Doppelrekord Forscher finden Planeten von der Größe der Erde

Neuer Erfolg für Planetenjäger: Das Weltraumteleskop "Kepler" hat die beiden bislang kleinsten bekannten Planeten entdeckt, die einen fernen Stern umkreisen. Einer von ihnen ist kleiner als die Erde.

Kepler 20e und Kepler 20f im Größenvergleich: Astronomen finden neue Winzlinge
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Kepler 20e und Kepler 20f im Größenvergleich: Astronomen finden neue Winzlinge


Die Suche nach Exoplaneten ist ein schwieriges Geschäft. Neben ihren hell strahlenden Heimatsternen sind die düsteren Winzlinge nur mit äußerst empfindlichen Instrumenten und allerlei technischen Tricks auszumachen. Anfangs konnten Forscher nur Gasriesen von den Ausmaßen des Jupiters entdecken - doch nach und nach entwickelten sie einen immer präziseren Blick.

Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung markiert jetzt eine Entdeckung, die mit Hilfe des "Kepler"-Weltraumteleskops gelungen ist: zwei geradezu winzige Planeten mit dem 0,87- und dem 1,03-fachen Durchmesser der Erde.

Sie umkreisen den rund tausend Lichtjahre entfernten Stern mit der Katalognummer Kepler 20. Er besitzt ein ganzes Planetensystem aus mindestens fünf Begleitern, schreiben die Entdecker im britischen Wissenschaftsmagazin "Nature". Während es sich bei den bereits bekannten drei Planeten des Sterns um Gasriesen von etwa der Größe des Neptuns handelt, haben die beiden neu entdeckten sogenannten Exoplaneten nur den 0,87- und 1,03-fachen Durchmesser der Erde. Der zuvor kleinste bekannte Exoplanet besitzt immerhin einen 1,42-mal größeren Durchmesser als unser Heimatplanet.

Die Massen der neu entdeckten Exoplaneten, Kepler 20e und Kepler 20f sind noch nicht bekannt. Die Astronomen um Francois Fressin vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics halten es jedoch für möglich, dass beide eine ähnliche Zusammensetzung wie die Erde aufweisen, mit etwa einem Drittel ihrer Masse in einem Eisenkern und zwei Dritteln in einem Silikatgestein-Mantel.

Zu heiß für Leben

Für Leben ist es auf den beiden fernen Planeten allerdings zu heiß: Sie umkreisen ihren Stern, der unserer Sonne ähnelt, in nur sechs beziehungsweise knapp 20 Tagen. Entsprechend eng ist ihre Umlaufbahn, und ihre Durchschnittstemperatur liegt nach Berechnung der Astronomen bei rund 400 und 850 Grad Celsius. Dennoch könnte der kühlere, weiter von seiner Sonne entfernte Planet eine dichte Wolkenschicht aus Wasserdampf besitzen, meinen die Forscher.

Das Weltraumteleskop "Kepler" war von der US-Raumfahrtbehörde Nasa unter anderem gestartet worden, um nach erdähnlichen Planeten zu suchen. Es beobachtet dafür die Helligkeit Tausender Sterne. Planeten, die aus irdischer Perspektive genau vor ihrem Heimatstern entlang ziehen, verdunkeln ihn ein wenig. Durch diese Helligkeitsschwankungen hat "Kepler" bereits mehr als 2000 Kandidaten für Exoplaneten angegeben, die allerdings großenteils noch bestätigt werden müssen.

Zuletzt hatte das Weltraumteleskop einen Planeten mit 2,4-fachem Erddurchmesser in der bewohnbaren Zone seines Sterns aufgespürt. Auf Kepler-22b herrschen demnach milde 22 Grad Celsius. Damit wäre die Existenz von flüssigem Wasser möglich, was als Hauptvoraussetzung für die Entstehung von Leben gilt.

