Rekordbudget für Esa-Projekte "Wir wollen nicht wegen eines Meteoriten aussterben"

Der Schutz der Menschheit vor Asteroiden-Einschlag, Erdbeobachtung, Mondmissionen - Europas Raumfahrt hat sich viel vorgenommen. Dafür erhält die Esa so viel Geld wie nie zuvor.

Weltraumschrott kreist um die Erde (grafische Darstellung)
ID&Sense/ ONiRiXEL/ ESA/ DPA

Weltraumschrott kreist um die Erde (grafische Darstellung)


Europa will sich mit Mond-Missionen, Asteroiden-Abwehr und weiteren ehrgeizigen Projekten künftig stärker im Weltall engagieren. Auf der Ministerrats-Konferenz "Space19+" im spanischen Sevilla beschlossen die 22 Mitgliedsländer der Europäischen Weltraumorganisation Esa eine unerwartet hohe Anhebung des Budgets für die kommenden Jahre auf 14,4 Milliarden Euro. Es ist eine Rekordsumme.

Vor drei Jahren in Luzern war ein Etat von nur 10,3 Milliarden bewilligt worden. "Das ist sehr überraschend. Das ist mehr, als ich vorgeschlagen hatte", jubilierte Esa-Generaldirektor Jan Wörner zum Abschluss der zweitägigen Tagung. "Ich bin sehr glücklich!"

Mit etwa 3,3 Milliarden Euro (bisher 1,9 Milliarden) übernimmt Deutschland von Frankreich (2,6 Milliarden) die Rolle des stärksten Beitragszahlers. Die deutsche Delegation erreichte dabei in der südspanischen Stadt nach eigenen Angabe auch alle gesteckten Ziele. "Wir sind sehr zufrieden", sagte der deutsche Chefverhandler Thomas Jarzombek. Der Raumfahrt werde nicht nur in Deutschland mehr Beachtung geschenkt als in der Vergangenheit.

Bei dem hohen Budget kann der Steuerzahler auf Gegenleistungen hoffen. Denn 2,54 Milliarden fließen in Projekte zur Erdbeobachtung, die auch ein besseres Verständnis des Klimawandels ermöglichen. So kündigte der zuständige Esa-Direktor Josef Aschbacher genauere Messungen des CO2-Ausstoßes an.

Gut 2,2 Milliarden Euro werden in den Bereich Raumtransport gesteckt. Dazu gehört auch die neue Trägerrakete "Ariane 6". Erkundung durch Mensch und Roboter - dazu zählen auch die Mondmissionen - erhalten knapp zwei Milliarden Euro. Wissenschaftsprogramme kosten rund 1,7 Milliarden und Telekommunikationstechnik 1,5 Milliarden Euro.

Die Deutschen erreichten nach eigenen Angaben auch, dass beim Esa-Programm die Erdbeobachtung, Wissenschaftsprogramme sowie die Mondmissionen und die internationale Raumfahrtstation ISS im Mittelpunkt stehen.

"Die Menschheit ist bedroht"

In Sevilla wurde deutlich, dass Raumfahrt vor dem Hintergrund zunehmender internationaler Konkurrenz aus dem privaten Sektor wie SpaceX nicht nur ein Prestigethema ist. Es gehe unter anderem um Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze, Umweltschutz, Souveränität und nicht zuletzt auch um die Sicherheit auf der Erde, sagte Ungarns Außenminister Péter Szijjártó.

"Die Menschheit ist bedroht, Asteroiden könnten auf die Erde treffen. Wir haben uns für die Mission Hera eingesetzt, um Asteroiden bekämpfen zu können", sagte Jarzombek. Bei dem Projekt geht es darum, gemeinsam mit der Nasa eine Technik zu entwickeln, mit der Asteroiden, die sich auf einem Kollisionskurs mit der Erde befinden, abgelenkt werden können (mehr zu dem Projekt lesen Sie hier). "Wir wollen nicht wegen eines Meteoriten aussterben", hatte Wörner in Sevilla mit Hinweis auf das Schicksal der Dinosaurier gesagt. Sie starben vor etwa 66 Millionen Jahren wohl aus, weil ein Meteorit die Erde traf.

