Erde kein Einzelfall Leben auf mindestens 50 Planeten denkbar

Die Entdeckung einer "zweiten Erde" in den Weiten des Alls ist nach Meinung britischer Forscher nur eine Frage der Zeit. Computersimulationen ergaben, dass jedes zweite bisher entdeckte Sonnensystem erdähnliche Planeten enthalten könnte.

Die Suche nach Außerirdischen schlaucht. Für Barrie Jones, 62, gerät das diesjährige Treffen der altehrwürdigen britischen Royal Astronomical Society zum Interview-Marathon. Jones, einer der renommiertesten Planetenforscher der Welt, hat wieder einmal einen Coup gelandet: Jahrelange Computersimulationen, berichtete der Professor vor Kollegen aus aller Welt, lieferten ein denkwürdiges Ergebnis: Die Hälfte der bisher entdeckten rund 100 Sonnensysteme könnte Planeten enthalten, die nicht nur der Erde ähneln, sondern auch in der so genannten "grünen Zone" ihre Bahn ziehen - also in einer Entfernung zu ihrem Stern, in der flüssiges Wasser und damit Leben wie auf der Erde möglich ist.

Allein in der unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft unseres Heimatplaneten, im Umkreis von etwa 600 Lichtjahren, würde es demnach Zehntausende von bewohnbaren Planeten geben, sagte Jones im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Und das ist nur ein winziger Teil des Universums."

Damit hat Jones, der bereits bei den Apollo-Missionen der Nasa mitmischte, für die Top-Meldung des Astronomentreffens gesorgt - und zugleich so etwas wie dessen Motto ausgegeben: Wir sind (hoffentlich) nicht allein im Universum. Einige der besten Astronomen, Chemiker und Biologen der Welt diskutieren bis Ende der Woche in den Hörsälen der Open University im englischen Milton Keynes über außerirdische Lebensformen, die Form außerirdischen Lebens und ob die Aliens Einstein oder eher Einzellern gleichen.

Entsprechend groß ist das Interesse an der Tagung auch außerhalb der Forschergemeinschaft. "Außerirdische sind das einzige, was die Leute noch mehr interessiert als Fußball", meint Don Cowan, Mikrobiologe von der University of the Western Cape in Südafrika.

Allerdings ist das Treffen der Royal Astronomical Society weit mehr als eine gut getimte Bewerbung für öffentliche Fördermittel. Die Forscher haben sich für Milton Keynes eine Reihe spektakulärer Veröffentlichungen aufgespart: Nadeem Ghafoor von Surrey Satellite Technology etwa berichtet von windgepeitschten Ozeanen auf dem Saturnmond, David Rothery von der Open University beschreibt einen lebendigen Ozean unter dem brüchigen Eispanzer des Jupitermonds Europa, Karl Mitchell von der University of Lancaster entwirft eine Theorie über gewaltige Wasserausbrüche auf dem Mars und Ökosysteme unter dessen Oberfläche.

Die Existenz von Aliens erscheint dieser Tage immer wahrscheinlicher. Barrie Jones etwa glaubt, dass die Entdeckung eines belebten Planeten nicht mehr eine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann ist. "Wir haben zum ersten Mal die Umlaufbahnen von bewohnbaren erdähnlichen Planeten für eine Dauer von einer Milliarde Jahre simuliert, da eine solche Zeitspanne notwendig ist für die Entwicklung von Leben", erklärt Barrie gegenüber SPIEGEL ONLINE. Überraschenderweise habe sich herausgestellt, dass jedes zweite der bisher entdeckten rund 100 Planetensysteme solche erdähnlichen Lebensoasen enthalten könnte, die auf lange Sicht in einem stabilen Orbit ihren Stern umkreisen.

Die Wahrscheinlichkeit für Leben im All sei dadurch enorm hoch, glaubt Jones. Zwar sei nicht ausgeschlossen, dass die Entstehung von Leben auf der Erde nahezu einzigartig war. "Doch das würde der Erde eine zu große Sonderstellung einbringen. Ich persönlich glaube, dass unter günstigen Bedingungen immer Leben entsteht."

Der Südafrikaner Don Cowan ist dem gegenüber - wie viele seiner Kollegen aus der Biologie - skeptischer als die meisten Astronomen: "Wir wissen praktisch nichts über die Entwicklung der frühesten Lebensformen auf der Erde." Nur eines sei gewiss: dass es auf der Erde geschehen ist. "Ob Leben deshalb aber auch auf anderen Planeten unausweichlich ist, kann niemand sagen", betont Cowan. "Vielleicht ist das Leben auch nur ein großer Glücksfall."

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