Esa-Raumsonde "Rosetta" Aufwachen!

Gut zweieinhalb Jahre hat die Raumsonde "Rosetta" fern der Sonne im Tiefschlaf verbracht. Nun bangt man bei der Esa darum, ob sie wieder aufwacht. Denn nur so kann sie ihr Ziel erfüllen, einen fernen Kometen auszuspähen. Sogar eine Landung ist geplant.

AP / ESA / AOES Medialab

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Das Objekt namens 2007 VN 84 ließ das Minor Planet Center Alarm schlagen. Im November 2007 veröffentlichte die Organisation, die sich um die Beobachtung von Asteroiden und Kometen kümmert, folgende Warnung: Ein bisher unbekannter Himmelskörper war in den Datenbanken aufgetaucht. Binnen weniger Tage würde er der Erde rekordverdächtig nahe kommen, selbst eine Kollision schien nicht ausgeschlossen. Mehrere Teleskope hatten den kosmischen Geisterfahrer gesichtet.

Wie sich bald herausstellte, ging es aber nicht um einen Himmelskörper auf Crashkurs, sondern um die Esa-Sonde "Rosetta". Sie sollte sich planmäßig an unserem Planeten Schwung holen für ihre Reise zu einem fernen Kometen. Astronom Denis Denisenko erkannte das als erster - und zwang die Asteroidensucher zu einer Korrektur: 2007 VN 84 wurde aus den Verzeichnissen gestrichen. Gleichzeitig hatte die "Rosetta"-Mission weltweite Aufmerksamkeit erlangt.

Und nun blickt die Gemeinde der Sternengucker wieder auf die Sonde: Am Montagabend soll sich "Rosetta" aus dem Winterschlaf zurückmelden, zumindest wenn alles planmäßig läuft. "Ich bin überzeugt, dass 'Rosetta' aufwacht", sagt Gerhard Schwehm, Missionsmanager bei der Esa. "Und wenn es nicht sofort passiert, haben wir viel Zeit. Man muss nicht gleich nach ein, zwei Stunden nervös werden."

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Esa-Sonde: Weckruf für "Rosetta"

Mehr als eine halbe Stunde brauchen die Signale von der Sonde zur Erde. Die drei 35-Meter-Antennen des European Deep Space Network werden nach ihnen lauschen. Doch vermutlich werden die ebenfalls zugeschalteten Kollegen der Nasa mit ihrer 70-Meter-Schüssel in der kalifornischen Mojave-Wüste die Funkzeichen als erste auffangen.

"Rosetta" ist auf dem Weg zum 1969 entdeckten Kometen Tschurjumow-Gerasimenko. Wer den Namen zu sperrig findet, kann gern auch "Tschuri" sagen. Die stark elliptische Bahn um die Sonne führte das fliegende Observatorium dabei in abgelegene Winkel des Sonnensystems, beinahe bis hinaus zum Jupiter. Dort kommt nur noch wenig Strahlung von der Sonne an.

Und weil "Rosetta" ihren Strom durch 64 Quadratmeter messende Solarzellen bekommt, entschieden die Missionsplaner: So gut wie alle Systeme an Bord werden ab Juni 2011 für genau 957 Tage ausgeschaltet - bis der Abstand zur Sonne wieder passt. Das ist nun der Fall.

"Philae" soll Kometenkern untersuchen

"Wir kommen immer näher an die Sonne und haben damit mehr Energie zur Verfügung", sagt Esa-Mann Schwehm. "Rosetta" soll deswegen ihre Solarpaneele in Richtung unseres Zentralgestirns drehen - und so auch die Antenne Richtung Erde ausrichten. Dadurch wird der Funkkontakt möglich, auf den man im Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt so hofft. Von hier aus wird die Mission gesteuert.

3D-Modell der Raumsonde

Im Mai kommt aus Hessen auch der Befehl für die entscheidende Kurskorrektur: Aktuell eilt "Rosetta" mit einem Kilometer pro Sekunde auf den Kometen zu, nach einem Bremsmanöver sollen es höchstens noch 200 Meter pro Sekunde sein.

Im August soll "Rosetta" dann in einen Orbit um ihr Ziel einschwenken. Der Himmelskörper, der alle sechseinhalb Jahre um die Sonne kreist, hat einen Durchmesser von etwa vier Kilometern. "Einen Orbit um den Kometen zu fliegen, ist ziemlich kompliziert", sagt Paolo Ferri, Chef des "Rosetta"-Missionsbetriebs bei der Esa.