mbe/dpa



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
hg.hildebrandt 21.12.2011
1. unglaublicher Weitblick
In 1000 Lichtjahren Entfernung werden zwei Planeten "beobachtet". Deren Existenz und ihre Durchmesser werden lediglich aus Helligkeitsschwankungen des Zentralgestirns ermittelt. Dazu werden Abbildungen im Artikel geliefert, die Realität vorgaukeln. Eine direkte Beobachtung der vermuteten Planeten ist völlig unmöglich, Zum Vergleich: Der Pluto als äußerster Planet unseres Sonnensystems ist nur ca. 4,5Mrd.km entfernt. Die Exoplaneten sind rund 2,1 Millionen mal weiter entfernt. Vom Pluto ist bisher kaum mehr bekannt als von diesen Planeten vermutet wird. Die Astronomie und und Kosmologie sollte in Erwägung ziehen, dass die Strahlungsleistung eines Sterns durchaus Schwankungen aufweisen kann, ohne dass auf kreisende Planeten in derart geringem Abstand vom Zentralgestirn geschlossen werden muss.
Reiner_Habitus 21.12.2011
2. -
Zitat von hg.hildebrandtIn 1000 Lichtjahren Entfernung werden zwei Planeten "beobachtet". Deren Existenz und ihre Durchmesser werden lediglich aus Helligkeitsschwankungen des Zentralgestirns ermittelt. Dazu werden Abbildungen im Artikel geliefert, die Realität vorgaukeln. Eine direkte Beobachtung der vermuteten Planeten ist völlig unmöglich, Zum Vergleich: Der Pluto als äußerster Planet unseres Sonnensystems ist nur ca. 4,5Mrd.km entfernt. Die Exoplaneten sind rund 2,1 Millionen mal weiter entfernt. Vom Pluto ist bisher kaum mehr bekannt als von diesen Planeten vermutet wird. Die Astronomie und und Kosmologie sollte in Erwägung ziehen, dass die Strahlungsleistung eines Sterns durchaus Schwankungen aufweisen kann, ohne dass auf kreisende Planeten in derart geringem Abstand vom Zentralgestirn geschlossen werden muss.
Dass passt schon. man misst nämlich eben nicht die Helligkeitsschwankungen sondern über den Dopplereffekt die Geschwindigkeit mit der der Stern sich von uns entfernt und wieder auf uns zu bewegt. Aufgrund seiner Planeten entfernt sich ein Stern nämlich mal langsamer und mal schneller von uns. Steht der Planet in einer Linie Erde-Planet-Stern. So bewegt sich der Stern quasi ein wenig auf uns zu. Steht der Planet in der Linie Erde-Stern-Planet bewegt der Stern sich ein wenig von uns weg. Diese Bewegung kann man ganz präzise anhand der Spektrallinien Messen. Die Masse des Sternes ist in etwa bekannt und so kann man zusammen mit der Umlaufgeschwindigkeit abschätzen wie groß der Planet ist und wo er sich befindet. Alles kein Hexenwerk und ziemlich fundierte Wissenschaft. Wer sich selbst mal einnorden möchte wo er sich im Universum befindet: Position der Erde im Universum (http://de.wikipedia.org/wiki/Position_der_Erde_im_Universum) Das Bild in dem Wiki mal Hochauflösend runterladen und sich ganz winzig vorkommen.
ArnoNym 21.12.2011
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Zitat von hg.hildebrandtIn 1000 Lichtjahren Entfernung werden zwei Planeten "beobachtet". Deren Existenz und ihre Durchmesser werden lediglich aus Helligkeitsschwankungen des Zentralgestirns ermittelt. Dazu werden Abbildungen im Artikel geliefert, die Realität vorgaukeln. Eine direkte Beobachtung der vermuteten Planeten ist völlig unmöglich, Zum Vergleich: Der Pluto als äußerster Planet unseres Sonnensystems ist nur ca. 4,5Mrd.km entfernt. Die Exoplaneten sind rund 2,1 Millionen mal weiter entfernt. Vom Pluto ist bisher kaum mehr bekannt als von diesen Planeten vermutet wird. Die Astronomie und und Kosmologie sollte in Erwägung ziehen, dass die Strahlungsleistung eines Sterns durchaus Schwankungen aufweisen kann, ohne dass auf kreisende Planeten in derart geringem Abstand vom Zentralgestirn geschlossen werden muss.
