Satellitenbild der Woche Europa wird zur roten Zone

Seit drei Jahren regnet es in vielen europäischen Ländern zu wenig. Forscher haben nun die dramatische Lage der niedrigen Grundwasserspiegel kartiert.
Daten der GRACE-FO-Satelliten zeigen niedrige Grundwasserpegel in Europa an

Daten der GRACE-FO-Satelliten zeigen niedrige Grundwasserpegel in Europa an

Foto: Lauren Dauphin/ NASA Earth Observatory

Das Jahr 2020 ist in Europa bisher zu heiß und auch viel zu trocken: Die Monate Januar bis März sind laut dem Deutschen Wetterdienst das wärmste erste Quartal seit 100 Jahren - noch ein halbes Grad wärmer als das bisherige Rekordjahr 1990.

Das dritte Jahr in Folge drohen jetzt in weiten Gebieten Europas Dürren und Wasserknappheit. Laut dem Copernicus Climate Change Service breitete sich die Trockenperiode von Osteuropa über den gesamten Kontinent aus. Große Flüsse wie die Elbe, Warta und Donau führten schon zu Beginn des Jahres weniger Wasser als üblich. Nach starken Regengüssen im Mai und Juni erholten sich die Wasseradern nur bedingt.

Mit den Daten der GRACE-FO-Satelliten (Gravity Recovery and Climate Experiment Follow On ) erstellten Forscher nun Karten über den aktuellen Zustand von europäischen Grundwasserspeichern (siehe Abbildung). Dabei nutzen sie die Änderung des Erdschwerefelds: Während sich Gebirge oder der Meeresboden nur selten oder sehr langsam ändern, erzeugen Verlagerungen großer Wassermengen - etwa durch Niederschlag, Verdunstung oder Abfließen ins Meer – verwendbare Daten. Diese Beobachtungen ergänzten die Wissenschaftler dann mit Messergebnissen der ersten GRACE-Mission (2002-2017) und mit aktuellen und historischen Daten von Bodenstationen.

Mit einem Regenschauer ist es nicht getan

Beide Karten - die Grundwasserspeicherung (Karte oben) und die Bodenfeuchtigkeit (Karte unten) sind vom 22. Juni 2020. Die Farben zeigen an, in welchem Verhältnis die Grundwasser- und Bodenfeuchtigkeit im Vergleich zu den Langzeitaufzeichnungen des Monats stehen: Blaue Bereiche haben mehr Wasser als gewöhnlich und orange sowie rote Bereiche haben weniger. Die dunkelsten Rottöne stehen für extreme Trockenheit.

Die Überwachung der Bodenfeuchtigkeit ist besonders für Bauern und Landwirte entscheidend. Dabei geht es um das verfügbare Wasser für den Anbau von Pflanzen. Wie viel Wasser die Erde enthält, kann erheblich schwanken - abhängig davon, ob es regnet. Durch Regenfälle kann der Boden schnell durchnässt werden aber während der Hitzewellen auch sehr schnell austrocknen. 

Das Grundwasser liegt dagegen bedeutend tiefer. Sein Volumen entschiedet darüber, wie viel Wasser es zur Bewässerung, aber auch für Trinkwasser gibt und wie hoch die Pegel von Bächen und anderen oberirdischen Wasseradern sind. Im Gegensatz zur Bodenfeuchtigkeit dauert es Monate, bis sich das Grundwasser nach einer Trockenperiode erholt. Mit einem Regenschauer ist es nicht getan, da das Wasser erst durch die trockene Oberfläche und das Gestein zum Grundwasserspiegel durchsickern muss. 

Europakarte der Bodenfeuchtigkeit in Wurzelnähe von Pflanzen: Die Erde kann durch Regenschauer schnell durchnässt werden aber auch schnell trocken fallen.

Europakarte der Bodenfeuchtigkeit in Wurzelnähe von Pflanzen: Die Erde kann durch Regenschauer schnell durchnässt werden aber auch schnell trocken fallen.

Foto: Lauren Dauphin/ NASA Earth Observatory

Nach sechs Jahren weniger Regen lag in Tschechien in diesem Frühjahr die Bodenfeuchtigkeit mindestens 30 Prozent unter dem Normalwert. In der Ukraine erreichte der Wasserstand im Fluss Desna den niedrigsten Punkt seit 140 Jahren. Anfang Juni befanden sich die Stauseen rund um Kiew auf dem niedrigsten Stand seit fast einem Jahrhundert. Auch polnische Klimatologen berichteten von einer der schlimmsten Dürren seit hundert Jahren. Bis Mai 2020 fielen mehr als 40 Flüsse und Bäche deutlich unter den saisonal üblichen Pegel.

"In Mitteleuropa gab es in den letzten Jahren eine Reihe von Dürren, die durch außergewöhnlich stabile Wetterbedingungen und hohe Temperaturen verursacht wurden, die beide mit dem Klimawandel zusammenhängen können", sagte Wolfgang Wagner von der Technischen Universität Wien. 

sug
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