Fliegendes Observatorium "Sofia" Trump killt den "Buckelwal" der Nasa

Die Boeing "Sofia" ist ein fliegendes Observatorium, Forscher spähen mit ihrer Teleskoptechnik in ferne Galaxien. Doch US-Präsident Trump will dem deutsch-amerikanischen Projekt die Mittel streichen.
Fliegendes Infrarot-Observatorium "Sofia" (im Jahr 2011): Die Zukunft des deutsch-amerikanischen Projekts ist ungewiss

Fliegendes Infrarot-Observatorium "Sofia" (im Jahr 2011): Die Zukunft des deutsch-amerikanischen Projekts ist ungewiss

Foto: Paul Buck/ dpa

Die Besucherin aus Übersee landete am frühen Morgen. Am 16. September 2019 setzte die fliegende Sternwarte "Sofia" um 4:03 Uhr am Flughafen Stuttgart auf. Die umgebaute Boeing 747 mit der Registrierung N747NA kam von ihrer Heimatbasis bei der US-Weltraumbehörde Nasa im südkalifornischen Palmdale. Von dort startet der "Buckelwal" regelmäßig zu Beobachtungsmissionen.

Im Flug wird eine an der Seite des Jets angebrachte Tür für das Infrarotteleskop an Bord geöffnet, damit Astronomen in die Tiefen des Universums blicken können. Hoch über den Wolken werden die Instrumente nicht vom Wasserdampf in der Atmosphäre gestört. Außerdem ist die Sternenguckerei aus dem Jumbo im Vergleich zu Satellitenmissionen deutlich billiger.

Von Stuttgart aus absolvierte die Maschine nun ihren ersten Beobachtungsflug über Europa. Dabei wurde unter anderem die Umgebung von schwarzen Löchern im Kern der rund 600 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie Markarian 231 untersucht. "Sofia" ist ein deutsch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt, das seit zehn Jahren wissenschaftliche Messdaten liefert. Normalerweise reisen deutsche Forscher für die Nutzung des Jets in die USA oder auch in andere Weltgegenden wie Neuseeland, der Forschungseinsatz im vergangenen Jahr über Europa war eine Premiere.

Eigentlich für Betriebszeit von 20 Jahren ausgelegt

Nun könnten die Messungen mit dem Jumbo aber schon bald vor dem Aus stehen. In seinem aktuellen Budgetentwurf für die Nasa schlägt US-Präsident Donald Trump nämlich vor, "Sofia" einzumotten. Das Nasa-Management trägt die Pläne mit.

Trump will der Raumfahrtbehörde 2021 insgesamt 25,2 Milliarden Dollar zukommen lassen, das wäre ein Plus von zwölf Prozent im Vergleich zum aktuellen Jahr. Das Geld soll aber primär dafür eingesetzt werden, bis zur Mitte des Jahrzehnts Frauen und Männer auf den Mond und später auch auf den Mars zu bringen. Allein für die Entwicklung von Landesystemen für diese Missionen sind 600 Millionen Dollar nur für 2021 eingeplant.

Sparen will der Präsident an anderen Stellen. Betroffen sind große Prestigeprojekte wie das riesige "WFIRST"-Infrarotteleskop. Das sollte eigentlich um 2025 starten, durch die Kürzungen ist die Mission aber akut gefährdet. Aber auch die Einstellung kleinerer Missionen soll ein paar Millionen Dollar an Einsparungen bringen. Die geplanten Erdbeobachtungssatelliten "Pace" und "Clarreo Pathfinder" sollen nicht gestartet werden, selbst bei einer Nasa-Abteilung, die Kinder und Jugendliche für Mathematik und Naturwissenschaften begeistern soll, wird der Rotstift angesetzt.

Und bei "Sofia". Dabei ist das Projekt eigentlich für eine Betriebszeit von 20 Jahren ausgelegt. Außerdem halten sich die Einsparmöglichkeiten auch hier in Grenzen: Die Amerikaner zahlen nach eigenen Angaben rund 80 Millionen Dollar pro Jahr für das Projekt. Aus Deutschland kommen knapp neun Millionen dazu, man ist also nur Juniorpartner.

"Die Nasa-Kollegen hatten uns vorab darüber informiert."

Walther Pelzer, DLR-Vorstand für das Raumfahrtmanagement

Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bemüht man sich um Zweckoptimismus. Der Budgetentwurf des Weißen Hauses habe ihn "nicht überrascht", sagt Walther Pelzer, DLR-Vorstand für das Raumfahrtmanagement dem SPIEGEL. "Die Nasa-Kollegen hatten uns vorab darüber informiert." Die Einstellung des Projektes sei in den vergangenen Jahren bereits mehrfach diskutiert worden, so Pelzer. "Doch am Ende hat sich der US-Kongress immer zu dem Projekt bekannt, ist also dem Nasa-Vorschlag nicht gefolgt."

Tatsächlich hat sich "Sofia" auch in den vergangenen Jahren immer wieder als Überlebenskünstlerin erwiesen, auch weil sich einzelne Abgeordnete immer wieder für das Projekt stark gemacht haben. Darauf hofft man zumindest auf deutscher Seite auch dieses Mal.

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