Satellitenbild der Woche Blühende Landschaften

Es grünt im nordamerikanischen Eriesee - und das ist alles andere als gesund. Riesige Mengen an Cyanobakterien produzieren Giftstoffe, die für die Trinkwasserproduktion gefährlich werden können. Ein Satellitenbild zeigt das Problem.

Algenblüte im Eriesee: Links der Bildmitte ist die Insel Pelee zu sehen, die zu Kanada gehört und vor allem landwirtschaftlich genutzt wird
NASA

Algenblüte im Eriesee: Links der Bildmitte ist die Insel Pelee zu sehen, die zu Kanada gehört und vor allem landwirtschaftlich genutzt wird


Zumindest am Freitag war die Welt noch in Ordnung. Da stand die Anzeige für die Wasserqualität auf der Webseite der US-Stadt Toledo im Bundesstaat Ohio da wo sie hingehört: im dunkelgrünen Bereich. Weder beim Ansaugen des Wassers im riesigen Eriesee noch im Leitungsnetz der Stadt fanden sich giftige Abbauprodukte einer Algenblüte.

Doch das ist leider keine Selbstverständlichkeit - und es muss auch nicht so bleiben. Sonst gäbe es das städtische Warnsystem nicht, das auf mehrere schwimmende Messsonden zurückgreift. Im vergangenen Sommer hatte Toledo mit massiven Qualitätsproblemen beim Trinkwasser zu kämpfen. Tagelang konnten 400.000 Bewohner Wasser aus dem Hahn nicht trinken, weil es sie hätte krankmachen können.

Sogar die Nationalgarde war in der Wasserkrise im Einsatz. Grund der Probleme war eine Algenblüte im westlichen Eriesee, dem viertgrößten unter den fünf großen Seen Nordamerikas. Und auch derzeit gibt es dieses Phänomen wieder, wie dieses Bild des Nasa-Satelliten "Landsat 8" zeigt. In grünen Schwaden wabern riesige Mengen von Cyanobakterien der Gattung Microcystis durchs Wasser.

Problematische Prognose für dieses Jahr

Die US-Wetterbehörde NOAA geht sogar davon aus, dass die Probleme in diesem Jahr besonders gravierend ausfallen. Der bisherige Rekord bei der Algenblüte im Eriesee wurde 2011 aufgestellt, als rund ein Fünftel der knapp 26.000 Quadratkilometer Seefläche betroffen war. Forscher berichteten anschließend im Fachmagazin "PNAS", dass solche Probleme in Zukunft häufiger auftreten dürften.

Und in der Tat: Dieses Jahr, so die Prognose der NOAA, könnte nur knapp hinter den Werten von 2011 liegen. Grund sind schwere Regenfälle im Juni, die besonders viele Nährstoffe ins Seewasser getragen haben. Sie stammen vor allem aus Düngemitteln, die Landwirte massenhaft auf den Feldern der Region eingesetzt haben.

Phosphor und Stickstoff dienen Cyanobakterien im Seewasser als Nährstoff - und sorgen dafür, dass sich die winzigen Lebewesen insbesondere bei hohen Wassertemperaturen explosionsartig vermehren. Sogar das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat verspeisen die Bakterien durchaus gern.

Am schlimmsten waren die Algenblüten in den Fünfzigern und Sechzigern. Danach brachten Regeln zur Begrenzung des Phosphoreintrags zumindest einigen Erfolg. Doch jetzt kehrt das Problem wieder zurück. Schuld daran sind nach Ansicht von Forschern auch Muschelarten, die über das Ballastwasser von Schiffen in den See eingeschleppt wurden.

Die Wander- sowie Quagga-Dreikantmuscheln ernähren sich erstens von Fressfeinden der Microcystis-Cyanobakterien - und geben zweitens Phosphate und Nitrate ins Wasser ab. Diese wiederum dienen den Cyanobakterien als Nahrung und lassen ihre Zahl massiv steigen.

Das Problem: Die Cyanobakterien produzieren sogenannte Microcystine - und die sind giftig. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder gelten als gefährdet. Deswegen ist man in Toledao auch froh um jeden Tag, an dem der Anzeiger der Wassergüte-Messung weiter auf grün steht - und nicht das Wasser selbst grün ist. Die Saison der Algenblüten geht allerdings bis in den September hinein.

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chs



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