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11. November 2005, 14:05 Uhr

Geburten im All

Riesenstern formt Berge der Schöpfung

Das "Spitzer"-Weltraumteleskop hat ein faszinierendes Bild hunderter Sterngeburten aufgenommen. Es erinnert an das berühmte Foto der "Säulen der Schöpfung" im Adlernebel. Wissenschaftler sprechen nun von "Kosmischen Bergen der Schöpfung".

Kolossale Säulen aus kaltem Gas und Staub greifen wie Finger in die Weiten des Alls. Starke Strahlung und heftige Teilchenstürme eines gewaltigen Sterns haben die Gebilde geformt, die vom Glühen kosmischer Jugend erleuchtet werden: Im größten der Gasberge entstehen gleichzeitig Hunderte neuer Sterne.

"Berge der Schöpfung": Region W5 im Sternbild Cassiopeia
NASA/JPL-Caltech/L. Allen and J. Hora (CfA).

"Berge der Schöpfung": Region W5 im Sternbild Cassiopeia

Ein einzelner kosmischer Riese dominiert die jetzt abgelichtete Region namens W5 im Sternbild Cassiopeia, rund 7000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Mit der Wucht seiner Strahlung und seines Partikelstroms fegt er große Mengen an Gas und Materie ins All. Übrig bleiben Säulen und Berge, die wie Finger auf den Koloss außerhalb des Bildes deuten.

Auf die gleiche Art sind auch die "Säulen der Schöpfung" genannten Gebilde im Adlernebel entstanden, die das "Hubble"-Weltraumteleskop auf ein weltberühmtes Foto gebannt hat. Die "Berge" sind jedoch, wie ihr Name schon sagt, wesentlich größer als die "Säulen": Sie erreichen die zehnfache Ausdehnung.

Kosmischer Riese mit vielen Kindern

"Wir glauben, dass die neuen Sterne Abkömmlinge des dominierenden Sterns der Region sind", sagte Lori Allen vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge. "Es scheint, als hätten seine Strahlung und sein Teilchenstrom die Geburt neuer Sterne ausgelöst."

"Säulen der Schöpfung": Berühmtes Bild des "Hubble"-Teleskops
NASA/ ESA/STScI/J. Hester & P. Scowen (Arizona State University)

"Säulen der Schöpfung": Berühmtes Bild des "Hubble"-Teleskops

Aktuellen Theorien zufolge geschieht dies, indem der stellare Sturm die Gas- und Staubsäulen immer dichter zusammenpresst, bis sich eine neue Generation von Sternen bildet. Sie wiederum können eine weitere Welle von Sterngeburten auslösen. Wissenschaftler glauben, dass auch unsere Sonne einst auf diese Art entstanden ist.

Ein Lichtteleskop wie "Hubble" hätte in der Region W5 nur helle Umrisse dunkler Säulen erkannt. Das "Spitzer"-Teleskop aber war dank seiner Infrarotsensoren in der Lage, die Geburt der neuen Sterne in den Gassäulen zu verfolgen und abzubilden.

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