Supernova entkommen Forscher entdecken Zombie-Sterne in der Milchstraße

Durch die Milchstraße rasen Sterne, die wahrscheinlich ihrem Untergang entgangen sind. Forscher aus Nürnberg gehen davon aus, eine völlig neue Sternen-Klasse entdeckt zu haben.

Künstlerische Darstellung der Milchstraße
ESA/ Hubble/ L. Watkins/ L. Calcada/ AFP

Künstlerische Darstellung der Milchstraße


Forscher der Universität Nürnberg sind auf mehrere Sterne gestoßen, die mit einer enormen Geschwindigkeit durch die Milchstraße rasen. Noch Überraschender: Die Sterne scheinen eine Explosion ihres Inneren überstanden zu haben, die normalerweise ihren Untergang besiegelt. Das berichtet eine Forschergruppe um Roberto Raddi von der Universität Erlangen-Nürnberg in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society".

Eigentlich ist das Leben und vor allem das Sterben von Sternen genau geregelt: Sie entstehen, wenn Druck und Temperatur in einem Gasball so stark ansteigen, dass es zur Kernfusion kommt. Dabei verschmelzen Wasserstoffkerne miteinander zu Helium. Die Reaktionen setzen eine enorme Energie frei.

Schwindet der Wasserstoff im Inneren großer Sterne können Druck und Hitze noch weiter steigen, sodass auch größere Elemente miteinander verschmelzen. Aus Helium entstehen Kohlenstoff und Sauerstoff, Kohlenstoff wiederum produziert schwerere Elemente bis hin zum Eisen.

Doch auch diese Reaktionen neigen sich irgendwann dem Ende zu, der Tod des Sterns naht. Nehmen die Kernfusionen ab, schwindet die Energie. Das Gleichgewicht von Schwerkraft und innerem Druck gerät aus dem Takt, der Stern stürzt in sich zusammen und sprengt bei einer gewaltigen Explosion seine äußeren Schichten ins Weltall. Zurück bleiben ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch.

Stellare Winzlinge: Ein Fünftel der Sonnenmasse

Daneben existiert noch eine zweite Form der Supernova bei kleineren Sternen. Reichern weiße Zwerge zu viel Masse an, etwa durch einen Begleitstern, werden sie ebenfalls instabil. Auch hier kommt es zu einer Supernova, diese zerreißt den Stern allerdings komplett - dachte man. Die jetzt entdeckten Sterne scheinen eine solche Explosion überstanden zu haben.

Die Forscher stießen auf sie, als sie in Daten des ESA-Satelliten Gaia nach seltenen Sternen durchsuchten, die mit extremen Geschwindigkeiten durchs Weltall rasen. Solche sogenannten Hyperschnellläufer bewegen sich so schnell durch ihre Galaxien, dass sie diese verlassen können. Von den drei neu entdeckten Sternen befinden sich zwei innerhalb der Milchstraße, einer außerhalb.

Im Vergleich zu anderen Hyperschnellläufern sind die gefundenen Sterne jedoch ungewöhnlich klein, ihre Masse beträgt nur rund ein Fünftel der Sonne. Hinzu kommt, dass die Atmosphäre der gefunden Sterne hauptsächlich aus Neon und Sauerstoff besteht. Wasserstoff und Helium konnten die Forscher nicht nachweisen.

Die Funde sprechen dafür, dass es sich bei der Supernova wahrscheinlich um eine vergleichsweise leichte Explosion eines weißen Zwergs handelte. Statt den kompletten Stern in Fetzen zu reißen, scheinen Überreste geblieben und von der Wucht der Explosion extrem beschleunigt worden zu sein. Die Forscher gehen davon, dass es sich bei den drei Sternen zusammen mit einem weiteren, 2015 gefundenen Objekt, um eine neue Sternenklasse handelt.

Korrektur: In einer früheren Version hieß es, wenn weiße Riesen zu viel Masse anreichern, kollabieren sie. Richtig muss es weiße Zwerge heißen. Zudem verschmelzen bei der Kernfusion Wasserstoffkerne. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.

irb



insgesamt 54 Beiträge
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AfexTwin 06.07.2019
1. Milchstrasse aufgenommen von Hubble?
Ist ja interessant, dass Hubble inzwischen "Aussenaufnahmen" der Milchstrasse macht, von doch Voyager gerade mal den interstellaren Raum erreicht hat..
svizzero 06.07.2019
2. Die Erde ist nicht mal ein Sandkorn
Diese Entdeckung zeigt, wir wissen eigentlich nichts. Fast nichts. Da draussen spielen sich Dinge ab, die wir erst seit ein paar Jahrzehnte beginnen zu "verstehen." Wenn ich "Kernfusion" lese, sehe ich Millionen grüner Männchen im All mit Schildern, die dagegen protestieren. Und wenn ich "Klimawandel" höre, sehe ich Millionen Menschen, die glauben sie könnten die Gesetze des Universums beeinflussen. Wir sind nichts ... glauben aber, alles steht in unserer Macht. Selbstüberschätzung nennt man das. Es ist Zeit für Demut gegenüber dem Unendlichen ...
bätmän 06.07.2019
3.
Das ist eine vergleichbare Spiralgalaxie. So ungefähr. es ist immer noch nicht ganz raus, wieviel spiralarme die Milchstraße genau hat. Aber was ist ein weißer Riese? Ein weißer Zwerg mit mehr als 1,4 Sonnenmassen? darunter gibt's keine novae. und bei 2,3 Sonnenmassen ist meines Wissens die grenze für weiße Zwerge. Ich kenne nur den weißen Riesen mit Glatze. Vielleicht hat der ja das Foto von der Milchstraße gemacht.
ribart 06.07.2019
4.
Bei der Kernfusion von Wasserstoff fusionieren nicht Wasserstoffmoleküle sondern Wasserstoffkerne (Protonen), denn bei den Temperaturen existieren keine Moleküle mehr. Und von weißen Riesen habe ich noch nie gehört, wahrscheinlich meinrt der Autor weiße Zwerge die von einem Begleitstern Masse abziehen und irgendwann eine kritische Grenze erreichen und als Supernova Ia explodieren.
horstma 06.07.2019
5. 1a?
Diese Supernova, die durch Anreicherung eines Weissen Zwegs entsteht, bezeichnet man meines Wissens als 1a, und sie wird als Standardkerze herangenommen. Man geht davon aus, daß sie immer mit gleicher Leuchtkraft stattfindet, und man dadurch die Entfernung bestimmen kann. Wenn jetzt herauskommt, daß es dabei auch "schwache" Explosionen geben kann, dann bricht diese wichtige Methode der Entfernungsmessung weg. Liege ich falsch, und falls nicht, was für Auswirkungen wird das haben?
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