Fotostrecke

"ExoMars": Gemeinsam zum Mars. Vielleicht.

Foto: ESA

Projekt "ExoMars" Schwierige Freundschaft

Europäer und Russen wollen gemeinsam zum Roten Planeten. Beide Seiten haben sich auf einen Kooperationsvertrag für die Mission "ExoMars" geeinigt. Russland will zum Start zwei Raketen beisteuern. Doch es fehlt noch jede Menge Geld.

Frederic Nordlund ist, etwas vereinfacht ausgedrückt, der Außenminister der Europäischen Weltraumorganisation (Esa). Und er war durchaus zufrieden. Während nebenan im Verhandlungssaal des Esa-Gipfels von Neapel die Delegationen der Mitgliedstaaten erbittert über den weiteren Kurs der Organisation stritten, konnte Nordlund gute Nachrichten verkünden, im Prinzip jedenfalls: Esa und Russland haben sich auf einen Kooperationsvertrag für die Mission "ExoMars" geeinigt.

Die Europäer haben die Vereinbarung bereits abgenickt, in Russland fehlt noch eine formale Zustimmung. Bei der Esa glaubt man, dass die bis zum Jahresende kommt. Doch "ExoMars" wird eine schwierige Freundschaft, technisch - und wohl auch finanziell.

Die geplante Mission besteht eigentlich aus zwei Teilen: Im Jahr 2016 soll zunächst eine unbewegliche Landeeinheit, 2018 dann ein Roboterfahrzeug auf dem Roten Planeten aufsetzen. Ursprünglich wollte die Esa die Mission zusammen mit den Kollegen von der US-Weltraumbehörde Nasa durchziehen. Seitdem die sich wegen Finanzproblemen verabschiedet haben, ruht die Hoffnung der Europäer auf der Zusammenarbeit mit Russland: "Wir haben die volle Unterstützung der Mitgliedstaaten, so voranzugehen", sagt Nordlund.

Fotostrecke

Esa-Gipfel: Europas kosmische Baustellen

Foto: REUTERS / Nasa

In der Praxis ist die Zusammenarbeit freilich schwierig: Weil die Nasa das Projekt zu einem recht späten Zeitpunkt verlassen hat, lassen sich viele technische Spezifikationen nicht mehr ändern. Gleichzeitig sorgen die strengen US-Exportrichtlinien dafür, dass die Europäer den Russen nichts über die ursprünglich geplanten amerikanischen Beiträge erzählen dürfen. Bei der Mission von 2016 ist Russland deswegen wohl nur mit zwei kleineren Nutzlasten auf dem Mars-Orbiter dabei. Beim Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space-Italy hätte man auch nichts dagegen, noch einmal grundlegend am Mars-Lander herumzuschrauben. Doch dafür fehlt bei der Esa das Geld. Und überhaupt: Für die gemeinsame Mission sind nach Auskunft von Esa-Sprecher Franco Bonacina noch weitere 100 Millionen Euro nötig. Mindestens. Über die wird beim Gipfel im Neapel allerdings gar nicht verhandelt. Es gibt genug andere Streitpunkte: Die Zukunft der europäischen Ariane-Rakete zum Beispiel. Oder die Frage nach dem Esa-Beitrag zur Internationalen Raumstation ab dem Jahr 2017.

Europäische Wissenschaftler, die auf einen Flug von "ExoMars" hoffen, müssen also noch eine ganze Weile die Daumen drücken. Wenn alles gut geht, wird irgendwann ein gemeinsames Forscherteam die Auswertung der Ergebnisse übernehmen - auch darauf ist man bei der Esa stolz.

Die russische Seite soll zwei Proton-Raketen in die Ehe einbringen, um die Mars-Vehikel vom Weltraumbahnhof Baikonur ins All zu befördern. Außerdem sollen russische Experten sich um die Technik kümmern, damit der Roboter bei der für 2018 geplanten Mission unbeschadet auf dem Mars ankommt. Dummerweise haben die Russen nach den Fehlschlägen von Missionen wie "Mars 96" oder zuletzt "Phobos Grunt" einen - im wahrsten Sinne des Wortes - ziemlich ramponierten Ruf in der Exploration. Beide Sonden verglühten nach missglückten Starts schon in der Erdatmosphäre.

Aus europäischer Sicht scheint die Zusammenarbeit mit den Russen trotzdem folgerichtig: "Wir haben ExoMars als nächsten Schritt der Kooperation zwischen der Esa und Russland identifiziert", sagt Nordlund. Es gehe um weit mehr als nur die reine Mission. Auch eine russische Beteiligung an der geplanten europäischen Jupitermission "Juice" kann man sich bei der Esa vorstellen - schließlich wollen die Russen auf dem Jupitermond Ganymed landen.

Beide Seiten sind sich näher gekommen, seit russische Sojus-Raketen vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou starten. Doch genau dieses Beispiel zeigt auch, dass die Freundschaft irgendwann auch an Grenzen gelangt. Für bestimmte Räume auf dem Startplatz gilt für die jeweils andere Seite nach wie vor: Zutritt verboten.

Dem Autor auf Twitter folgen: