Feuchter Nachbar Neue Karte zeigt marsianische Wasserstellen

Im tiefsten Canyon des Sonnensystems, auf den Westhängen der größten bekannten Vulkane und in der marsianischen Wüste: Eine Karte enthüllt, wo überall auf dem Roten Planeten Wasser existieren könnte.


Karte möglicher Wasservorkommen auf dem Mars: Verdampfte Polkappen?
LANL

Karte möglicher Wasservorkommen auf dem Mars: Verdampfte Polkappen?

Der Mars ist wahrlich keine Wasserwelt, und doch ist das lebensnotwendige Nass möglicherweise vielerorts auf dem Wüstenplaneten verborgen. Eine neue, aus Daten der Sonde "Mars Odyssey" erstellte Karte zeigt potenzielle Vorkommen in Regionen, die geologisch höchst unterschiedlich sind.

Seit über einem Jahr fängt "Odyssey" im Orbit Neutronen auf, die von kosmischer Strahlung aus dem Marsboden geschlagen werden. Die Energie der Teilchen, in diesem Fall mit dem Neutronenspektrometer des Raumvehikels gemessen, gibt Aufschluss über den Wasserstoffgehalt des Wüstengrundes. Das Element liegt vermutlich in Form von Wassereis vor, das knapp unter der staubigen Oberfläche eingelagert ist.

Frühere Neutronenmessungen hatten bereits große Wasserstoffvorkommen in den Polregionen des Roten Planeten enthüllt - dort ist der mutmaßliche Permafrost jedoch zum Teil von gefrorenem Kohlendioxid bedeckt. Die jüngsten Daten kombinierten die Forscher mit Höheninformationen, die von der Sonde "Mars Global Surveyor" gewonnen worden waren.

"Die Bilder sind einfach atemberaubend", schwärmt Bill Feldman vom Los Alamos National Laboratory im US-Staat New Mexico, das für das Neutronenspektrometer verantwortlich ist. "Eine Spur von wasserstoffreichem Material folgt den westlichen Hängen der größten Vulkane des Sonnensystems. Ein Maximum sitzt genau auf dem Berg Elysium Mons, ein weiteres in Valles Marineris, dem tiefsten Canyon des Sonnensystems."

Ab 55 Grad nördlicher oder südlicher Breite bis hin zu den Polen enthält der Boden den Daten zufolge besonders große Mengen an Wassereis - im Schnitt sind es, so die Forscher, 50 Prozent. Zwar können die "Odyssey"-Instrumente den Wasserstoff nur maximal einen Meter unter der Oberfläche nachweisen. "Manche Theorien sagen aber voraus, dass die Einlagerungen mehrere hundert Meter tief reichen", so Feldman.

Näher am Äquator liegen die mutmaßlichen Wasserkonzentrationen zwischen zwei und zehn Prozent. Zur Überraschung der Forscher fanden sich relativ große Vorkommen auch in Arabia Terra, einer 3000 Kilometer breiten marsianischen Wüste, sowie auf der gegenüberliegenden Marsseite. Wie Experten vermuten, stammt das Wasser aus den Polkappen: Diese werden womöglich durch Planetenwärme von unten angetaut, oder sie verdampften vorübergehend bei einem Kippen der Rotationsachse vor einer Million Jahren.



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