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Erdtrabant in Animation The Dark Side of the Moon

Der Mond zeigt uns stets dieselbe Seite - der Anblick von hinten ist nur Raumsonden und Astronauten vergönnt. Nun hat die Nasa aus hochaufgelösten Fotos eine Animation erstellt, die beeindruckende Perspektiven eröffnet.

Stellen Sie sich einen Menschen vor, der pausenlos im Kreis um Sie herum tanzt - eine Runde nach der anderen. Dabei achtet er peinlich genau darauf, dass er Ihnen stets seine Vorderseite zuwendet. Ob er oder sie einen knackigen Po hat - Sie werden es nie erfahren, weil Sie den Tanzpartner immer nur von vorn sehen.

Ganz ähnlich ergeht es den Bewohnern der Erde, wenn sie zum Mond schauen. 27 Tage und 7 Stunden braucht er für eine Runde um unseren Planeten. Da der Trabant sich in dieser Zeit aber auch exakt einmal um sich selbst dreht, sehen wir vom Mond immer nur das uns bekannte Gesicht. Seine Rückseite bleibt im Dunklen - wenn auch nur im übertragenen Sinn, denn natürlich wird auch sie von der Sonne beleuchtet.

Eine neue Nasa-Animation erlaubt nun spannende Ausblicke auf das rückseitige Mondterrain. Das Video (siehe oben) basiert auf hochauflösenden Fotos der Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter". Mit einer Atlas-V-Rakete war sie am 18. Juni 2009 gestartet und hatte den Mond vier Tage später erreicht. Seitdem umkreist sie ihn und sammelt mit ihren Instrumenten wissenschaftliche Daten.

Die Nasa-Animation zeigt, dass der Mond auch auf seiner Rückseite die uns bekannten Phasen hat. Mal ist er eine schmale Sichel, mal halb, mal ganz beleuchtet. Gut zu erkennen ist auch, dass die erdabgewandte Seite des Mondes sich von der Vorderseite stark unterscheidet. Große, dunkle Tiefebenen, auch Mare (Meere) genannt, fehlen. Stattdessen ist die Oberfläche von Kratern unterschiedlicher Größen übersät.

Herangezoomt an den Blauen Planeten

Die Perspektive der Animation ist beeindruckend. Der Beobachter befindet sich an einem fixierten Punkt genau über der Mondrückseite. Der Mond steht also fest, die Erde dahinter rotiert um sich selbst und führt auch noch eine kleine kreisförmige Bewegung aus, weil der Abstand zwischen Erde und Mond nicht konstant ist. Mal haben die Animationsexperten die Erde wie mit einem Teleobjektiv näher an den Mond gerückt, sodass sie riesig erscheint. Mal zeigt das Video die Erde in einer realistischeren Perspektive deutlich kleiner.

Fotostrecke

Nasa-Raumschiff: Mit "Orion" zurück zum Mond

Foto: Chris O'Meara/ AP/dpa

Die ersten Fotos der Mondrückseite hatte im Oktober 1959 die sowjetische Sonde "Luna 3" geliefert. Nicht einmal 30 Menschen haben die erdabgewandte Seite des Mondes bisher mit eigenen Augen gesehen. Das waren all jene Nasa-Astronauten, die zwischen 1968 und 1972 zum Mond geflogen  sind. Wann zum nächsten Mal Menschen den Erdtrabanten besuchen werden, ist unklar. Er ist zumindest seit einigen Jahren das erklärte Ziel der Nasa. Immerhin gibt es nun schon mal hochauflösende Animationen.

hda