Europäisches Superteleskop Erstes "Herschel"-Bild fasziniert Forscher

Das ist Einsatzbereitschaft: Obwohl das Weltraumteleskop "Herschel" noch nicht an seinem Arbeitsort angekommen ist, hat es bereits sein erstes Bild zur Erde gefunkt. Forscher sind begeistert von der Aufnahme, die allerdings auch noch Optimierungsmöglichkeiten erkennen lässt.


Berlin - Es ist ein außergewöhnlich langer Arbeitsweg, den das europäische Weltraumteleskop "Herschel" hat. Genau genommen ist er rund 1,5 Millionen Kilometer lang. Am sogenannten Lagrangepunkt L2, der von der Erde aus gesehen weit hinter dem Mond liegt, soll das fliegende Superauge Position beziehen. Dort soll es frei von Störeinflüssen synchron mit der Erde um die Sonne laufen.

Derzeit ist Herschel auf dem Weg zu L2, irgendwann Mitte Juli soll das Teleskop dann seinen Bestimmungsort erreicht haben - und, wenn alles gut läuft, drei Jahre lang Bilder senden. Die PACS-Kamera des Teleskops, eines von drei Instrumenten, hat nun ihr erstes Infrarotbild zur Erde gefunkt. Es zeigt die Spiralgalaxie Messier 51, die manchmal auch als "Whirlpool Galaxie" bezeichnet wird. Sie ist ein beliebtes kosmisches Fotomotiv.

Forscher hoffen auf neue Entdeckungen

Das Gebiet ist etwa 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, auch wenn sich Astronomen bei der genauen Bestimmung des Abstands alles andere als sicher sind. Messier 51 ist bekannt dafür, dass dort besonders viele neue Sterne entstehen. Viele von ihnen werden nach Ansicht der Forscher aber nicht besonders alt. In der Galaxie sind in den Jahren 1994 und 2005 zwei Supernovae beobachtet worden, die vom furiosen Ende massereicher Sterne kündeten.

Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) veröffentlichte "Herschel"-Aufnahme von M51 zeigt die Galaxie in drei verschiedenen Wellenlängenbereichen. Die Forscher versprechen sich viel von dem Teleskop, immerhin ist es das erste Weltraumobservatorium, das den kompletten Wellenlängenbereich vom Fernen Infrarot bis zum Sub-Millimeter-Bereich (60 bis 670 Mikrometer) abdeckt. Manche Bereiche dieses Spektrums sind noch nie zuvor untersucht worden. Damit bietet sich die Chance auf neue Entdeckungen, zum Beispiel zur Bildung und Entwicklung von Galaxien.

Das DLR weist darauf hin, dass noch nicht alle Instrumente von "Herschel" kalibriert seien. Bei der Bildqualität gibt es also noch Optimierungsmöglichkeiten. Dennoch deute sich bereits nach der ersten Aufnahme des Observatoriums an, dass man "einen großen qualitativen Fortschritt" erwarten könne. Ein Vergleich des aktuell gesendeten "Herschel"-Bildes von M51 mit einer älteren Aufnahme des US-Teleskops "Spitzer" zeigt zum Beispiel deutlich mehr Details. Allerdings hatte das "Hubble"-Teleskop der Nasa bereits im Jahr 2005 eine noch detailreichere Aufnahme der Galaxie geliefert.

Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) hatte "Herschel" - Namensgeber ist übrigens ein deutsch-britischer Astronom, der Ende des 18. Jahrhunderts den Planeten Uranus entdeckte - Mitte Mai zusammen mit dem Teleskop "Planck" auf den Weg geschickt. Mit beiden Instrumenten will die Weltraumbehörde auf die Suche nach den Anfängen des Universums gehen. Während "Herschel" frühe Galaxien aufspüren soll, soll "Planck" das Echo des Urknalls so genau vermessen wie nie zuvor. Insgesamt 1,8 Milliarden Euro hat sich die Esa das Projekt kosten lassen.

chs



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