Feuchter Mars Astronomen entdecken uraltes Flussbett

Fotos eines uralten Flussdeltas auf dem Mars könnten eine jahrzehntealte Debatte entscheiden. Die Aufnahmen beweisen nach Meinung von Wissenschaftlern, dass es nicht nur kurze Fluten gab, sondern dass Flüsse und Seen für lange Zeit auf dem roten Planeten existierten.




Marsianisches Flussdelta: Beweis für lang anhaltende Wasservorkommen?
NASA/ JPL/ MSSS

Marsianisches Flussdelta: Beweis für lang anhaltende Wasservorkommen?

Verglichen mit den großen Deltas auf der Erde fällt es winzig aus. Gerade einmal 13 Kilometer lang und elf Kilometer breit ist die urzeitliche Flussmündung, die Mars-Forscher nun auf dem Roten Planeten ausgemacht haben. Dennoch bringen die staubigen, ungewöhnlich deutlich erkennbaren Ablagerungen Wissenschaftler zum Schwärmen, wie das Fachmagazin "Science" jetzt in seiner Online-Ausgabe berichtet.

Die neuen Aufnahmen der Raumsonde "Mars Global Surveyor" zeigen Kanäle, durch die einmal Wasser geströmt sein muss. Die Wände der Flussarme sind zwar nicht mehr vorhanden, wohl aber die Ablagerungen, die das langsam fließende Wasser mit sich gebracht hat. Von der Erosion an die Oberfläche gebracht, heben sich die harten Sedimente wie ein negatives Relief vom sonstigen Untergrund ab. Deutlich ist auch ein Schuttkegel zu erkennen; offensichtlich ein Zeichen dafür, dass sich das Wasser in einen großen See ergossen hat, wobei die mitgeführten Schwebeteilchen langsam zu Boden sanken.

"Eindeutiger Beweis"

Der US-Forscher Michael Malin, der zusammen mit Kenneth Edgett die Aufnahmen ausgewertet hat, ist sicher: Die Muster der Kanäle, die umliegenden topographischen Strukturen, die leichte Neigung des Geländes - alles spricht dafür, dass es sich bei den jetzt entdeckten Ablagerungen um die Spuren eines tatsächlichen Flussdeltas handelt. Insbesondere die Windungen der Flussbette hält Malin für bemerkenswert: "Mäander sind eindeutige Beweise dafür, dass einige Täler auf dem Mars über beachtliche Zeiträume Wasser führten."

Uraltes Flussbett: "Mäander sind der unwiderlegbare Beweis"
NASA/ JPL/ MSSS

Uraltes Flussbett: "Mäander sind der unwiderlegbare Beweis"

Es ist nicht das erste Mal, dass Malin, der mit seiner Firma Space Science Systems selbst Kameras für Weltraummissionen baut, mit dem nassen Element Schlagzeilen macht. Im Juni 2000 hatte der Forscher auf Bildern des "Mars Global Surveyor" junge Krater entdeckt, an deren Rändern sich verdächtige Rinnen befinden. Für Malin und Edgett, wie die beiden ebenfalls in "Science" schrieben, ein deutlicher Hinweis darauf, dass selbst vor nicht allzu langer Zeit Wasser über den Mars floss.

Andere Wissenschaftler sind deutlich skeptischer - nicht nur, weil unklar ist, wo das Wasser hergekommen und wohin es plötzlich wieder verschwunden sein soll. Vielmehr gelang es den Verfechtern der Theorie junger Wasservorkommen bislang nicht, die erste Begeisterung mittels weiterer eindeutiger Aufnahmen am Leben zu erhalten.

Nur drei Prozent der Mars-Oberfläche erfasst

Bei Wasser aus grauer Vorzeit sieht das anders aus. Über dessen Existenz herrscht unter Forschern weitgehend Konsens, auch wenn das Ausmaß der einstigen Wassermassen ebenso unklar ist wie der Zeitpunkt ihres Verschwindens. Sicher ist nur: Heutzutage ist die Atmosphäre des Roten Planeten so dünn, dass jegliches Wasser an der Oberfläche sofort verdunsten oder gefrieren würde. Da das - wie nicht nur die jetzt entdeckten Spuren beweisen - vor langer Zeit anders war, muss sich auch das marsianische Klima grundlegend gewandelt haben.

Noch haben die Forscher die Hoffnung nicht aufgegeben, eines Tages eindeutige Hinweise darauf zu finden. Zwar umkreist der "Mars Global Surveyor" bereits seit mehr als sechs Jahren den Roten Planeten, seine hoch auflösende Kamera hat bislang allerdings nur drei Prozent der Marsoberfläche auf Film gebannt. "Eine wichtige Entdeckung", sagt Malin, "kann daher jederzeit kommen - und sie wird es auch."

Alexander Stirn



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.