Eingemottet Space Shuttles fliegen 2010 in Ruhestand

Ende einer fast 30-jährigen Ära: In 23 Monaten findet der letzte Flug eines Space Shuttle statt. Noch zehnmal will die Nasa die Raumfähren fliegen lassen, dann ist Schluss.

Berlin/Houston - Sie sind störungsanfällig, teuer und nicht besonders praktisch. Besonders böse Zungen sprechen spätestens seit dem Absturz der "Columbia" gar von einer grundsätzlichen Fehlkonstruktion: Die Space Shuttles haben der Nasa seit 1981 zwar gute Dienste geleistet, oft aber auch jede Menge Ärger bereitet und zwei Tragödien ausgelöst. Bei den Abstürzen der "Challenger" im Januar 1986 und der "Columbia" im Februar 2003 kamen insgesamt 14 Astronauten ums Leben.

Jetzt hat die Nasa die Planung für die letzte Etappe des Shuttle-Programms bekannt gegeben. Noch zehn Flüge sind bis 2010 geplant, dann werden die drei verbliebenen Raumfähren "Discovery", "Endeavour" und "Atlantis" eingemottet. Wie die Nasa auf ihrer Website mitteilte, fliegen die Shuttles neunmal die Internationale Raumstation ISS an. Damit erfüllen die USA ihre Verpflichtungen gegenüber den ISS-Partnern. Ein Flug ist als Reparaturmission zum Weltraumteleskop "Hubble" vorgesehen.

Die "Endeavour" kommt demnach viermal zum Einsatz, für die "Discovery" und die "Atlantis" sind je drei Flüge geplant. Damit ändert die Nasa ihre ursprünglichen Pläne, die "Atlantis" schon nach der "Hubble"-Mission im Oktober dieses Jahres außer Dienst zu stellen.

In diesem Jahr findet noch ein Flug zur ISS statt, für 2009 sind fünf und für 2010 drei Flüge geplant. Am 31. Mai 2010 wird die Shuttle-Ära beendet, die 1981 begonnen hatte. Nicht ausgeschlossen ist, dass noch zusätzlich ein elfter Shuttle-Start ins Programm aufgenommen wird, wie es der US-Kongress fordert. Die endgültige Entscheidung darüber soll nach Unterzeichnung des Haushalts für das Finanzjahr 2009 durch Präsident George W. Bush fallen.

"Orion" wird die Shuttles beerben

Die USA arbeiten bereits an einem neuen Raumschiff, das frühestens 2014 zur Verfügung stehen soll. "Orion" soll auch Flüge zum Mond ermöglichen - und stellt eine Abkehr vom Shuttle-Design dar. Wie früher beim "Apollo"-Programm werden die Astronauten wieder in einer Kapsel auf der Spitze einer Rakete sitzen - und nicht seitlich am Haupttank zweier Booster-Raketen.

Der Vorteil daran: Das Raumfahrtzeug mit der Besatzung kann nicht von Bruchstücken getroffen werden, die sich beim Start von der Rakete oder ihrem Tank lösen. Teile der Schaumstoffisolierung des Haupttanks hatten die "Columbia" im Februar 2003 beim Start beschädigt und sie beim Wiedereintritt in die Atmosphäre auseinanderbrechen lassen.

Doch ab 2010 gilt es, eine mindestens vier Jahre lange Durststrecke zu überwinden. Bis zum ersten Flug von "Orion" hat Russland mit der wesentlich kleineren, engeren und unbequemen Sojus-Raumkapsel das Monopol in Sachen bemannter Raumfahrt. Und Moskau wird sich seine Dienste gut bezahlen lassen. In US-Raumfahrtkreisen heißt es, die Russen verlangten bis zu 50 Millionen Dollar für den Hin- und Rückflug eines US-Astronauten zur ISS. Für Europäer dürften die Tarife ähnlich sein - Freundschaftspreise wird es kaum geben.

Verbreitet ist auch die Sorge, dass die ISS möglicherweise nicht mehr komplett fertiggestellt werden kann, sollte es zu weiteren Shuttle-Pannen kommen. Zudem haben die Amerikaner weitgehend ihr Interesse an der ISS verloren. Auch Nasa-Chef Michael Griffin macht keinen Hehl aus seiner Meinung, dass die Raumstation zu wenig Ergebnisse für zu viel Geld abwirft. Hinzu kommt die Zielvorgabe von US-Präsident George W. Bush, bis 2020 wieder einen Amerikaner zum Mond zu bringen und bis 2037 auf dem Mars zu landen.

mbe/ddp/AFP/dpa

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