Dream Chaser Raumfähre bekommt faltbare Flügel

Es klingt nach "Transformers": Ein US-Unternehmen will einen Weltraumfrachter mit Falt-Flügeln bauen. Der Klappgleiter könnte auch auf europäischen Raketen ins All fliegen.

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Sie waren ziemlich angefressen bei der Sierra Nevada Corporation. Im vergangenen September war das - und die US-Weltraumbehörde Nasa hatte gerade mitgeteilt, dass ein milliardenschwerer Transportvertrag für private Astronautenflüge zur Internationalen Raumstation an Boeing und SpaceX geht. Dabei hatte sich Sierra Nevada mit dem "Dream Chaser" exzellente Chancen auf den Zuschlag ausgerechnet. Der Raumgleiter, der aussieht wie ein kleines Space Shuttle, sollte bis zu sieben Raumfahrer auf einmal befördern - und zwar billiger als die Konkurrenz.

Weil die Firma trotzdem nicht zum Zug kam, klagte sie beim Government Accountability Office der USA gegen die Nasa-Entscheidung - und fing sich eine weitere Niederlage ein. Trotzig erklärte Sierra Nevada anschließend, man werde an der Entwicklung des "Dreams Chasers" festhalten. Er werde "eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Zukunft des Transportwesens im All" spielen. Seit Kurzem ist klar, dass dieser Satz womöglich mehr als Rhetorik war: Die Firma hat gerade ein Konzept vorgestellt, mit dem sie ihren Raumgleiter der Nasa doch noch schmackhaft machen will. Und womöglich nicht nur der.

Das Fluggerät soll in Zukunft vor allem zum Transport von Fracht eingesetzt werden, als "Dream Chaser Cargo System". Das trifft sich gut - schließlich will die Nasa auch für die unbemannten ISS-Flüge noch in diesem Jahr einen neuen Großauftrag vergeben. Es geht um bis zu 14 Milliarden Dollar, seit vergangenem September sucht man nach Interessenten. Die sollen bis zu fünf Flüge pro Jahr in der Zeit zwischen 2018 und 2024 absolvieren. Die Behörde selbst will sich dann auf ihr "Orion"-System konzentrieren, das Raumfahrer zu ferneren Zielen bringen soll. Wo auch immer die liegen.

Landung in Rostock?

Auf jeden Fall sollen die Privaten die Taxi-Jobs im Erdorbit übernehmen. Bisher machen das SpaceX (mit der "Dragon"-Kapsel) und Orbital ATK ("Cygnus"). Sierra Nevada will - neben anderen - nun auch ein Stück vom Kuchen. Man sei stolz, der Nasa ein Komplettsystem anzubieten, das alle von ihr festgelegten Anforderungen übertreffe, sagte Mark Sirangelo bei der Vorstellung des neuen "Dream Chasers".

Besonders attraktiv sei die Möglichkeit, Güter möglichst schnell von der Raumstation zur Erde zu bringen. Das funktioniert, weil der Gleiter auf einer normalen Flugzeug-Landebahn aufsetzen kann. Wissenschaftliches Material könne so innerhalb von 24 Stunden aus dem All in die Nasa-Labors am Boden gebracht werden, wirbt das Unternehmen.

Kürzlich wurde sogar der Flughafen Rostock-Laage als möglicher Landeort für den "Dream Chaser" ins Gespräch gebracht. Wenn zurückkehrende Raumschiffe statt wie bisher in Kasachstan oder den USA künftig auch in Deutschland landen, könnte sensibles Forschungsmaterial schneller in deutsche Labors gelangen - so das Kalkül.

Auch Starts auf "Ariane"-Raketen möglich

Interessant am neuen Mini-Shuttle ist außerdem, dass es sowohl auf amerikanischen "Atlas V"-Raketen als auch auf der europäischen "Ariane" starten könnte. Damit das klappt, griffen die Ingenieure zu einem Trick: Die Flügel des Frachtschiffs lassen sich zum Start einklappen. So passt es in die Spitze einer Rakete, ohne dass diese umgerüstet werden muss. Erst im All werden die Flügel ausgefaltet, mit deren Hilfe das Gefährt dann zur Erde zurückkehren kann.