Auf Fotos des "Hubble"-Teleskops sieht Tschurjumow-Gerasimenko einigermaßen verbeult aus. Einmal alle zwölfeinhalb Stunden dreht sich der Brocken um sich selbst. Wohl alle ein bis zwei Tage muss die Bahn der Sonde korrigiert werden. Mehrere Monate lang soll "Rosetta" um den Kometen kreisen und ihn mit einem knappen Dutzend Instrumenten genau untersuchen. Für den 10. November ist dann der Höhepunkt der Mission geplant: Die Sonde soll die Landeeinheit "Philae" auf der Oberfläche von Tschurjumow-Gerasimenko absetzen.

Solch einen Husarenstreich hat noch nie zuvor jemand gewagt. Und das Risiko ist durchaus real, dass "Philae" zu schnell auf die Oberfläche rumst - und trotz Sicherung erst einmal wieder ins All abprallt. Geht aber alles glatt, dann soll "Philae" den Kometenkern unter die Lupe nehmen. Irgendwas zwischen zweieinhalb Tagen und sechs Monaten lang, je nachdem wie lang sie durchhält.

Dabei war Tschurjumow-Gerasimenko eigentlich nur zweite Wahl bei den Flugzielen für "Rosetta". Eigentlich sollte die Sonde zum deutlich kleineren - und leichter auszusprechenden - Kometen Wirtanen fliegen. Dass es dazu aber nicht kam, hat mit der europäischen Trägerrakete "Ariane 5" zu tun. Die musste nach einem missglückten Start im Dezember 2002 im Flug gesprengt werden, mit zwei Satelliten an Bord. Bis Experten das Problem gefunden hatten, ließ sich Wirtanen mit der Kraft der Rakete nicht mehr erreichen.

Ein neues Ziel musste her, der Lander modifiziert werden. Der Start wurde schließlich um mehr als ein Jahr verschoben. Auf ihrem Weg zu ihrem Ziel ist "Rosetta" inzwischen an zwei Asteroiden vorbeigeflogen: Steins (im September 2008) und Lutetia (im Juli 2010). Das echte Highlight des Fluges soll noch kommen. Doch dafür muss die Sonde nun erst einmal wieder aufwachen.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Tom Joad 20.01.2014
1. Guten Morgen!
Ganz schön kalt im Weltall ... Kann mal jemand Kaffee kochen? Nebenbei: Wenn es sich bei den ersten drei "Fotos" der "Fotostrecke" um "künstlerische Darstellungen" handelt, dann sollte man die Fotostrecke vielleicht umbenennen.
Berg 20.01.2014
2. Großartig
Ein großartiges Beispiel dafür, wie die Menschheit Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen die Welt versteht - diesmal in kosmischen Ausdehnungen, morgen vielleicht wieder im Nanobereich..
Layer_8 20.01.2014
3. Rosetta
Zitat von Tom JoadGanz schön kalt im Weltall ... Kann mal jemand Kaffee kochen? Nebenbei: Wenn es sich bei den ersten drei "Fotos" der "Fotostrecke" um "künstlerische Darstellungen" handelt, dann sollte man die Fotostrecke vielleicht umbenennen.
Es sind halt Fotos von künstlerischen Darstellungen in der Fotostrecke. Und das "Kaffeekochen" im Weltall kann bestimmt eine erleuchtende Erfahrung sein. Und ist auch interessant, wie der dann die Umlaufbahn halten kann bei ca. 1/10000 g Schwerebeschleunigung.
kook1979 20.01.2014
4. obligatorischer Meckerpost
Damit das erstmal erledigt ist und keiner mehr damit kommen muss: "Viel zu teuer! Wo ist der Nutzen? Erstmal Probleme auf der Erde lösen!" Ansonsten wünsche ich der ESA alle Daumen, dass die Landung gut gelingt. Ich verfolge die Rosetta-Mission schon seit 2007 gespannt mit und freue mich, dass der Höhepunkt nun bald erreicht ist.
AhzekAhriman 20.01.2014
5. Geldverschwendung!
Die bemannte Raumfahrt kriegt im Moment so gut wie nix auf die Reihe. Die Space Shuttles sind verschrottet und die Astronauten landen wieder mit nem Fallschirm, wie in den 60zigern. oh man, welche Schande. Vernünftige Antriebe für Raumschiffe gibt es auch noch nicht und Antigravitation sowieso nicht. Und dann liest man so was, ne zig Millionen Mission zu nen völlig unbedeutenden Felsbrocken am Rande des nirgendwo. Ein paar Forscher wird es freuen. Der Erforschung des Alls ist mit solchen Missionen nicht gedient. Für mich reinste Geldverschwendung.
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