Gasströme Astronomen enträtseln Schwächephase der Sonne

Es war ein Rätsel: Viele Monate lang zeigten sich kaum Flecken auf der Sonne, die merkwürdige Schwächephase dauerte bis vor kurzem an. Jetzt haben Forscher eine Erklärung für das Phänomen gefunden - und es kann sich jederzeit wiederholen.

Keine Sonnenflecken: Aufnahme der Nasa-Sonde "Soho" vom 31. März 2009
NASA / SOHO

Keine Sonnenflecken: Aufnahme der Nasa-Sonde "Soho" vom 31. März 2009


London - Die Flecken wollten einfach nicht zurückkehren. Vor zwei Jahren schwächelte die Sonne ungewöhnlich lange, viele Monate lang zeigten sich kaum Flecken auf dem Gestirn. Jetzt liefert ein indisch-amerikanisches Forscherteam im Wissenschaftsmagazin "Nature" eine Erklärung: Die Sonne habe ihre ungewöhnlich fleckenlose Phase einem besonderen Verhalten ihres inneren Dynamos zu verdanken. Das tiefste Aktivitätsminimum unseres Tagesgestirns seit rund 100 Jahren lässt sich demnach mit der Nord-Süd-Zirkulation von heißem, elektrisch geladenem Gas in der Sonnenatmosphäre erklären.

Die Aktivität der Sonne schwankt in einem etwa elfjährigen Rhythmus. Ein Indiz dafür sind die Sonnenflecken: Sie entstehen durch lokale Magnetfelder, die das elektrisch geladene Plasma festhalten. In der Folge kühlt das heiße Gas leicht ab und erscheint etwas dunkler als die umgebende Atmosphäre.

Der vergangene Sonnenzyklus mit der Nummer 23 hatte im Jahr 2001 sein Maximum. 2009 zählten Astronomen die meisten sonnenfleckenlosen Tage seit Beginn des Raumfahrtzeitalters. Die Baisse war besonders ausgeprägt -inzwischen nimmt die Sonnenaktivität wieder zu.

Um die Ursache des Minimums zu ergründen, haben Forscher um Dibyendu Nandy mehr als 210 Aktivitätszyklen im Computer simuliert. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Zirkulation des elektrisch geladenen Sonnenplasmas, das einem Dynamo ähnlich Magnetfelder erzeugt. In der Simulation zeigte sich, dass eine schnelle Nord-Süd-Zirkulation des Plasmas in der ersten Hälfte des Aktivitätszyklus, gefolgt von einer langsameren Zirkulationsphase in der zweiten Hälfte, zu einem besonders tiefen Sonnenflecken-Minimum führt. Das Geschehen des vergangenen Sonnenzyklus ist demnach ungewöhnlich, aber kein Einzelfall - es kann sich jederzeit wiederholen.

Dieses Wissen ist wichtig für die Vorhersage des sogenannten Weltraumwetters und des elfjährigen Klimaverlaufs auf der Erde. Mit der Aktivität der Sonne schwankt nicht nur ihre Strahlungsintensität, sondern etwa auch die Häufigkeit von Gasausbrüchen, bei denen große Plasmawolken ins All geschleudert werden. Trifft ein solcher Sonnensturm auf die Erde, kann er unter anderem Satelliten und Stromnetze lahmlegen sowie Funk- und Flugverkehr blockieren.

boj/dpa

insgesamt 35 Beiträge
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ausländer33 03.03.2011
1. Und?
Was haben wir davon, das wir es jetzt wissen? Verhindern können wir es nicht, wenn es die genannten Probleme geben sollte. Also - wieder mal - Geld weg. Genauso könnte man erforschen, warum die Menschen einkaufen gehen. Studie 2 Jahre mit 6 Millionen Kosten. Ergebnis: weil die Leute Geld haben.
liquimoly 03.03.2011
2. Auch schon gemerkt?
Ich hab´s immer gesagt, das liegt an den Plasmaströmen, aber bei der heutigen Qualität der Ausbildung muß man sich nicht wundern, wenn die Erkenntnis so spät kommt!
horstma 03.03.2011
3. Viel heisser (Sonnen)wind
Die "Erklärung" wurde durch eine Simulation gefunden, und Simulationen sind höchstens so genau wie die tatsächlich verifizierten Daten, die der Simulation zu Grunde liegen. Mehr noch, es braucht nicht nur Daten, sondern auch ein klares Verständnis für die Vorgänge, die ablaufen. So klar, daß sie sich in mathematische Formeln fassen lassen. Bei der Sonne sieht das ganz schlecht aus: Für den inneren Aufbau der Sonne existieren lediglich Theorien. Es sind weder genaue Temperaturverläufe bekannt, noch ist wirklich geklärt, wie die Sonnenflecken und ihr Zyklus zustande kommen. Sonst hätte das Sonnenmodell nämlich diese lange Zone der Fleckenarmut vorhersagen müssen! So aber hat man an den Parametern der Simulation so lange gedreht, bis sie das ausgespuckt hat, was man beobachtet hat. Der wissenschaftlich korrekte Weg geht genau umgekehrt, aber zugegeben: Die Astrophysiker sind da in einer schwierigen Position, weil sie Versuchsobjekte wie die Sonne nicht mal kurz für ein paar Messungen in's Labor holen können. Trotzdem muß man dem Rechnung tragen und nicht von einer "Erklärung" sprechen, so, also ob das jetzt die unumstössliche Wahrheit wäre. Es ist eine (1) theoretische Möglichkeit, die gefunden wurde, mehr nicht.
Danex, 03.03.2011
4. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von liquimolyIch hab´s immer gesagt, das liegt an den Plasmaströmen, aber bei der heutigen Qualität der Ausbildung muß man sich nicht wundern, wenn die Erkenntnis so spät kommt!
sagen und vermuten kann man viel. es zu beweisen wird schon schwieriger.
burninghands, 03.03.2011
5. Vielleicht wird es ja doch noch einmal
"Stand des Wissens", dass die Temperaturentwicklung auf der Erde von der Sonne abhaengt und nicht von den 0,004% Volumenprozent CO2. Vorher werden die Bankster aber sicher noch kraeftig mit den Kohlenstoffkrediten absahnen wollen - hoffentlich bleibt uns dann noch genug Zeit, um uns auf die bevorstehende (kleine?) Eiszeit vorzubereiten.
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