Eigenwillige Venus Planet im Rückwärtsgang

War es der Einschlag eines anderen Himmelskörpers, ein chaotischer Prozess in der Atmosphäre oder einfach unausweichlich: Astronomen rätseln, warum die Venus in die falsche Richtung rotiert.

Die Venus ist nicht so wie andere Planeten: Während die meisten Himmelskörper in unserem Sonnensystem artig von West nach Ost rotieren, stellt sich die Venus quer. Der Nachbarplanet der Erde, der aufgrund seiner dichten Atmosphäre kaum Oberflächendetails aufweist, rotiert entgegengesetzt; für einen Beobachter auf der Venus würde die Sonne im Westen auf- und im Osten untergehen.

Astronomen gingen bislang davon aus, dass durch ein außergewöhnliches Ereignis eines Tages die Rotationsachse der Venus auf den Kopf gestellt wurde - möglicherweise durch Reibung zwischen dem Kern und dem Mantel des Planeten, möglicherweise durch gezeitenartige Bewegungen in der dicken Venus-Atmosphäre. Alle diese Effekten hätten allerdings einen große Neigung der Venusbahn im Sonnensystem gegenüber der Äquatorebene des Planeten vorausgesetzt. Nur wenn die Achse zu Beginn bereits stark geneigt war, würde sie, so die gängige Vermutung, irgendwann auch einmal kippen.

Doch es geht offensichtlich auch anders. Jacques Laskar und Alexandre Correia haben die Chaostheorie bemüht, ihre Computer gefüttert und lediglich vier stabile Zustände der Venus erhalten - zwei mit normaler Rotation und zwei mit rücklaufender Drehung. Wie die Astronomen in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" schreiben, waren dabei die beiden rückwärtsgerichteten, die so genannten retrograden Möglichkeiten deutlich wahrscheinlicher.

Laskar hatte bereits in einer früheren Studie gezeigt, dass die Rotationsachsen aller inneren Planeten nicht starr sind, sondern kleine chaotisch-wackelnde Bewegungen ausführen. Nach den grundlegenden Annahmen der Chaostheorie können kleine Änderungen aber große Folgen haben.

Ausgehend von diesen Überlegungen rechneten die Astronomen verschiedene Möglichkeiten durch, veränderten Anfangbedingungen und registrierten Umwelteinflüsse. Letztlich kamen die beiden jedoch immer bei vier fest definierten Endstadien an - allerdings mit unterschiedlich großer Wahrscheinlichkeit.

Auch die Wege zu den beiden bevorzugten retrograden Zuständen verliefen unterschiedlich. Zum einen kann die Rotationsachse, wie bislang meist vermutet, ihre Richtung ändern. Laskar berechnete aber auch eine andere Möglichkeit: Demnach beginnt die Venus zwar mit einer vorwärtsgerichteten Drehung, entwickelt dann aber eine retrograde Rotation während gleichzeitig die Bahnneigung verschwindet.

Auch wenn Laskars Überlegungen weitgehend auf Computermodellen beruhen, scheinen sie doch eines zu belegen. Die Rotationsrichtung der Venus, wie auch die der anderen Planeten, ist nicht etwa zufällig, sondern viel mehr unvermeidlich.

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