Mit Spannung blickt man bei der Esa unterdessen auf das Mond-Programm "Artemis" der US-Raumfahrtagentur Nasa. 2024 sollen nach den Plänen von Präsident Donald Trump wieder US-Astronauten auf dem Mond landen. Europa ist daran beteiligt, soll vorerst aber nur ein Servicemodul zum Antrieb der Raumkapsel "Orion" beisteuern. Damit gibt sich der Esa-Chef aber nicht zufrieden. "Wir werden auch Europäer auf den Mond bringen", versicherte Wörner.

joe/dpa

insgesamt 32 Beiträge
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Grummelchen321 29.11.2019
1. austerben durch einen Meteoriten?
Wir sind doch gerade dabei das selbst zu erledigen.
audaxaudax 29.11.2019
2. So oder so aussterben werden
die Hominiden insbesondere der Homo Sampiens bald (bald zum Glück aus paläontologischer Sicht). Die lindenblattförmige Struktur des Bevölkerungszuwachses verdammt uns.
Rao 29.11.2019
3. Bei
fast 8 Milliarden und steigend kann von einem baldigen Aussterben keine Rede sein. Vielleicht kommt es zum Kollaps, sowas gab es in früheren Kulturen schon (Maya), aber ein paar bleiben immer übrig und vermehren sich wieder. So ist der Mensch von der Evolution her programmiert. Die Gefahr aus dem All dagegen kann zum totalen Aussterben nicht nur des Menschen, sondern aller Spezies auf unserer Welt führen. Siehe Impakt der Trümmer von Shoemaker-Levy 9 im Jahr 1994 auf dem Jupiter, in manche der Explosionswolken hätte der Planet Erde am Stück hineingepaßt, geschätztes Zerstörungspotential laut Wiki "50 Millionen Hiroshima-Bomben". Und - anfliegen können Brocken der Marke "Dino-Killer" oder größer jederzeit. Wenn sie aus (relativer) Richtung der Sonne anfliegen, bemerkt man sie unter Umständen gar nicht rechtzeitig, weil sie vom Sonnenlicht überstrahlt werden. Und Zeit ist der Hauptfaktor, wenn man sie umlenken will (sie sprengen a la Hollywood ist zu gefährlich, weil die meisten Trümmer trotzdem Richtung Erde weiterfliegen würden, dann nicht mehr als ein einziger großer Knall, sondern als Ladung aus einer Schrotflinte. Genauso tödlich.) Deswegen ist ein Kranz aus Teleskopen in weitem Abstand von der Erde, weit genug weg um auch anfliegende Objekte aus ungünstigen Richtungen erkennen zu können, eine der Mindestanforderungen eines zuverlässigen Schutzes. Im Moment wird der Himmel nur stichprobenartig überwacht, mit hohem Risiko, daß gefährliche Objekte viel zu spät entdeckt werden, so daß nur noch eine kurze Vorwarnzeit wie vor einem Atomschlag bleibt, bevor es kracht.
vox veritas 29.11.2019
4.
Man bekommt den Eindruck, daß die mehr wissen als der Rest von uns. Insbesondere, wenn man sich die aktuelle Klimakrise ansieht.
vielflieger_fred 29.11.2019
5.
Ja, natürlich wissen "sie" mehr als wir - weil sie die zweifellos vorhandenen Informationen auch alle lesen und verarbeiten, und sich nicht wie die meisten Menschen heutzutage auf ein paar Schlagzeilen verlassen. Man kann sich ruhig mal wissenschaftliche Arbeiten zu den Themen Klimawandel und Asteroiden-Gefahr ansehen - die sind alle frei verfügbar. Und der Lerneffekt ist dabei auch enorm.
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