Erfolgreicher Ausflug ins All China taumelt im Patriotismus

Chinas erster Taikonaut Yang Liwei ist nach 14 Erdumrundungen sicher in der Steppe der Inneren Mongolei gelandet. Die Raumkapsel verfehlte ihr Ziel nur um fünf Kilometer. Beflügelt von der erfolgreichen Aktion, planen die Chinesen schon den nächsten Höhenflug - und eine eigene Raumstation.

Von , Peking


Astronaut Yang nach seiner Landung
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Astronaut Yang nach seiner Landung

Das chinesische Fernsehen zeigte, wie der Pilot, umringt von vor Aufregung schreienden Menschen, in seinem blau-weißen Raumanzug aus der Kabine kletterte. Der Flug hatte 21 Stunden gedauert. Damit hat Peking Raumfahrtgeschichte geschrieben: Als dritte Nation nach Russen und Amerikanern ist es den Chinesen gelungen, einen Menschen ins All zu schießen und ihn heil wieder zurückzuholen - wenn auch mit über 40 Jahren Verspätung. "Das Raumschiff funktionierte gut. Ich fühle mich gut und ich bin stolz auf mein Vaterland", erklärte Yang laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. "Die Mission war ein Erfolg", bilanzierte Li Jinai, Chef des bemannten Raumfahrtprogramms.

Die staatlichen Medien werden in den nächsten Tagen ein großes Jubelkonzert anstimmen. Schon kurz nach der Nachricht von der erfolgreichen Landung sendete das Fernsehen begeisterte Reaktionen von Funktionären und normalen Bürgern. Der 38-jährige Astronaut flog kurz nach seiner Landung in einem Sonderflugzeug nach Peking, wo er von Verteidigungsminister Cao Gangchuan auf einem Militärflughafen empfangen wurde. Bankette, Interviews und Orden erwarten ihn. Yang, ein Oberstleutnant der Luftwaffe, ist schon jetzt ein Nationalheld. Die populäre Pekinger Jugendzeitung widmete ihm und dem historischen Ereignis bereits heute etliche Seiten.

Die Bürger werden in diesen Tagen in Patriotismus eingehüllt. Der Stolz auf die Nation ist das Motto der Stunde. Taikonaut Yang, Wissenschaftler und Funktionäre werden in diesen Stunden nicht müde, das "große Vaterland" zu preisen. Der Erfolg sei der "nationalen Koordination mit sozialistischen Vorzeichen" zu verdanken, verkündete Xie Mingbao, Chefingenieur des bemannten Raumprogramms, am Donnerstag vor Journalisten - und natürlich der "weisen Entscheidung und der korrekten Führung der chinesischen Regierung".

Die "Langer Marsch"-Rakete war mit der "Shenzhou 5"-Raumkapsel gestern morgen um neun Uhr bei Jiuquan in der Nordwest-Provinz Gansu gestartet. "Mir geht es gut" waren die ersten Worten des Taikonauten im Orbit. Später sprach er mit seiner Frau und seinem achtjährigen Sohn. Yang war zunächst aus 14, später aus einer engeren Gruppe von drei Kollegen auserwählt worden.

Die Regierung hatte lange Zeit Einzelheiten über das Projekt geheim gehalten. Erst seit der Landung erfahren die Bürger mehr über den Sinn des Unternehmens. So veröffentlichte Peking zum ersten Mal auch Details über die Kosten: So gab die Regierung für das gesamte Vorhaben seit 1992 rund 1,9 Milliarden Euro, für den Flug des Oberstleutnants Yang knapp 100 Millionen Euro aus.

In den nächsten "ein bis zwei Jahren" soll "Shenzhou 6" starten, hieß es. Der Direktor des Ingenieurabteilung der Raumfahrtbehörde, Xie Mingbao, sagte, zunächst sollten die Erfahrungen des jetzigen Fluges ausgewertet werden. Er räumte ein, dass China beim Bau des Raumschiffes von der Sojus-Technologie gelernt habe, doch sei es "sehr viel fortschrittlicher" und größer. "Russland und die Sowjetunion waren in jeder Hinsicht unsere Lehrer."

Er betonte, wie wichtig China die unabhängige Entwicklung seiner Raumfahrttechnologie ist, doch stehe sein Land bereit für internationale Kooperation. Als unmittelbare Pläne Chinas nannte Xie Mingbao die Lösung der Probleme eines Raumspaziergangs, Rendezvous im Weltall und Andockmanöver sowie die Entwicklung eines Raumlabors. Der jetzt noch voraussichtlich ein halbes Jahr um die Erde kreisende Orbiter verfolge wissenschaftliche Experimente, könne aber in dieser Ausführung nicht für Andockmanöver benutzt werden. Am Ende der Planungen steht sogar eine eigene Raumstation.



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