"eRosita" Deutsches Röntgenteleskop schickt erste Bilder

Das Weltraumteleskop "eRosita" hat spektakuläre Bilder aus dem All zur Erde gesendet. Nun hoffen Astronomen, endlich der dunklen Materie auf die Spur zu kommen.
Das große runde rote Gebilde zeigt unsere Nachbargalaxie, die Magellansche Wolke

Das große runde rote Gebilde zeigt unsere Nachbargalaxie, die Magellansche Wolke

Foto: F. Haberl, M. Freyberg & C. Maitra/ MPE/ IKI

Seit einem Vierteljahr reist "eRosita" durchs Weltall, nun hat das deutsche Röntgenteleskop erste Aufnahmen geliefert. Sie zeigen unter anderem unsere Nachbargalaxie - die Große Magellansche Wolke - sowie zwei Galaxienhaufen in einer Entfernung von etwa 800 Millionen Lichtjahren.

"eRosita" gilt als das wichtigste deutsch-russische Raumfahrtprojekt. Es geht um ein wissenschaftliches Problem, das grundlegender kaum sein könnte: Bis heute hat die Menschheit keine Ahnung, woraus der allergrößte Teil des Kosmos eigentlich besteht. Forscher sprechen von Dunkler Materie und Dunkler Energie. Beidem soll "eRosita" auf die Spur kommen.

Das Besondere an dem Teleskop: Es macht Strukturen des Alls über Röntgenstrahlung sichtbar. Dadurch zeigt sich zwar die Dunkle Energie nicht direkt, aber ihr Wirken. Das Teleskop sucht dafür den gesamten Himmel nach sogenannten Galaxienhaufen ab. Dabei handelt es sich um gigantisch große Ansammlungen von teils Tausenden einzelnen Galaxien, untereinander verbunden durch die Wirkung der Schwerkraft.

Hundert Millionen Grad heiße Gase

Neben der Materie, die in den Galaxien versammelt ist, bestehen die Haufen aus großen Mengen Gas. Dieses ist bis zu hundert Millionen Grad heiß - und sendet dadurch Röntgenstrahlung aus. Sie ist es, nach der das Teleskop Ausschau hält. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Die bunten Wolken auf den aktuellen Aufnahmen stellen Gase und Überreste von Supernovas dar, die entstehen, wenn ein Stern explodiert. "Die ersten Bilder, die unser Teleskop geliefert hat, zeigen die wahre Schönheit des verborgenen Universums", sagte Projektleiter Peter Predehl vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching, das die Bilder veröffentlichte.

Je nachdem, wo die Haufen im All liegen, erlauben sie einen Blick zurück in die Geschichte des Universums. Das liegt daran, dass ihre Strahlung mehrere Milliarden Jahre gebraucht hat, um uns zu erreichen. Wer sie heute beobachtet, schaut also gewissermaßen in der Zeit zurück. "eRosita" kann dadurch bis zu sechs Milliarden Jahre in die Vergangenheit schauen.

Die Große Magellansche Wolke ist auf den ersten "eRosita"-Bildern als runde rötliche Struktur zu sehen. Dazwischen liegen helle Punkte - Sterne oder schwarze Löcher in weit entfernten Galaxien, die Materie um sich sammeln und dadurch hell strahlen.

"Das hat man bisher noch nicht gesehen"

Wissenschaftlich besonders spektakulär ist den Forschern zufolge die Aufnahme von grün schimmernden Galaxienhaufen, die durch blaue Schlieren verbunden sind. Das sei der Beweis, dass die Galaxienhaufen - A3391 und A3395 - interagieren. "Das hat man bisher so noch nicht gesehen, aber man hatte die Hoffnung, es mit 'eRosita' zeigen zu können", sagte Predehl.

"eRosita"-Bilder: Interagierende Galaxienhaufen A3391 (oben) und A3395

"eRosita"-Bilder: Interagierende Galaxienhaufen A3391 (oben) und A3395

Foto: Reiprich, Ramos-Ceja, Pacaud, Eckert, Sanders, Ota, Bulbul & Ghirardini/ MPE/ IKI

"eRosita" war am 14. Juli mit einer russischen Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All gestartet. An Bord war auch ein russisches Teleskop. Beide haben nun ihr 1,5 Millionen Kilometer entferntes Ziel erreicht.

Aus den Daten soll eine Himmelskarte entstehen, die das Universum und seine Entwicklung abbildet. Die Astronomen gehen davon aus, dass sie 100.000 Galaxienhaufen und Millionen aktive schwarze Löcher in den Zentren der Galaxien finden werden.

koe/chs