Erdtrabant Mondgestein enthält mehr Wasser als gedacht

Entstand der Mond, als ein riesiger Himmelskörper mit der jungen Erde kollidierte? Neue Daten widersprechen der Theorie: Denn im Gestein steckt Wasser, das damals verdampft sein müsste.

Mondgestein unterm Mikroskop: 30 Mikrometer misst der Einschluss im Durchmesser
Brown University/ Dept. of Geological Sciences

Mondgestein unterm Mikroskop: 30 Mikrometer misst der Einschluss im Durchmesser


In Gestein aus dem Inneren des Mondes findet sich deutlich mehr Wasser als bislang angenommen. Das stellten US-Forscher fest, die sogenannte Schmelzeinschlüsse analysiert haben. Der hohe Wasseranteil steht im Widerspruch zur heute favorisierten Theorie der Mondentstehung. Demnach hat sich der Mond aus Trümmern gebildet, als ein marsgroßer Himmelskörper mit der jungen Erde kollidierte. Die hohe Temperatur bei einer solchen Katastrophe hätte alles Wasser aus dem Gestein verdampfen lassen.

"Die Proben erlauben uns den bis dato besten Einblick über das Wasser im Innern des Mondes", sagt James Van Orman von der Case Western Reserve University in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio). Zusammen mit mehreren Kollegen berichtet Orman im Wissenschaftsmagazin "Science", dass der Wasseranteil im Mondgestein ähnlich hoch sei wie der im Erdmantel. Das stützt allerdings die Theorie, dass Mond und Erde einen gemeinsamen Ursprung haben.

Die untersuchten Schmelzeinschlüsse sind winzige Kügelchen ursprünglich geschmolzenen Magmas, in Olivin, ein gesteinsbildendes Mineral eingebettet sind. Die Olivin-Kristalle wiederum befinden sich in winzigen Perlen aus vulkanischem Glas. Die orangefarbenen Gesteinsproben hatten Astronauten der Apollo "17"-Mission im Jahr 1972 einsammelt. Bereits 2008 hatten Forscher, darunter auch Van Orman, ähnliche Proben analysiert und waren dabei auf Wasser gestoßen.

Diese Gesteinsperlen entstanden bei vulkanischen Eruptionen, die Material aus dem Mantel des Mondes auf seine Oberfläche auswarfen. Die Kristalle hätten verhindert, dass Wasser und andere flüchtige Bestandteile während der Eruptionen austreten konnten, erläutert Van Orman.

Die Forscher haben in jahrelanger Arbeit Tausende dieser Glaskörnchen untersucht. Insgesamt fanden sie sieben Magmaeinschlüsse in Olivin-Kristallen. Neben dem unerwartet hohen Wasseranteil enthalten die Schmelzeinschlüsse auch Fluor, Chlor und Schwefel. Das lunare Magma ähnelt auch hier dem Gestein im oberen Mantel der Erde.

Modelle der Mondentstehung, die auf der Kollisions-Theorie basieren, sagen jedoch eine unterschiedliche Zusammensetzung von Mond- und Erdmantel voraus. "Unsere Ergebnisse zum Gehalt an flüchtigen Stoffen in lunaren Schmelzeinschlüssen deuten deshalb darauf hin, dass wir einige wichtige Aspekte der Physik der Mondentstehung bislang nicht verstehen", schreiben die Forscher. Möglicherweise erhält nun eine Theorie vom letzten Jahr Auftrieb, wonach der Mond bei einer Nuklearexplosion in der Erde entstanden ist.

Im November 2009 hatte die Nasa gefrorenes Wasser am Südpol des Mondes entdeckt. Vier Monate später gab sie auch die Entdeckung bedeutender Wasservorkommen am Nordpol des Erdtrabanten bekannt. Mit diesen Entdeckungen wurde die bis dahin verbreitete Vorstellung eines staubtrockenen Mondes endgültig widerlegt.

wbr/dapd/AFP



insgesamt 35 Beiträge
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jot-we, 27.05.2011
1. °!°
Freunde lunarer Verschwörungstheorien dürften jetzt erregt durchatmen: Dass Mondgestein sooo sehr irdischem Material ähnelt - "Ist ja fast wie aus der Atacama-Wüste", hat mal jemand gesagt - könnte demnach damit zusammenhängen, dass es nicht zuletzt auch aus der Atacama-Wüste stammt ... hihihi ...
Parvis 27.05.2011
2. .
Zitat von jot-weFreunde lunarer Verschwörungstheorien dürften jetzt erregt durchatmen: Dass Mondgestein sooo sehr irdischem Material ähnelt - "Ist ja fast wie aus der Atacama-Wüste", hat mal jemand gesagt - könnte demnach damit zusammenhängen, dass es nicht zuletzt auch aus der Atacama-Wüste stammt ... hihihi ...
Das Gestein in der Atacamawüste enthält viel zu wenig Wasser ;-)
Markus Landgraf 27.05.2011
3. Einschlagshypothese
Zitat von ParvisDas Gestein in der Atacamawüste enthält viel zu wenig Wasser ;-)
Genau, und wo sollten in der Atacama Vulkanspherulen herkommen? Alles in allem sehr interessant! Sollte sich das bestätigen, müssten die Modellierer nochmal rechnen. So schnell sollte man von der Einschlagshypothese nicht abrücken, da sie auch andere Dinge erklärt, wie z.B. den lunaren Magmaozean. Vielleicht kann man die Einschlagshypothese dahin gehend modifizieren, dass das Mantelmaterial nicht vollständig verflüssigt wurde und dass intakte Teile des Erdmantels ihren Weg in den Mond gefunden haben. Hmmm, die Hypothese hat aber auch wieder ihre Probleme.... Die Natur überrascht mich jeden Tag aufs Neue.
medienquadrat, 27.05.2011
4. ...
einem Kreationisten entlockt dieser Wissenschaftsstreit lediglich ein müdes Arschrunzeln. Im Zweifelsfall ist der Mond lediglich 7 Sekunden jünger, als die Erde, weil Gott zwischendurch einen Zug an seiner Zigarette zwischengeschoben hat.
mitch72, 27.05.2011
5. 24h :-)
Zitat von medienquadrateinem Kreationisten entlockt dieser Wissenschaftsstreit lediglich ein müdes Arschrunzeln. Im Zweifelsfall ist der Mond lediglich 7 Sekunden jünger, als die Erde, weil Gott zwischendurch einen Zug an seiner Zigarette zwischengeschoben hat.
Doch eher 24 h älter, da er die Erde ja in 6 Tagen gemacht hat, am siebten hatte er Ruhetag, also hat er sich am achten Tag an den Mond rangemacht. ;-)
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