Das "Dream Chaser Cargo System" könnte mit einem Flug etwa fünfeinhalb Tonnen Versorgungsgüter zur Raumstation bringen, etwa 1,7 Tonnen könnte es aus dem All wieder zur Erde bringen. Außerdem ließen sich pro Flug knapp fünf Tonnen Müll von der Station entsorgen - weil ein Modul der Fähre in der Atmosphäre verglühen würde.

Sierra Nevada hat Kooperationsverträge mit der japanischen Weltraumbehörde Jaxa, der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) abgeschlossen. Dabei geht es um die Frage, ob der Gleiter auch für Raummissionen außerhalb der USA genutzt werden kann. Die Europäer interessieren sich für den Transporter, weil sie nach dem politisch gewollten Ende ihres "ATV"-Programms kein eigenes Frachttaxi mehr haben. Auch die Möglichkeit, mit der Fähre Satelliten einzufangen und zu reparieren, finden sie interessant.

Den Traum von einem bemannten "Dream Chaser" hat Sierra Nevada übrigens noch nicht aufgegeben. Alles was man mit dem aktuellen Raumfahrzeug tue, sei auch für ein zukünftiges bemanntes Vehikel nutzbar, so Sierra-Nevada-Mann Sirangelo. Der "Denver Post" erklärte der Manager, der Gleiter könne eines Tages sogar dabei helfen, eine neue Raumstation im Orbit zusammenzubauen - und sie anschließend in die Tiefen des Alls zu schicken.

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
orosee 22.03.2015
1.
Also bei Faltflügeln denke ich nicht an Transformers, sondern an Flugzeugträger (ca 1940) und die dazu passenden Flieger. Aber okay, die Idee kommt von einer Cartoonserie aus den 80ern bzw. der CGI/Live Action Version der 2000er. Und dann per Final Countdown zurück nach 1941.
63imho 22.03.2015
2. nicht zum ersten Mal ....
... werden "transformierende" Flügel verwendet, auch Virgin Galactic verwendet einen ähnlichen Ansatz beim SpaceShipTwo. Dort werden Teile des Tragflüglels um 90 Grad aufgerichtet um aerodynamisch zu bremsen. Den effekthaschenden Verweis an die Transformer sollte sich der Autor ersparen, ist nur billiger Sensationsjournalismus (der sich leider im Spiegel immer mehr breit macht)
7eggert 22.03.2015
3.
Zitat von oroseeAlso bei Faltflügeln denke ich nicht an Transformers, sondern an Flugzeugträger (ca 1940) und die dazu passenden Flieger. Aber okay, die Idee kommt von einer Cartoonserie aus den 80ern bzw. der CGI/Live Action Version der 2000er. Und dann per Final Countdown zurück nach 1941.
X-Wings sind doch die klassischen Weltraum-Faltflügler.
Ballonmütze 22.03.2015
4. Transformers?
Wann hat je ein Raumschiff bei Transformers seine Flügel eingeklappt? Auf der Erde machen Flugzeuge das auf Trägern schon sehr lange, und im Sci Fi diverse Schiffe... Aber der Autor HD hat halt zufällig mal an Weihnachten einen Trailer von Transformers gesehen, und das ist halt auch so Raumschiff Zeugs... Gell? Wird schon stimmen.
_thilo_ 22.03.2015
5. Scharnier mit Hitzeschild ?
Zitat von 63imho... werden "transformierende" Flügel verwendet, auch Virgin Galactic verwendet einen ähnlichen Ansatz beim SpaceShipTwo. Dort werden Teile des Tragflüglels um 90 Grad aufgerichtet um aerodynamisch zu bremsen. Den effekthaschenden Verweis an die Transformer sollte sich der Autor ersparen, ist nur billiger Sensationsjournalismus (der sich leider im Spiegel immer mehr breit macht)
Richtig, 63imho, "Klappflügel" sind nicht wirklich etwas besonderes. Nur der Autor scheint das Konzept nicht zu kennen. Aber das Virgin "SpaceShip" fällt einfach nur aus 100 km Höhe runter, braucht keinen Hitzeschild. Der "DreamChaser" macht einen echten Wiedereintritt aus einer Umlaufbahn und braucht daher einen Hitzeschild. Da wird es Probleme mit dem Scharnier des Klappflügels geben...
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