SPIEGEL ONLINE

Weltgrößtes Teleskop in Chile Dieses Auge soll Leben im All entdecken

Das größte Teleskop der Welt entsteht in der Atacamawüste in Chile, jetzt wurde der Grundstein gelegt. Das E-ELT der Europäischen Südsternwarte könnte der Menschheit revolutionäre Erkenntnisse ermöglichen.

Die Europäische Südsternwarte (Eso) hat in Chiles Atacamawüste den Grundstein für das größte optische Teleskop der Welt gelegt. Nach jahrelanger Planung begann der Bau offiziell am Freitag. An der Zeremonie nahmen unter anderem Vertreter der chilenischen Regierung teil. Läuft alles nach Plan, wird das Riesenteleskop im Jahr 2024 in Betrieb genommen. Dann soll es das größte Auge sein, das die Menschheit auf den Himmel richtet.

Mit fünf riesigen Spiegeln wird das "European Extremely Large Telescope" (E-ELT) ausgestattet sein. Der größte davon wir einen Durchmesser von 39 Metern haben. Die derzeit größten Teleskope haben maximal Zehn-Meter-Spiegel.

Eso-Chef Tim de Zeeuw sprach bei der Feierstunde von einem "riesigen Sprung", der mit dem neuen Teleskop gelingen könne. Mit dem Riesenteleskop werde womöglich auch Leben im All entdeckt. Er verglich die historische Bedeutung des Projekts mit dem Fernrohr, das Galileo Galilei vor gut 400 Jahren gen Himmel richtete.

Fotostrecke

E-ELT: Hier entsteht das größte Auge der Menschheit

Foto: DPA/ ESO

Mit seinem großen Hauptspiegel soll das Teleskop Exoplaneten außerhalb unseres Sonnensystems erkunden, in denen es Leben geben könnte. Das Teleskop wird auf dem 3048 Meter hohen Cerro Armazones montiert, 130 Kilometer südlich von Antofagasta im Norden Chiles.

Eine Milliarde Euro für die erste Bauphase

"Hier wird mehr als ein Teleskop errichtet", sagte Chiles Staatschefin Michelle Bachelet beim Festakt, "es ist Sinnbild der Möglichkeiten von Wissenschaft und Technologie sowie des Potenzials der internationalen Zusammenarbeit". Die Präsidentin wollte eigentlich auf dem Wüstenplateau in 3000 Metern Höhe symbolisch den Grundstein für den Bau legen. Dafür war es am Freitag allerdings zu windig.

An dem Projekt des europäischen Forschungsinstituts Eso beteiligen sich 16 Länder, darunter auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Für die erste Bauphase sind eine Milliarde Euro veranschlagt. Der Bau der Anlage war bereits im Jahr 2012 beschlossen worden, zwei Jahre später wurden die entscheidenden Weichen für die Finanzierung gestellt. Der erste Spatenstich hat schon vor Jahren stattgefunden.

Die Eso, die ihren Hauptsitz in Garching bei München hat, verfügt bereits über drei weitere Beobachtungsstandorte in der Atacama-Wüste. Wegen der kühlen und trockenen Wetterbedingungen und einhergehender guter Sicht in Chile werden die meisten astronomischen Beobachtungen weltweit in dem südamerikanischen Land ausgeführt.

juh/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.