Fly-by und Bye-bye Raumsonde "Rosetta" filmt Asteroiden aus nächster Nähe

Es sind bestechende Bilder - die Esa-Raumsonde hat es geschafft: "Rosetta" flog in einem spannenden Manöver am Asteroiden "Steins" vorbei. Die Forscher erhoffen sich von den packenden Nahaufnahmen aus dem All Erkenntnisse über die Frühphase unseres Sonnensystems.

Darmstadt - Geglücktes Manöver im All: Die europäische Raumsonde "Rosetta" ist am Freitagabend an dem zurzeit rund 400 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Asteroiden "Steins" vorbeigeflogen. Dies teilte die europäische Raumfahrtbehörde Esa mit. Sie erhofft sich aus der Auswertung der Messdaten und Fotos Rückschlüsse auf die Frühphase des Sonnensystems. Für "Rosetta" beginnt nun die nächste Etappe ihrer Reise. In sechs Jahren soll sie als erstes Raumfahrzeug überhaupt auf einem Kometen landen.

Nach dem Vorbeiflug in 800 Kilometer Entfernung soll der auch "Asteroid 2867" genannte Gesteinsbrocken "Steins" nun analysiert werden. Die von "Rosetta" am Freitagabend gemachten Bilder wurden am Samstag ausgewertet und veröffentlicht.

Wie erwartet brach der Kontakt zu "Rosetta" während der Begegnung für rund anderthalb Stunden ab, weil sich die Sonde so schnell bewegte, dass ihre Richtantenne keine Signale mehr zur Erde senden konnte. Gegen 21.15 Uhr deutscher Zeit war der Kontakt zur Freude der Esa-Mitarbeiter wieder hergestellt. "Wir sind extrem froh, dass es geklappt hat", sagte Esa-Projektmanager Gerhard Schwehm.

Asteroiden: Potentiell gefährlich

Die Asteroidenwissenschaft habe in den vergangenen Jahren einen großen Auftrieb erhalten, sagte Schwehm - kein Wunder, denn das Interesse an den potentiell gefährlichen Gesteinsbrocken wächst. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Asteroiden immer wieder der Erde gefährlich nahe kommen, hat das Interesse an der Art und Zusammensetzung der Gesteinsbrocken geweckt. Schwehm: "Wenn man den Feind bekämpfen will, muss man ihn kennen."

Ein Asteroideneinschlag könnte das absolute Ende für das irdische Leben bedeuten. Mindestens zwei der großen Massenaussterbenswellen in der Erdgeschichte stehen im Verdacht, durch den Einschlag Asteroidenbruchstücken verursacht worden zu sein. Für die Verursachung einer globalen Katastrophe reicht der Einschlag eines Asteroidenbruchstücks oder eines großen Meteoriden ab etwa hundert Tonnen Gewicht. Solche Dimensionen könnten die Geschosse gehabt haben, die im Verdacht stehen, beispielsweise das Massensterben an der Grenze von Kreidezeit und Tertiär vor circa 65 Millionen Jahren verursacht zu haben, bei dem rund 50 Prozent aller damaligen Arten ausgelöscht wurden.

Asteroiden bewegen sich da in einer ganz anderen Größenklasse: Wahrscheinlich gibt es Millionen davon im Sonnensystem, erfasst wurden bereits über 400.000. Die meisten davon haben einen Durchmesser von wenigen hundert Metern bis unter hundert Kilometer, die größten erreichen annähernd tausend Kilometer Durchmesser - die Grenze zum Kleinstplaneten ist fließend und wurde erst vor wenigen Jahren neu definiert. Die größten Objekte im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter erreichen fast tausend Kilometer Durchmesser, die größten bisher im Kuiper-Gürtel außerhalb der Neptun-Bahn entdeckten Objekte bringen es auf fast 1300 Kilometer Durchmesser.

"Steins" sitzt im sogenannten Asteroiden-Hauptgürtel, der sich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter befindet. "Steins", der zur seltenen Klasse der E-Asteroiden zählt, misst nach Esa-Angaben rund 4,6 Kilometer im Durchmesser und kreist in einem Abstand von 353 Millionen Kilometer um die Sonne. Benannt wurde der vor allem aus Basalt und Silikaten bestehende Asteroid nach dem lettischen Astronomen Karlis Augustowitsch Steins.

Die Sonde "Rosetta" war im März 2004 in Französisch-Guyana ins All geschossen worden. Sie wird in knapp zwei Jahren noch an einem weiteren Asteroiden, "Lutetia", vorbeifliegen, bevor für 2014 der Höhepunkt der Mission ansteht: Als erstes Raumfahrzeug überhaupt soll die Sonde versuchen, auf einem Kometen zu landen.

Bye-bye "Jules Verne"

Fast zeitgleich zum Rendezvous von "Rosetta" und "Steins" konnte konnte die Esa den vorläufigen Abschluss einer weiteren, erfolgreichen Mission feiern: Der auf den Namen Jules Verne getaufte Raumtransporter wurde am späten Freitagabend nach sechsmonatiger Mission von der Internationalen Raumstation (ISS) abgekoppelt, wie die Esa in Paris mitteilte. "Jules Verne" ist das erste von Europa entwickelte automatische Transferfahrzeug (ATV).

"Jules Verne" wird nun seine letzte Etappe zurücklegen: Das ATV ist quasi eine Einwegkonserve für die Versorgung der ISS, die nach den Shuttle-Katastrophen zeitweilig nicht mehr hinreichend gewährleistet war. Am 29. September soll die mit Raumfahrtmüll beladene "Jules Verne" beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre über einem menschenleeren Gebiet im Südpazifik kontrolliert verglühen.

Nasa: Rückschlag durch Hurrikane

Weniger Glück hat derzeit die US-Raumfahrtbehörde Nasa. Sie musste die beiden restlichen Shuttle-Starts für 2008 verschieben. Die Entscheidung sei getroffen worden, nachdem die Raumfähre "Atlantis" wegen des Hurrikans "Hanna" erst mit mehreren Tagen Verspätung auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) auf die Startrampe gerollt werden konnte, teilte die Nasa am Samstag auf ihrer Homepage mit. Die "Atlantis" werde jetzt am 10. Oktober zu ihrer elftägigen Reparaturmission zum Weltraumteleskop "Hubble" abheben. Bislang war der 8. Oktober geplant.

Der nächste Flug der Raumfähre "Endeavour" zur Internationalen Raumstation ISS beginnt ebenfalls erst zwei Tage später am 12. November. Während der 15-Tage-Mission bringt der Shuttle Nachschub sowie mit Sandra Magnus ein neues Mitglied der Stammbesatzung zur Station. Die Astronautin löst ihren Landsmann Greg Chamitoff ab, der nach fünfmonatigem Einsatz in der ISS wieder zur Erde zurückkehrt.

Die anderen beiden Mitglieder der dann 18. Stammcrew, Juri Lontschakow (Russland) und Michael Fincke (USA), starten am 12. Oktober mit ihrem Raumschiff "Sojus TMA-13" vom Kosmodrom Baikonur (Kasachstan) zur Station. Mit an Bord ist dann auch der US-Weltraumtourist Richard Garriott.

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