Wo ist das Problem? Indirekte Messungen sind in der Wissenschaft absoluter Standard. Beispielsweise kann man die Masse eines Elektrons auch nicht direkt bestimmen. Sie wird halt indirekt bestimmt, und zwar auf mehrere Stellen hinterm dem Komma genau. Bei der Angabe der Oberflächentemperatur wüßte ich allerdings schon gern, ob diese Angabe in dieser Form wirklich von den Wissenschaftlern kommt oder dazugedichtet oder "stark vereinfacht" wurde. Ich könnte mir vorstellen, daß die Originalaussage ungefähr so lautete, daß bei der gemessenen Strahlungsintensität der Sonne und dem Abstand dr Plaeten unter gewissen Annahmen theoretisch 22 °C erreicht werden. Wieso kommen Sie zu dieser Annahme? Ich glaube, Sie können davon ausgehen, daß die Astronomen ihr Handwerk durchaus verstehen.
PeterPan2008 21.12.2011
4.
Zitat von hg.hildebrandtIn 1000 Lichtjahren Entfernung werden zwei Planeten "beobachtet". Deren Existenz und ihre Durchmesser werden lediglich aus Helligkeitsschwankungen des Zentralgestirns ermittelt. Dazu werden Abbildungen im Artikel geliefert, die Realität vorgaukeln. Eine direkte Beobachtung der vermuteten Planeten ist völlig unmöglich, Zum Vergleich: Der Pluto als äußerster Planet unseres Sonnensystems ist nur ca. 4,5Mrd.km entfernt. Die Exoplaneten sind rund 2,1 Millionen mal weiter entfernt. Vom Pluto ist bisher kaum mehr bekannt als von diesen Planeten vermutet wird. Die Astronomie und und Kosmologie sollte in Erwägung ziehen, dass die Strahlungsleistung eines Sterns durchaus Schwankungen aufweisen kann, ohne dass auf kreisende Planeten in derart geringem Abstand vom Zentralgestirn geschlossen werden muss.
...Journalisten... :-( Damit haben Sie sich als nicht "vom Fach" geouted. Die Herren Wissenschaftler sind sicher nicht so bloed wie Sie unterstellen. Die Plantenjagd ist anspruchsvoll aber in einem gewissen Rahmen technisch machbar. Die Kepler-Sonde zeigt dies eindrucksvoll. Grusss
asdf01 21.12.2011
5. ...
Zitat von hg.hildebrandtIn 1000 Lichtjahren Entfernung werden zwei Planeten "beobachtet". Deren Existenz und ihre Durchmesser werden lediglich aus Helligkeitsschwankungen des Zentralgestirns ermittelt. Dazu werden Abbildungen im Artikel geliefert, die Realität vorgaukeln. Eine direkte Beobachtung der vermuteten Planeten ist völlig unmöglich, Zum Vergleich: Der Pluto als äußerster Planet unseres Sonnensystems ist nur ca. 4,5Mrd.km entfernt. Die Exoplaneten sind rund 2,1 Millionen mal weiter entfernt. Vom Pluto ist bisher kaum mehr bekannt als von diesen Planeten vermutet wird. Die Astronomie und und Kosmologie sollte in Erwägung ziehen, dass die Strahlungsleistung eines Sterns durchaus Schwankungen aufweisen kann, ohne dass auf kreisende Planeten in derart geringem Abstand vom Zentralgestirn geschlossen werden muss.
Künstlerische Darstellungen von Himmelskörpern sind zur Visualisierung m.E. legitim, wenn sie als solche gekennzeichnet sind. Ist hier allerdings nicht der Fall. Allerdings lesen solche Artikel in der Regel sowieso nur an der Thematik interessierte und den dürfte bewusst sein, dass das keine "echten" Bilder sind. Pluto ist kein Planet (mehr). Wäre Pluto ein Planet, wäre er nicht der äußerste Planet unseres Sonnensystems. "Kaum mehr bekannt" stimmt wohl kaum, erst vor kurzem wurde ein weiterer Pluto-Mond entdeckt. Ist bei einem Exoplaneten schon ein Trabant entdeckt worden? Ist mir nicht bekannt.
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