Feuchter Planet Wasser formte Kegel auf dem Mars

Erneut wollen Forscher auf relativ junge Spuren flüssigen Wassers auf dem Mars gestoßen sein. Verräterische Strukturen auf der Oberfläche gaben angeblich den entscheidenden Hinweis.

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Seit der Nasa-Forscher Michael Malin im Sommer vergangenen Jahres beeindruckende Bilder von mutmaßlichen Marsrinnen präsentiert hat, ist die Diskussion nicht verstummt: Floss vor gar nicht allzu langer Zeit Wasser über den Roten Planeten?

Viele Wissenschaftler sind mittlerweile, nachdem immer neue Bilder zur Erde gefunkt wurden, von Wasserspuren auf dem Mars überzeugt. Das nasse Element soll allerdings, so die gängige Theorie, nur in der Umgebung der Mars-Pole geflossen sein.

Peter Lanagan vom Lunar and Planetary Laboratory der University of Arizona in Tucson kommt allerdings zu einem anderen Schluss. Wie der Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" berichtet, weisen seltsam geformte Krater in der Oberfläche des Roten Planeten auf Wasser hin - und das in der Nähe des Mars-Äquators.

Aufnahmen der Mars Orbiter Camera der "Global Surveyor"-Sonde, die von Lanagan und seinem Team ausgewertet wurden, zeigen große Gebiete mit kraterartigen Strukturen, manche lediglich 20 Meter groß, andere mit einem Durchmesser von über 300 Metern. Doch anders als bei den üblichen Mars-Vulkanen weisen die Kegel keine Spalten im Fels auf.

Wahrscheinlich, so die Vermutung der Forscher, wurden die Kegel geformt, als heiße Lava über wasserbedeckten Boden floss. Das Wasser fing an zu kochen, verdampfte beinahe explosionsartig und riss dabei Lava mit sich. Am Ende entstanden kegelartige Strukturen - ein Prozess, der auch auf der Erde zu beobachten ist.

Für Lanagan sind die Fundorte nahe des Mars-Äquators "äußerst verwirrend". Die neuen Erkenntnisse legten nahe, so der Forscher gegenüber "Nature Science Update", dass Wasser in einem Gebiet existierte, "von dem wir nicht zu träumen wagten".

Die von der "Surveyor"-Sonde untersuchte Region, ungefähr so groß wie Kanada, wurde vor rund zehn Millionen Jahren von Lavamassen verschüttet. "Das klingt nach einer langen Zeit", sagt Lanagan, "für Mars-Forscher ist das allerdings ein Blick in die jüngste Vergangenheit."

So ganz können die Forscher aus Arizona ihre Kollegen allerdings nicht überzeugen. Gegenüber "Nature Science Update" warnt John Mustard von der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island davor, geologische Analogien zwischen Erde und Mars zu ziehen. Allerdings legten die beobachteten Kegel nahe, dass in der Äquatorialregion des Roten Planeten tatsächlich Wasser existierte. Die große Frage sei nun, so Mustard, "ob die Wasservorkommen noch immer dort sind".

Vielleicht müssen die Mars-Forscher auf die Beantwortung dieser Frage ja gar nicht so lange warten. Die "Mars-Odyssey"-Mission, die voraussichtlich im Oktober den Roten Planeten erreichen wird, soll mit Hilfe ihres Gammastrahlen-Spektrometers bis zu einem Meter unter die Mars-Oberfläche blicken - immer auf der Suche nach dem nassen Element.

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