Geschichte des Universums Astronomen erspähen Methusalem-Galaxie

Keine bekannte Galaxie ist älter, keine weiter von uns entfernt: Forscher haben in den Tiefen des Alls ein Sternensystem entdeckt, dessen Licht mehr als 13 Milliarden Jahre zur Erde unterwegs war. Es stammt damit aus einer Epoche, in der das Dunkle Zeitalter des Universums langsam zu Ende ging.


Ein europäisches Astronomenteam hat die fernste Galaxie identifiziert, die je beobachtet worden ist. Das Sternensystem strahlt in einer Rekorddistanz von rund 13 Milliarden Lichtjahren, wie Beobachtungen an der Europäischen Südsternwarte (Eso) gezeigt haben. Die Galaxie war zuvor bereits mit Hilfe des "Hubble"-Weltraumteleskops entdeckt worden. Jetzt habe man mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Chile das Sternsystem "als das am weitesten entfernte Objekt im uns bekannten Universum" identifiziert, sagte Forschungsleiter Matt Lehnert vom Pariser Observatorium.

Das Licht der fernen Galaxie ist rund 13 Milliarden Jahre zu uns unterwegs. "Wir sehen den Zustand dieses Objekts zu einer Zeit, als das Universum erst 600 Millionen Jahre alt war", erläuterte Lehnert. Der junge Kosmos besaß damit nur vier Prozent seines heutigen Alters von 13,7 Milliarden Jahren - und befand sich gerade am Ende des sogenannten Dunklen Zeitalters.

Bis etwa eine Milliarde Jahre nach dem Urknall verdunkelte ein dichter Wasserstoffnebel das Universum. Er verschluckte das Licht der jungen Sterne fast vollständig - was die Untersuchungen der fernen Galaxie zusätzlich erschwerte, wie Lehnert und seine Kollegen im britischen Fachblatt "Nature" berichten. Erst als immer mehr Sterne entstanden und ihre Strahlung die Wasserstoffatome in Elektronen und Protonen zerlegte, lichtete sich der kosmische Nebel - das Universum wurde transparent.

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Rekord im All: Forscher finden bisher älteste Galaxie
Hilfe von anderen Galaxien

Die jetzt entdeckte Uralt-Galaxie mit der Bezeichnung UDFy-38135539 war allein nicht stark genug, um den kosmischen Nebel in seiner Umgebung aufzulösen, nehmen die Forscher an. "Es muss also andere, vermutlich schwächere und weniger massereiche Begleitergalaxien geben, die dazu beigetragen haben, den Raum um UDFy-38135539 transparent zu machen", sagt Mark Swinbank, einer der beteiligten Forscher. Ohne diese Hilfe wäre das Licht von UDFy-38135539 im umliegenden kosmischen Nebel abgefangen worden und hätte die Erde nicht erreicht.

Mit dem "Sinfoni"-Spektrografen am Very Large Telescope gelang es den Astronomen nun, das schwache Glimmen der fernen Galaxie in seine Spektralfarben aufzuspalten und zu untersuchen. Auf diese Weise lässt sich die Entfernung eines Himmelsobjekts bestimmen. Denn durch die fortwährende Ausdehnung des Weltalls entfernen sich Objekte umso schneller von uns, je weiter sie weg sind. Je schneller sie sich entfernen, desto stärker wird ihr Licht ins Rote verschoben - so wie eine Polizeisirene immer tiefer klingt, wenn der Peterwagen wegrast.

Je stärker diese Rotverschiebung, desto weiter ist ein astronomisches Objekt entfernt. Die Astronomen maßen für die Galaxie eine Rotverschiebung von 8,6. Zuvor hatten andere Astronomen über die Entdeckung eines Objekts mit einer Rotverschiebung von 10 berichtet, das also noch weiter entfernt wäre. Folgebeobachtungen konnten dies nach Angaben der Eso jedoch bis heute nicht bestätigen.

mbe/dpa/dapd/AP



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