Satellitenbild der Woche Neuland

Es ist ein Eiland aus Schlamm, Sand und Steinen: Vor der Küste Pakistans hat ein schweres Erdbeben eine neue Insel entstehen lassen. Ein US-Satellit hat sie nun fotografiert. Die Region ist geostrategisch höchst interessant, vor allem für China.

Das Meer ist nicht allzu tief vor der pakistanischen Hafenstadt Gwadar. Und manchmal geschehen hier, an der felsigen Makran-Küste, wundersame Dinge. So waren zum Beispiel nach Erdbeben in den Jahren 1999 und 2010 in der dünn besiedelten Region neue Inseln im Arabischen Meer entstanden. Und als die pakistanische Provinz Belutschistan nun am 24. September von einem Erdstoß der Stärke 7,6 oder 7,7 erschüttert wurde, passierte genau dies ein weiteres Mal: Rund 380 Kilometer vom Zentrum des Bebens entfernt entstieg ein Eiland aus Schlamm, Sand und Steinen den Fluten.

Das Beben kostete mindestens 350 Menschen das Leben, Zehntausende verloren ihr Zuhause. Doch in Gwadar war man fasziniert von der Insel, die sich auf einmal aus dem 15 bis 20 Meter tiefen Wasser erhob. In Windeseile entwickelte sich die neue Insel zur lokalen Sehenswürdigkeit. Nach Forschern und Militärs erkundeten auch Bewohner der Region das steinige Neuland einen Kilometer von der Küste. Der Nasa-Satellit Eo-1 hat das Meeresgebiet zwei Tage danach aufgenommen, die Insel ist gut zu erkennen.

Schuld an dem Phänomen ist vermutlich ein sogenannter Schlammvulkan. So werden Stellen genannt, an denen im Wasser gelöstes Sediment und organisches Material an die Oberfläche sprudeln. Normalerweise werden diese von einer Deckschicht zurückgehalten. Doch wenn dieser Schutz - zum Beispiel nach Erdbeben oder Öl- und Gasbohrungen - beschädigt wird, kommt es zum Ausbruch. Sand und Steine vom Meeresboden werden mitgerissen und brodeln nach oben.

Fotostrecke

Nach Erdbeben in Pakistan: Geburt einer Insel

Foto: DPA/ Pakistan Government

Mit klassischen Vulkanen, die Magma an die Erdoberfläche befördern, haben Schlammvulkane nichts zu tun. Das Phänomen zeigt sich in instabilen Bereichen der Erdkruste - an der Makran-Küste tauchen die arabische und die eurasische Platte ab. Im Fall der Insel vor Gwadar stiegen auch größere Mengen an Methan vom Meeresgrund auf. Die neugierigen Gäste auf dem neuen Eiland konnten das Gas sogar anzünden und ihm beim Brennen zusehen.

Die neue Insel wird wohl nur kurze Zeit bestehen bleiben, glauben Geologen. Gezeiten und Stürme werden sie Stück für Stück abtragen. Und wenn größere Mengen Gas und Sediment ausgeströmt sind, dann dürfte die Formation kollabieren. Das Wasser vor Gwadar wird dann aussehen wie immer.

Der Tiefseehafen der Stadt ist übrigens ein wichtiges Standbein Chinas in Pakistan. Die Regierung in Peking hat die Anlagen für Hunderte Millionen von Dollar ausbauen lassen. Weitere Investments sind geplant. Das liegt an der geostrategisch interessanten Lage der dünn besiedelten Region. Der Persische Golf mit seinen Öl- und Gaslagerstätten ist nicht weit entfernt. Diese sollen die chinesische Versorgung sichern. Außerdem bekommt Pekings Marine eine wichtige Operationsbasis.

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chs
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