Geglückter Wertungsflug "Space Ship One" fliegt zehn Millionen Dollar entgegen

Das privat finanzierte Raumschiff "Space Ship One" hat seinen Rekordflugversuch von mehr als 100 Kilometern bis an den Rand des Weltalls gemeistert. Wenn der Flug innerhalb von zwei Wochen wiederholt wird, kann das Team von Raumfahrtenthusiasten zehn Millionen US-Dollar kassieren. Flüge für Weltraum-Touristen sind bereits in Planung.




Start des Privatraumschiffs: Preisgeld zehn Millionen Dollar
AP

Start des Privatraumschiffs: Preisgeld zehn Millionen Dollar

Pilot Mike Melvill genoss am Mittwoch in einer Höhe von 102,865 Kilometer die Schwerelosigkeit. Er hätte noch höher fliegen können, habe das Risiko aber nicht eingehen wollen, sagte der 62-Jährige auf einer Pressekonferenz nach seinem 90 Minuten langen Flug. "Es war ein komfortabler und einfacher Flug. Ich hatte Zeit, mit meiner kleinen Kamera ein paar Bilder zu machen. Ich kann gar nicht sagen, was das alles für mich bedeutet."

Die Höhe von 100 Kilometern gilt als Schwelle zum Weltall. Somit hat Melvill den ersten Wertungsflug für den mit zehn Millionen US-Dollar dotierten "Ansari X Prize" erfolgreich absolviert.

Dabei war das Raketenflugzeug zunächst mit 20 Minuten Verspätung gestartet. Und auch danach hatte das Raumschiff des Erbauerteams um Burt Rutan erhebliche Probleme: Es drehte sich in der Beschleunigungsphase mehrfach um die eigene Achse und schoss in der Bahn eines Korkenziehers gen Himmel. Melvill soll sogar nach dem Start angewiesen worden sein, den Flug abzubrechen. Er habe dem aber nicht Folge geleistet, hieß es.

Rutan zeigte sich dennoch hocherfreut von dem Flug: "Wir sind absolut zuversichtlich, die erste Raumschiffflotte in den Dienst zu stellen". Diese Raumschiffe würden sehr viel sicherer sein als die ersten Fluglinien vor einigen Jahrzehnten, meinte er. Der Finanzier des Projekts, Milliardär und Microsoft-Mitbegründer Paul Allen, hält künftig einen Start von "Space Ship One" alle vier bis fünf Tage für möglich. Angeblich soll allein Allen 20 bis 30 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt haben.

Der britische Milliardär und Fluglinienmogul Richard Branson hat bereits angekündigt, fünf Raumflugzeuge auf der Basis des "Space Ship One" kaufen zu wollen. An Bord sollen vom Jahr 2007 an jeweils fünf Touristen einen zwei Stunden langen Flug ins All absolvieren können. Die Kosten werden mit 170.000 Euro pro Weltraumtourist veranschlagt. Der Geschäftsführer des ersten Weltraum-Tourismus-Unternehmens, Eric Anderson von Space Adventures aus Arlington im US-Bundesstaat Virginia, bietet bereits Reservierungen für den ersten möglichen Flug an. Er habe bereits mehr als 100 Vorbestellungen, sagte Anderson.

Der nächste Flug ist für Montag angesetzt. Ob der Termin eingehalten werden kann, steht jedoch in Frage. Zunächst müssen die Ursachen für die technischen Schwierigkeiten während des ersten Fluges gefunden werden.

Melvill arbeitet seit 19 Jahren als Testpilot und hat 6900 Flugstunden gesammelt. Zwei Flugzeuge baute er selbst. Mit einem davon flog er im Jahr 1997 um die Welt.

Der "X Prize" geht auf eine private Stiftung zurück. Sie lobte zehn Millionen Dollar aus, wenn es ein privat gebautes und finanziertes Raumschiff bis an die Grenze zum Weltall schafft. An Bord müssen sich ein Pilot und zwei Passagiere (oder entsprechender Ballast) befinden, und der Flug muss innerhalb von zwei Wochen wiederholt werden.

"Space Ship One" mit Trägerflugzeug: Probleme beim Flug ins All
AFP

"Space Ship One" mit Trägerflugzeug: Probleme beim Flug ins All

Einer der Konkurrenten um den Preis, das kanadische Projekt "Da Vinci", musste den für den 2. Oktober geplanten Start wegen technischer Probleme verschieben. Während "Space Ship One" von einem Trägerflugzeug bis in 15 Kilometer Höhe transportiert wurde, setzt das kanadische Team auf einen Ballon. Erst in 24 Kilometer Höhe soll die Rakete starten, so zumindest die Planung.

Rutan und seine Kollegen haben nach dem heutigen Flug die besten Chancen, die Prämie tatsächlich zu kassieren. Der erste Wertungsflug wurde von Tausenden von Raumfahrtenthusiasten in der Mojave-Wüste verfolgt, über einen Webstream konnten Interessierte weltweit Start, Flug und Landung live verfolgen. Auch Nasa-Direktor Sean O'Keefe war vor Ort, um den Flug zu verfolgen.



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