Geheime Entschädigung Nasa zahlte 26,6 Millionen Dollar für "Columbia"-Tote

Knapp vier Millionen US-Dollar pro Kopf: So viel Entschädigung zahlte die Nasa den Hinterbliebenen der toten "Columbia"-Astronauten, fand eine US-Lokalzeitung heraus. Die Nasa hatte sich stillschweigend mit den Familien geeinigt.


Orlando - Das Recht auf Akteneinsicht ist in den USA im Freedom of Information Act festgeschrieben. Der "Orlando Sentinel" nutzte diese Möglichkeit zur Papierkram-Einsicht, um eine Zahl ans Tageslicht zu bringen, welche die US-Weltraumbehörde Nasa wohl lieber in ihren Archiven vergraben hätte. Über 26 Millionen US-Dollar, so berichtet die Lokalzeitung, hat sich die Nasa die Entschädigung der "Columbia"-Hinterbliebenen kosten lassen.

"Columbia"-Besatzung (vor dem Unglücksflug Anfang 2003): Entschädigung für Angehörige sollte geheim bleiben
REUTERS

"Columbia"-Besatzung (vor dem Unglücksflug Anfang 2003): Entschädigung für Angehörige sollte geheim bleiben

Am 1. Februar 2003 war der Shuttle beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre über dem Bundesstaat Texas auseinandergebrochen. Alle sieben Astronauten an Bord starben. Im Jahr 2004 habe man auf Beschluss des US-Kongresses Geld für Entschädigungszahlen zugewiesen bekommen, sagte Nasa-Sprecher Allard Beutel.

Wie viel gezahlt worden ist, habe man aber aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Familien geheimgehalten. "Das war zwar ein öffentlicher Vorgang, aber er war auch sehr persönlich für sie", sagte Beutel. "Alles Denkbare wurde getan, um den Familien zu helfen."

Durch die "Columbia"-Untersuchungskommission ist mittlerweile belegt, wie ein Schaden an der Hitzeisolierung an der Unterseite des Shuttles zum Unfall führte. Möglicherweise wollte die Nasa diese Details - und die Frage nach Schuld und Verantwortung - nicht in einer Reihe von Zivilklagen öffentlich ausgebreitet sehen.

Außergerichtliche Einigung

So einigte man sich mit den Familien der toten Astronauten außergerichtlich über die Höhe der Entschädigungszahlungen, verantwortet vom ehemaligen Nasa-Direktor William Webster. Aus den Akten zu diesen out of court settlements konnte der "Sentinel" die Gesamtsumme addieren: 26,6 Millionen US-Dollar.

Jon Clark, der Witwer der Austronautin Laurel Clark, sagte, die Zahlen lägen am "unteren Ende" dessen, was die Familien gefordert hätten. Er sagte, Eltern, Kinder und Ehepartner hätten Entschädigungszahlungen erhalten - für Astronauten mit Doktortitel etwas höhere als für solche mit Master-Abschlüssen. "Ein Paar Millionen sind nicht viel", sagte er, "wir mussten zeigen, dass unsere Lieben etwas wert sind."

Außerdem berichtete die Zeitung, die Nasa habe es versäumt, vor dem Start der "Columbia" zusätzliche Versicherungen für zwei Besatzungsmitglieder abzuschließen - wie diese es gefordert hatten. Erst nachdem alle Hinterbliebenen gedroht hatten, mit diesem Detail an die Öffentlichkeit zu gehen, seien die betroffenen Familien extra entschädigt worden. Nasa-Sprecher Beutel sagte, von Details der Versicherungsfragen wisse er nichts.

stx/AP



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