Eisiger Mars Kohlendioxid gibt Blick auf Wasser frei

In der Atmosphäre des Mars ist weit weniger Kohlendioxid vorhanden als bislang angenommen, behaupten zwei US-Forscher. Auch die Polkappen des Roten Planeten sollen zum größten Teil aus gefrorenem Wasser bestehen.


Vereiste Mars-Pole: Wassereis statt Trockeneis?
DPA

Vereiste Mars-Pole: Wassereis statt Trockeneis?

Die eisigen Pole des Mars sind Astronomen seit Jahrzehnten bekannt. Doch die Vorstellung, dabei könnte es sich um tiefgekühltes Wasser handeln, wurde in Fachkreisen schnell verworfen. Stattdessen glaubten die Forscher, gefrorenes Kohlendioxid entdeckt zu haben – Trockeneis. Allerdings ließen spektakuläre Aufnahmen der Sonde "Mars Global Surveyor" daran zuletzt Zweifel aufkommen.

Nun stellen auch neue Berechnungen die bisherigen Vorstellungen vom eisigen Mars, die zurück ins Jahr 1966 reichen, in Frage. Damals versuchten zwei Forscher vom California Institute of Technology (Caltech) Beobachtungen von "Mariner 4" zu verstehen. Die erste erfolgreiche Mars-Sonde hatte entdeckt, dass der Druck in der Atmosphäre des Roten Planeten äußerst gering und die Temperatur gleichzeitig extrem niedrig ist.

Diese Beobachtung ließ sich, so das wegweisende Computermodell der US-Wissenschaftler, nur durch eine Atmosphäre erklären, die von Kohlendioxid beherrscht wird. Nicht in der dünnen Lufthülle gelöstes Kohlendioxid muss demnach in den Polkappen gespeichert werden, die Gaskonzentration und die Menge des Trockeneises an den Polen beeinflussen sich gegenseitig. Viele theoretische Vorhersagen der beiden Forscher – zum Beispiel über atmosphärische Schwankungen – konnten in den darauffolgenden Jahren experimentell nachgewiesen werden.

Seltsame Mars-Strukturen: Löcher wie im Schweizer Käse
Science

Seltsame Mars-Strukturen: Löcher wie im Schweizer Käse

Doch die käseartigen Löcher, die "Global Surveyor" zuletzt in den Polkappen entdeckt hat, lassen sich damit nicht erklären. Die seltsamen Strukturen könnten vielmehr, wie die Caltech-Forscher Shane Byrne und Andrew Ingersoll im Wissenschaftsmagazin "Science“ schreiben, auf große Mengen Wassereis zurückzuführen sein.

Zwar sind die kreisrunden Löcher unterschiedlich groß - ihre Durchmesser erstrecken sich von einigen 100 Metern bis zu mehreren Kilometern -, doch die scharfen Wände der Käsestrukturen reichen immer exakt acht Meter in die Tiefe. Byrne und Ingersoll schließen daraus, dass an den Marspolen zwar eine Schicht aus Trockeneis existiert, diese aber nur acht Meter dick ist. Darunter dürfte, so die Schlussfolgerung der Forscher, eine deutlich dickere Schicht aus Wassereis liegen - eine Vermutung, die der Astronom Timothy Titus bereits im Dezember angestellt hat.

Die neue Entdeckung könnte Verfechtern der Theorie, auf dem Mars hätten noch vor kurzer Zeit große Mengen flüssigen Wassers existiert, zusätzlichen Auftrieb geben. Und sie fordert die fast 40 Jahre alten Berechnungen der Caltech-Forscher heraus. Denn wären die Trockeneiskappen auf dem Mars wirklich so flach, könnten die Pole nicht wie bislang gedacht als Kohlendioxid-Reservoir für die Schwankungen in der Atmosphäre dienen.

Alexander Stirn



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.