Eisiges Landeobjekt Astronomen erkunden Komet Wirtanen

Auf dem unwirtlichen Kometen Wirtanen soll in neun Jahren erstmals eine Raumsonde landen. Jetzt haben Astronomen das Ziel der "Rosetta"-Mission schon einmal ins Auge gefasst.


Zielobjekt Wirtanen: "Niemand hat bislang versucht, auf einem Kometen zu landen"
ESO

Zielobjekt Wirtanen: "Niemand hat bislang versucht, auf einem Kometen zu landen"

Mit einer überaus heiklen Aufgabe soll im nächsten Jahr "Rosetta" starten: Das Raumvehikel wird, so die Pläne der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa, im Jahr 2011 beim Kometen Wirtanen ankommen. Dort gilt es eine Landesonde auszusetzen, die ein Loch in den eisigen, mit bis zu 135.000 Kilometer pro Stunde durchs All rasenden Kern bohren soll.

Damit sie die schwierige Mission besser planen können, erhielten die Esa-Verantwortlichen nun Schützenhilfe von der Europäischen Südsternwarte. Mit dem Very Large Telescope auf dem chilenischen Cerro Paranal nahmen Astronomen das Zielobjekt ins Visier, um die Bedingungen für "Rosetta" auszukundschaften. Während der Beobachtung war Wirtanen rund 435 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, was in etwa der Situation bei der geplanten Ankunft der Sonde entspricht.

Zu ihrer Erleichterung stellten die Forscher fest, dass sich der Schweifstern an diesem Punkt seiner Bahn verhältnismäßig ruhig verhält - in der Umgebung des ein Kilometer großen Kerns, der auf dem Foto als schwacher bläulicher Fleck erscheint, konnten sie kaum Staub ausmachen. Ein dichtes Teilchengestöber, wie es bei zunehmender Annäherung an das Zentralgestirn auftritt, hätte die Aussichten für die Landemission dramatisch verschlechtert.

Den Esa-Kollegen helfen die Aufnahmen bei den letzten Vorbereitungen. "Niemand hat bislang versucht, auf einem Kometen zu landen", sagt Gerhard Schwehm, Projektwissenschaftler der "Rosetta"-Mission. "Wir müssen daher so viel wie möglich über unser Zielobjekt herausfinden. Die neuen Daten des Very Large Telescope werden es uns ermöglichen, unsere Modelle zu verbessern und während der Mission Entscheidungen zu treffen."

Ihr entferntes Studienobjekt soll die "Rosetta"-Sonde erreichen, indem sie sich beim Vorbeiflug an Erde und Mars den nötigen Schwung holt. Ziel der nach dem berühmten Hieroglyphenstein von Rosette benannten Mission ist die Entschlüsselung der Urmaterie: In Kometen wie Wirtanen, so hoffen die Astronomen, könnte noch der Stoff enthalten sein, aus dem einst Sonne und Planeten entstanden.



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