Neue Analysetechnik Astronomen finden 18 Exoplaneten - so groß wie die Erde

Exoplaneten kreisen um einen anderen Stern als die Sonne - Forscher suchen vorrangig nach solchen, die der Erde ähneln. Nun haben sie neue Himmelskörper entdeckt - einer könnte lebensfreundliche Bedingungen aufweisen.

Die 18 neu entdeckten Exoplaneten (orange und grün) im Größenvergleich
NASA/ JPL (Neptun), NASA/ NOAA/ GSFC/ Suomi NPP/ VIIRS/ Norman Kuring (Erde), MPS/ René Heller, DPA

Die 18 neu entdeckten Exoplaneten (orange und grün) im Größenvergleich


Hinter der Suche nach Exoplaneten verbirgt sich auch eine ferne Hoffnung der Astronomen. Irgendwann einmal könnte der Blick ins All Leben entdecken. Oder zumindest einen Planeten, auf dem Leben möglich wäre.

In den vergangenen Jahren hat die Suche nach solchen Exoplaneten enorme Fortschritte erzielt. Tausende wurden bereits entdeckt, bei den meisten handelt es sich aber um lebensfeindliche Gasriesen von der Größe Saturns oder Jupiters.

Göttinger Forscher haben mit einer neuen Analysetechnik nun 18 ungefähr erdgroße Exoplaneten ausgemacht. Sie wurden bei unterschiedlichen Sternen gefunden und sind so klein, dass sie bei früheren Suchkampagnen übersehen wurden, berichtet das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, das an der Analyse beteiligt war.

Als Exoplaneten werden Planeten bezeichnet, die um einen anderen Stern kreisen als um unsere Sonne. Vor allem das Weltraumteleskop "Kepler" hat die Exoplaneten-Forschung vorangetrieben. Es waren auch die Daten dieses Nasa-Messinstruments, die die aktuelle Entdeckung möglich gemacht hatten. Allerdings sei es für Leben auf den meisten Planeten zu heiß, schreibt das Team um René Heller in zwei Artikeln im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics".

"Kepler" hat die Helligkeit von zigtausenden Sternen beobachtet und dabei nach winzigen, charakteristischen Helligkeitsschwankungen gespäht. Dabei geht es um solche Schwankungen, die von einem Planeten ausgelöst werden, der vor seinem Stern vorbeizieht und dabei einen Teil des Sternenlichts abblockt. Zu so einer Mini-Sternenfinsternis kann es nur kommen, wenn die Umlaufbahn des Planeten zufällig genau in unserer Sichtachse liegt. Auf diese Weise hat "Kepler" mehr als 2000 Exoplaneten entdeckt.

Die meisten so gefundenen Himmelskörper sind vergleichsweise groß - weil sie mehr Licht ihres Sterns abschatten als kleine Planeten, sind sie leichter zu erkennen. "Bisherige Suchalgorithmen versuchen, sprunghafte Helligkeitsabfälle zu identifizieren", erläutert Heller in einer Mitteilung seines Instituts. Tatsächlich erscheinen Sterne allerdings am Rand etwas dunkler als in der Mitte, so dass der Helligkeitsabfall durch die Abschattung zunimmt, je weiter der Planet in die Mitte des Sterns wandert. Bei großen Planeten spielt dieser Effekt kaum eine Rolle. Kleine Planeten verursachen jedoch einen eher graduellen Helligkeitsabfall, der von bisherigen Analysen leicht übersehen wurde.

Im Video: Sieben erdähnliche Planeten entdeckt

REUTERS / SPIEGEL ONLINE

Die Göttinger Forscher haben nun die "Kepler"-Beobachtungsdaten von 517 Sternen neu ausgewertet, bei denen bereits mindestens ein Planet gefunden worden war. Dabei suchten sie gezielt nach dem Muster im Helligkeitsverlauf des Sterns, das von kleinen Planeten ausgelöst wird. In 18 Fällen wurden die Wissenschaftler fündig. Die Neuentdeckungen haben eine Größe von etwa zwei Dritteln bis zum Doppelten des Erddurchmessers. Fast alle kreisen innerhalb der zuvor entdeckten Planeten um ihren Stern und sind daher auf der Oberfläche 100 bis 1000 Grad Celsius heiß - und damit viel zu heiß für Leben.

Nur einer der neu identifizierten Planeten kreist in der sogenannten bewohnbaren Zone um seinen Stern - also in einem Abstand, in dem die Oberflächentemperatur die Existenz von flüssigem Wasser erlauben würde. Flüssiges Wasser ist eine der Grundvoraussetzungen für Leben, wie wir es kennen. Ob es auf dem Planeten jedoch überhaupt Wasser gibt, ist unbekannt.

Die Forscher sehen in ihrer Analysemethode großes Potenzial: Bisher haben sie nur einen Teil der "Kepler"-Daten untersucht. Sie schätzen, dass sich in den Gesamtdaten noch mehr als hundert weitere Exoplaneten verbergen. Zudem sind ungefähr erdgroße Planeten besonders interessante Kandidaten für die Suche nach einer "zweiten Erde" im Weltall, auf der es vielleicht sogar extraterrestrisches Leben geben könnte.

Davon gibt es schon einige. Als aussichtsreicher Kandidat gilt etwa Proxima Centauri b. Er liegt ungefähr 4,2 Lichtjahre von der Erde entfernt und ist uns damit verhältnismäßig nah. Eine Berechnung hatte gezeigt, wie viele Personen man bräuchte, um die Menschheit dorthin zu schicken. Denn ein Raumschiff würde mehr als 6300 Jahre unterwegs sein.

joe/dpa



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