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09. August 2005, 14:14 Uhr

Erfolgreiches Ende

Raumfähre "Discovery" gelandet

Die Raumfähre "Discovery" ist sicher auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien gelandet. Damit ist eine teils dramatische Weltraummission zu einem guten Ende gelangt.

"Discovery" bei der Landung: Dramatische Mission ist beendet
AP

"Discovery" bei der Landung: Dramatische Mission ist beendet

Houston - Tiefes Aufatmen bei der Nasa: Die Raumfähre "Discovery" ist sicher auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien gelandet. Die kritische Phase des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre hatte der Space Shuttle zuvor unbeschadet überstanden.

In der Nasa-Bodenzentrale in Houston brandete Jubel auf, als die "Discovery" - gebremst durch einen Fallschirm - vor Sonnenaufgang auf der Bahn 22 ausrollte. Die letzte Landung eines Shuttles in der Dunkelheit hatte es 1991 gegeben. "Die Discovery ist zu Hause", sagte ein Sprecher in Houston. "Herzlichen Glückwunsch - das war ein wahrlich großartiger Flug."

Damit ist eine teils dramatische 14-Tage-Mission zu Ende gegangen. Erst hakte ein Treibstoffsensor und verursachte mehrere Startverschiebungen. Als die "Discovery" dann endlich ins All abhob, fielen erneut Stücke der Schaumstoff-Isolierung vom Haupttank ab.

Damit war klar, dass die Nasa das zentrale Sicherheitsproblem der Space Shuttles trotz zweieinhalbjähriger Arbeit und Millionen-Investitionen nicht gelöst hatte. Ein Stück der Haupttank-Isolierung hatte im Februar 2003 ein Loch in den Hitzeschild der "Columbia" gerissen und deren Absturz beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verursacht. Nun müssen die Shuttles erneut bis auf weiteres am Boden bleiben.

Im Weltraum setzte sich das Drama um die "Discovery" fort: Zuerst hieß es, die herabfallenden Trümmer könnten den Hitzeschild beschädigt haben. Von allen Seiten wurde die Raumfähre daraufhin begutachtet. Die Besatzung setzte den Roboterarm des Shuttles ein, um die Außenhülle zu untersuchen. Die Crew der Internationalen Raumstation fotografierte anschließend die Hitzekacheln der "Discovery".

Die gute Nachricht: Die Hitzekacheln waren nicht nennenswert beschädigt. Die schlechte Nachricht: An zwei Stellen lugten Füllstreifen aus den Fugen zwischen den Kacheln. Nach langem Hin und Her entschloss sich die Nasa zu einer riskanten und noch nie zuvor geübten Reparatur im All. Astronaut Steve Robinson wurde mit den Füßen am Roboterarm der ISS befestigt und an die Unterseite der "Discovery" bugsiert, bewaffnet mit einer selbstgebastelten Säge, sollten die Füllstreifen widerspenstig sein.

Kostspieliger Rücktransport aus Kalifornien

"Discovery" nach der Landung: Erleichterung bei der Nasa
REUTERS/ NASA TV

"Discovery" nach der Landung: Erleichterung bei der Nasa

Die gewagte Aktion geriet zum Triumph: Mühelos klaubte Robinson die Streifen aus dem Hitzeschild. Die befürchteten Zwischenfälle - etwa die Schäden am Hitzeschild durch Kontakt mit dem Roboterarm - blieben aus. Unmittelbar danach aber entdeckten die Nasa-Ingenieure einen weiteren Schaden: Ein Stück Isolierstoff unterhalb des Cockpitfensters war gerissen. Erneut tüftelten die Techniker der US-Raumfahrtbehörde viele Stunden, ehe sie zu dem Schluss kamen, dass der Stoff keine Gefahr auf dem Rückflug zur Erde darstellt.

Als wäre das noch nicht genug, machte am Ende noch das Wetter Ärger: Wegen dichter Wolken musste die Nasa die Landung der "Discovery" am Kennedy Space Center in Florida zunächst von Montag auf Dienstag verschieben und dann gänzlich absagen. Da das Wetter noch immer nicht mitspielte, musste der Shuttle die Edwards Air Force Base in Kalifornien ansteuern.

Damit hat die Nasa nun das nächste Problem: Die Landung in Kalifornien hat den großen Nachteil, dass die "Discovery" Huckepack auf einer ungebauten Boeing 747 nach Cape Canaveral zurückgebracht werden muss. Das kostet nicht nur rund fünf Millionen Dollar, sondern dürfte auch den Flug der Raumfähre "Atlantis" verzögern, die zwischen dem 22. und 26. Dezember zur Internationalen Raumstation ISS fliegen sollte. Die "Discovery" muss als "Rettungs-Shuttle" zur Verfügung stehen, was aber nun kaum noch gelingen kann. Das nächste Zeitfenster für einen Start der "Atlantis" öffnet sich im November.

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