Forschungssatellit Chinesische Mondsonde ist gestartet

Ein neuer Wettlauf zum Mond hat begonnen: China hat seine Sonde "Chang'e 1" erfolgreich ins All gestartet. Sie soll den Mond erkunden, eine bemannte Mission vorbereiten und die technologische Macht Chinas demonstrieren - vor allem gegenüber Japan, Indien und den USA.

China ist auf dem Weg zum Mond: Vom Raumfahrtzentrum Xichang in der südwestchinesischen Provinz Sichuan hob die Rakete "Langer Marsch 3A" mit der Sonde "Chang'e 1" ab.

Nie zuvor hat sich ein chinesisches Raumschiff so weit von der Erde entfernt, so dass der Flug vor allem als Test für Technik und Kommunikation dient. Die Mondsonde "Chang'e 1" wird nach ihrem Start zunächst die Erde umkreisen, bevor sie sich auf den 380.000 Kilometer langen Weg zum Mond macht, wo sie am 5. November ankommen soll.

Die 2,35 Tonnen schwere Sonde soll den Erdtrabanten ein Jahr lang umkreisen und dreidimensionale Aufnahmen machen, Höhenmessungen vornehmen sowie mit einem Mikrowellenmessgerät die Oberfläche studieren und Rohstoffvorkommen erkunden.

Das einst größte Entwicklungsland der Erde hatte 2003 aus eigener Kraft einen Astronauten ins All gebracht - als dritte Nation nach den USA und Russland. Im Oktober 2005 schickte es zwei Männer in den Orbit. Ein Weltraumspaziergang ist für 2008 geplant.

Das Raumfahrtprogramm des 1,3-Milliarden-Einwohner-Landes ist ehrgeizig: 2010 soll ein Rover den Erdtrabanten erkunden und mögliche Landestellen für eine bemannte Mission auskundschaften. Gesteinsproben sollen im Anschluss zur Erde gebracht werden.

Raumfahrtprogramm mit patriotischer Propaganda

Der Start der Sonde wurde begleitet von starker patriotischer Propaganda. Chinesische Medien zelebrierten die Raumfahrt-Visionen und den technischen Fortschritt des Landes. Verfolgt wurde der Start von rund 2000 Zuschauern, die sich in der Kleinstadt zusammengefunden hatten. Für dieses Privileg zahlten sie 800 bis 1000 Yuan (70 bis 90 Euro).

Zwei Stunden vor dem geplanten Starttermin um 18.00 Uhr Ortszeit (12.00 MESZ) waren mehrere tausend Bewohner aus der unmittelbaren Umgebung in einem Umkreis von zweieinhalb Kilometern in Sicherheit gebracht worden.

Der Wettlauf zum Mond ist zunächst eine rein asiatische Angelegenheit: Erst kürzlich hatte Japan seine Mondsonde Kayuga gestartet. Voraussichtlich im April nächsten Jahres will auch Indien eine Mondsonde in den Weltraum schicken. Doch auch die USA, Russland und Deutschland wollen zum Mond.

Die Begeisterung der Chinesen für das Mondprogramm ist groß. Einige chinesische Experten spekulieren schon darüber, ob China in 15 oder 20 Jahren vielleicht eine bemannte Mondlandung versuchen könnte. Das Parteiorgan "Volkszeitung" schrieb: "Früher oder später wird die großartige rote Flagge mit den fünf Sternen auf dem Mond aufragen, und der Tag, an dem der Traum des chinesischen Volkes wahr wird, ist nicht weit."

Pekings Weltraumpläne werden international kritisch beäugt. China hatte im Januar als erste Nation von der Erde aus einen ausgedienten Wettersatelliten abgeschossen. Dieser Anti-Satelliten-Test hatte weltweit Besorgnis über einen neuen Rüstungswettlauf im All ausgelöst. Die chinesische Regierung betonte jedoch, ihre Absichten seien friedlich. Doch ist das Raumfahrtprogramm zugleich auch eine öffentliche Demonstration steigender technologischer Möglichkeiten, die mit der zunehmenden wirtschaftlichen Stärke einhergehen.

lub/dpa/AP

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