Vorbereitung von Landemanöver Raumsonde schickt Roboter zum Mars

Auch in schwierigen Zeiten zusammenarbeiten - das wollen Europäer und Russen mit ihrer gemeinsamen Raumsonde "ExoMars". Ein wichtiges Manöver hat nun geklappt. Eine Landung ist in wenigen Tagen geplant.


Nach gut siebenmonatiger Reise durchs Weltall ist die Raumfahrtmission "ExoMars" nach einem wichtigen Flugmanöver auf der Zielgerade zum Roten Planeten. Am Sonntagnachmittag (16.42 Uhr MESZ) löste sich das Testlandemodul "Schiaparelli" rund 900.000 Kilometer entfernt vom Mars von der Forschungssonde "TGO". Nach der Trennung dauerte es noch neun Minuten und 36 Sekunden, bis die Nachricht vom erfolgreichen Verlauf auch auf der Erde ankam.

Nach der offiziellen Bestätigung des Signals gab es Jubel beim Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt. Das Abkoppeln galt als eine der schwierigsten Hürden der russisch-europäischen Mission. Die beiden Partner Esa und Roskosmos sehen ihr gemeinsames Projekt auch als Beweis dafür, dass professionelle Kooperation zwischen Ost und West in politisch turbulenten Zeiten möglich ist.

Nach der Trennung von "Schiaparelli" und "TGO" schwenkt der Forschungssatellit in einen sogenannten Parkplatz-Orbit. Vier Monate lang soll "TGO" in einer elliptischen Bahn auf bis zu 100.000 Kilometern Höhe um den Mars kreisen. Ab Januar ist ein etwa einjähriges Bremsmanöver geplant, das den Satelliten auf seine Zielumlaufbahn von 400 Kilometern über dem Boden bringen soll. Ende 2017 soll die Forschung beginnen. Die Landung von "Schiaparelli" auf dem Roten Planeten soll "TGO" aber schon beobachten.

"Schiaparelli" soll am Mittwoch auf dem Mars aufsetzen. Die computergesteuerte Landesequenz beginnt 121 Kilometer über dem Marsboden. Zunächst muss die Geschwindigkeit von 21.000 Kilometer pro Stunde rasch gedrosselt werden. "Wir bremsen durch die Reibung mit der Atmosphäre", erklärt Esa-Experte Jorge Vago.

"Keine sensationelle Aufnahmen"

Nach gut drei Minuten geht bei einer Restgeschwindigkeit von 1700 Kilometer pro Stunde und elf Kilometer Höhe ein großer Fallschirm auf. 1000 Meter über dem Boden löst sich "Schiaparelli" vom Schirm und schaltet vorübergehend seine Bremstriebwerke an. Eine Art Airbag soll auf den letzten zwei Metern im freien Fall den Aufschlag abfedern. Geplant ist die Landung im Marshochland Meridiani Planum nahe des Äquators.

Eine wissenschaftliche Kamera wie bei anderen Forschungssonden hat "ExoMars" nicht an Bord. Panoramabilder aus dem All wird es diesmal also nicht geben. Aber eine Art Webcam an der Unterseite des Moduls soll 15 Schwarz-Weiß-Fotos der Marsoberfläche schießen - das erste in drei Kilometer Höhe, die weiteren Bilder in Intervallen von 1,5 Sekunden.

Zudem will ein US-Forschungsteam die Kameras des Rovers "Opportunity", der derzeit über den Mars fährt, nach oben richten, um "Schiaparelli" und den Fallschirm zu filmen. "Wir erwarten aber keine sensationelle Aufnahmen", sagt Roskosmos-Chef Igor Komarow.



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