Experten-Bericht Superheißes Gas riss "Columbia" in Stücke

Experten wollen die Ursache für den Absturz der US-Raumfähre "Columbia" gefunden haben: Durch einen Riss in der Außenhülle sei extrem heißes Gas in den Fahrwerksschacht eingedrungen.


Vor dem Auseinanderbrechen der US-Raumfähre "Columbia" ist möglicherweise heißes Gas aus der Erdatmosphäre in den Fahrwerksschacht der Fähre eingetreten. Erste Untersuchungen deuteten darauf hin, dass die hohen Temperaturen am linken Flügel der Fähre auf so genanntes Plasma im linken Fahrwerkschacht zurückzuführen seien, teilte eine unabhängige Untersuchungskommission am Donnerstag mit.

Verglühende Bruchstücke der "Columbia": Hüllenbruch soll Absturz verursacht haben
AP/ Tyler Morning Telegraph/ Dr. Scott Lieberman

Verglühende Bruchstücke der "Columbia": Hüllenbruch soll Absturz verursacht haben

Das Gas sei durch einen Bruch in der Außenhülle der Fähre eingetreten, hieß es weiter. Das Fehlen einer Hitzekachel zum Schutz vor einem Verglühen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre habe nicht ausgereicht, um so hohe Temperaturen zu erzeugen, die beim Landeanflug der Fähre gemessen worden seien.

Die Expertenkommission untersucht unter anderem, ob ein Stück Isoliermaterial beim Start der "Columbia" Hitzekacheln an der linken Tragfläche beschädigt haben könnte. Daneben wird überprüft, ob ein Problem am linken Fahrwerk zum Auseinanderbrechen der Fähre über dem US-Bundesstaat Texas geführt hat. Ein Nasa-Mitarbeiter hatte zwei Tage vor dem Absturz der Raumfähre per E-Mail vor dieser Möglichkeit gewarnt.

Den Ermittlern zufolge wurde schon einige Zeit vor der Katastrophe ein starker Temperaturanstieg im Fahrgestellbereich um etwa 30 Grad festgestellt. Dies sei auf das Vorhandensein von so genanntem Plasma zurückzuführen - überhitzter Luft mit einer Temperatur von etwa 2000 Grad Celsius. Diese könne sich aber nicht im Shuttle selbst entwickelt haben, sondern müsse von außen eingedrungen sein.

Wo das vermutete Leck aufgetreten sein könnte, sei vorerst unklar, erklärte Nasa-Sprecher James Hartsfield. Man vermute es jedoch am linken Flügel, in der Öffnungsklappe des Radkastens oder auch am Rumpf auf der linken Seite. Dagegen wiesen die Ermittler Spekulationen zurück, das Fahrwerk könnte beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre fälschlicherweise ausgefahren worden sein.

Wäre dies bei einer Geschwindigkeit von rund 20.000 Kilometer pro Stunde in einer Höhe von 60 Kilometern geschehen, hätten die Hitze ebenso wie der Luftwiderstand die Räder zerfetzt und vermutlich zu einem schnelleren Auseinanderbrechen des Shuttles geführt, erklärten die Experten. Man hätte dann aber nicht mehr für eine ganze Weile überhöhte Temperaturen registrieren können.

Zuvor hatte die Nasa mitgeteilt, ein Messgerät habe 26 Sekunden vor der Katastrophe ein ausgefahrenes Rad angezeigt. Man sei jedoch überzeugt, dass es sich hierbei um einen Fehler handele, hieß es später. Zwei weitere Messgeräte hätten das Gegenteil angezeigt.

Die Leichen der sieben Astronauten an Bord der "Columbia" wurden inzwischen identifiziert, wie die Nasa weiter mitteilte. Die Suche nach weiteren Leichenteilen sei eingestellt worden. Die Zuordnung der gefundenen sterblichen Überreste der Astronauten erfolgte auf dem Luftwaffenstützpunkt Dover im Staat Maryland.



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