraumorganisation, gesagt: Die Arbeit beantworte technische Fragen, gehe aber »völlig am Thema des Films vorbei, nämlich dass der Rat von Wissenschaftlern routinemäßig ignoriert wird«.

vki