"Google Lunar X Prize" Ein Landemodul für alle Fälle

Mit einem Roboter wollen Erfinder aus Deutschland ein Wettrennen auf dem Mond gewinnen - und mehrere Millionen Dollar Preisgeld einsacken. Nun hat das Team die Landeeinheit für sein Fahrzeug vorgestellt.


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Niedlich sieht es schon mal aus - das Fahrzeug, mit dem deutsche Erfinder den Mond erkunden wollen. Als eins von insgesamt 16 Teams aus aller Welt nehmen die "Part Time Scientists" am Wettbewerb um den "Google Lunar X Prize" teil. Es geht um einen Hauptgewinn von etwa 20 Millionen Dollar.

Vergeben wird er an das Team, dessen Roboter als Erster 500 Meter auf der Mondoberfläche zurücklegt. Von dem Wettrennen müssen die Teams HD-Videomaterial an die Erde senden. Und irgendwie müssen sie ihre Fahrzeuge auf den Mond bringen. Am Donnerstagabend stellten die "Part Time Scientists" ihr Landemodul "Alina" (Autonomous Landing and Navigation Module) vor.

"Das ist mittlerweile die dritte Generation, da stecken viele Jahre Entwicklungsarbeit drin", sagt Teamleiter Robert Böhme. 12,5 Millionen Dollar (rund 11,2 Millionen Euro) kostete die Entwicklung demnach. "Alinas" Leergewicht beträgt 330 Kilogramm, aufgetankt wiegt das aus Carbonfaser angefertigte Modul bis zu 1,4 Tonnen. Zudem ist es kompakt: 2,50 Meter breit, 1,75 hoch, zwei Meter tief. Sieben Kameras und acht steuerbare Antriebe sollen bei einer sanften Landung helfen.

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Rover der "Apollo 17"-Mission untersuchen

"Im Grunde ist der Wettbewerb eine große Wette", erklärt Informatiker Böhme. Er hofft allerdings, dass seine Technologie für mehr taugt - und will sie auch kommerziell nutzen.

Laut den Entwicklern des Landemoduls lässt es sich mit allen derzeitigen Trägerraketen transportieren. So sei es nicht nur für eine spezielle Mission zu gebrauchen. "Es ist zwar nicht das effizienteste Design, aber das kompatibelste", sagt Böhme. Mithilfe des modular aufgebauten Landers seien künftige Missionen für maximal 35 Millionen Dollar realisierbar.

Neben dem Wettrennen auf dem Mond wollen die "Part Time Scientists" dort auch Untersuchungen anstellen. "Wir haben mit der Nasa vereinbart, dass wir den Rover der "Apollo 17"-Mission untersuchen dürfen. Die Ergebnisse werden wir zu 100 Prozent öffentlich zugänglich machen", verspricht Böhme.

Der Nasa-Rover "LVR" wurde nach der Mondlandung 1972 auf dem Erdsatelliten zurückgelassen und ist seitdem den Kräften des Weltalls ausgesetzt. "Niemand weiß, wie "LVR" mittlerweile aussieht. Es waren Materialien wie Aluminium, Nylon und sogar Leder verbaut. Wir wollen erforschen, was mit diesen Materialien im Laufe der Zeit passiert ist."

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Private Raumfahrt: Wettrennen im All

800.000 Euro für ein Kilo Nutzlast

Allein mit Idealismus lässt sich allerdings kein Raumschiff bauen. Das weiß auch Böhme: "Natürlich spielen auch kommerzielle Interessen eine Rolle. Wir können bis zu hundert Kilogramm mit "Alina" transportieren und bieten an, Kunden-Technologien für Tests ins All mitzunehmen." Bis zu 800.000 Euro verlangen die "Part Time Scientists" pro Kilogramm fremder Nutzlast. "In der Raumfahrt ein Schnäppchen", sagt der Forscher.

Um die internationale Konkurrenz beim X-Prize hinter sich lassen zu können, hat Böhme eine Mannschaft von Spezialisten um sich geschart. Wichtigster Kopf seiner Truppe: der US-Amerikaner Jack Crenshaw, der auf jahrzehntelange Erfahrung im Bereich Raumfahrt zurückblicken kann und an den Flugbahnberechnungen der "Apollo"-Missionen beteiligt war. "Er ist eigentlich schon längst im Ruhestand und arbeitet daher ehrenamtlich für uns. Solche Leute kann man nicht kaufen, die muss man begeistern", sagt Böhme.

Insgesamt arbeiten 35 aktive Forscher auf drei Kontinenten teils ehrenamtlich für das im Jahr 2008 gegründete Konsortium. Zwölf Festangestellte koordinieren die gemeinsamen Aktivitäten von Berlin aus. Beteiligt sind auch viele Partner aus der Wissenschaft, etwa die Technischen Universitäten in Berlin, Hamburg und Wien sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Hauptsponsor des Projekts ist der Autobauer Audi.

jme/dpa

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