"Curiosity"-Bilder Wer tanzt da über den Mars?

Sie steht auf einem Felsvorsprung und schaut "Curiosity" bei der Arbeit zu: Ufo-Fans wollen eine Frau auf dem Mars gesichtet haben. Der Beweis für Außerirdische? Leider nicht, stattdessen gibt es eine psychologische Erklärung.
Frau auf dem Mars: Die Autokorrektur des Gehirns ist schuld

Frau auf dem Mars: Die Autokorrektur des Gehirns ist schuld

Foto: NASA

Ein Alien, ein Alien - im Internet tippen sich Fans paranormaler Entdeckungen derzeit die Finger wund. Der Grund: Die Nasa hat ein Bild von Marsrover "Curiosity" veröffentlicht, auf dem eine Frau zu sehen ist, die dem Roboter scheinbar bei der Arbeit zuschaut.

Es wirkt, als stünde das Wesen auf einem Felsvorsprung vor einem Steingebäude und blicke ins Tal. Allerdings gibt es einen Haken: Betrachtet man das Originalbild der Nasa , muss man schon einen Moment suchen, um die Gestalt überhaupt zu erkennen. Wer die Frau einmal erspäht hat, kann die Erscheinung jedoch nicht mehr ignorieren.

Frau auf Felsen: Es gibt eine psychologische Erklärung

Frau auf Felsen: Es gibt eine psychologische Erklärung

Foto: NASA

Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen auf Marsbildern Leben erkannt haben wollen. Erst Ende Juli berichteten Ufo-Blogs von einer riesigen Krabbe, die angeblich am Eingang einer Höhle auf dem Mars sitzt. Auch in diesem Fall muss man den Bildausschnitt passend wählen, damit das "Tier" überhaupt auffällt.

Krabbe: Das "Tier" sitzt rechts neben dem rundlichen Felsen in der Mitte

Krabbe: Das "Tier" sitzt rechts neben dem rundlichen Felsen in der Mitte

Foto: NASA

Im Mai wollten Ufo-Fans außerdem eine Pyramide auf dem Mars  erspäht haben. Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um ein Bauwerk von Aliens, sondern schlicht um einen Basaltstein. Basalt zerbricht aufgrund seiner Mineralstruktur häufig in fast geometrische Formen.

Hat hier jemand eine Pyramide auf dem Mars errichtet? Wohl eher nicht.

Hat hier jemand eine Pyramide auf dem Mars errichtet? Wohl eher nicht.

Foto: NASA

Nun ließen sich alle, die Gesichter, Menschen oder Gegenstände in die karge Marslandschaft interpretieren, für völlig verrückt erklären. Das wäre allerdings zu einfach: Bekanntes in Unbekanntem zu erkennen, ist völlig normal. Das Phänomen heißt Pareidolie.

Autokorrektur im Gehirn

"Para" steht im Griechischen für "falsch" oder "gegen" und "Eidolon" für Bild oder Form. Pareidolie erklärt beispielsweise auch, warum Menschen Schafe in Wolken sehen, Gesichter auf dem Mond oder Botschaften hören in rückwärts abgespielten Songs.

Verantwortlich dafür ist die Autovervollständigung in unserem Gehirn: Um all die Eindrücke, alles Gehörte und Gesagte verarbeiten zu können, das täglich auf uns einprasselt, ist es ständig darauf bedacht, Dinge wiederzuerkennen. So können wir Situationen schneller einordnen und in Sekundenbruchteilen reagieren.

Die am weitesten verbreitete Erklärung dafür geht so: Der frühe Mensch war darauf angewiesen, Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Schlich ein Säbelzahntiger in einiger Entfernung umher, war es lebenswichtig, dieses ferne Etwas zu identifizieren. Könnte es gefährlich sein? Nur, wer einmal zu viel davonlief, statt einmal zu wenig, überlebte.

Eine Meerjungfrau auf dem Mars

Da wundert es nicht, dass seit Jahren Berichte über Tier- oder Menschensichtungen auf fernen Planeten und Geistern auf der Erde die Runde machen: Auf unserem Planeten werden bevorzugt Geister von Prominenten wie Michael Jackson gesichtet. Auf dem Mars wollten Blogger 2012 auf einem "Curiosity"-Bild auch eine Ratte oder ein Eichhörnchen entdeckt haben.

"Curiosity"-Bild vom September 2012: Es ist schwer, hier kein Nagetier zu erkennen

"Curiosity"-Bild vom September 2012: Es ist schwer, hier kein Nagetier zu erkennen

Foto: NASA/ JPL-Caltech/ MSSS

Auch 2008 hatten Weltraumfans, ähnlich wie derzeit, einen Menschen auf dem Roten Planeten ausgemacht. Das Bild stammt vom inzwischen stillgelegten Marsrover "Spirit" und zeigt eine Form, die an die "Kleine Meerjungfrau" von Kopenhagen erinnert. Einige wollen auch Bigfoot auf dem Mars gesehen haben.

Meerjungfrau auf dem Mars? Oder Bigfoot? Von wegen!

Meerjungfrau auf dem Mars? Oder Bigfoot? Von wegen!

Foto: NASA/ JPL

"Curiosity" bei der Arbeit zusehen

"Curiosity" und die anderen Marsrover (und mit ihnen die Nasa-Forschungsteams) ließen sich all die Jahre nicht von den Spekulationen beeindrucken und schickten weiter Bilder. In einem Tweet vom Mittwoch zeigt "Curiosity" eine Bilderserie von seinem derzeitigen Erkundungsort  auf Mount Sharp.

Zuletzt fuhr der Rover dort eine kleine Strecke von 47 Metern, jetzt soll er die Gegend genauer untersuchen. Eines der Ziele ist der sogenannte "Crazy Mountain", ein großer, geschichteter Gesteinsblock, der in einem schiefen Winkel aus der Oberfläche ragt.

Eine neue Onlineplattform erlaubt es, dem Rover direkt bei der Arbeit zuzugucken. Außerdem hat die Nasa Bildmaterial aus 50 Jahren Marserkundung  zusammengetragen und als Übersicht online gestellt. Aber Vorsicht beim Betrachten: Sonst gibt es schon bald die nächste Meldung über angebliche Aliens auf dem Mars.