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Private Raumfahrt: Wettrennen im All

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"Google Lunar X Prize" Fotoshooting auf dem Mond

Private Roboterautos auf dem Mond? Das wollen Raumfahrtpioniere bald schaffen. Auf der Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin zeigen zwei Teams, wie weit sie sind. Doch eigentlich geht es um viel mehr.

Es gibt ein Problem, das den letzten Mann auf dem Mond seit fast 44 Jahren beschäftigt. Im Dezember 1972 hatte Eugene Cernan, Kommandant von "Apollo 17", die Initialen seiner damals neunjährigen Tochter in den grauen Staub des Taurus-Littrow-Tals auf dem Erdtrabanten gekratzt: "TDC" - für Teresa Dawn Cernan, kurz Tracy. Der einzige Makel: Er konnte davon kein Bild machen, die Kamera war bereits wieder an seinem Mondfahrzeug festgeschraubt. "Vielleicht fliegt ja noch jemand hin und kann dieses Foto machen", sagte Cernan Jahrzehnte später im SPIEGEL-Interview .

Robert Böhme aus Berlin - und mit ihm eine ansehnliche Gruppe weiterer Raumfahrtfans - will dem mittlerweile 82-Jährigen Cernan diesen Wunsch tatsächlich bald erfüllen. Der Mann hat lange genug warten müssen, selbst die kleine Tracy ist mittlerweile 53. Böhme ist Chef der "Part Time Scientists". Das ist eines von 16 Teams, die im Rahmen des "Google Lunar X Prize" an einem privaten Wettlauf zum Mond teilnehmen. "Wir haben eine Chance, das Rennen zu gewinnen", glaubt Böhme.

Nur um es klar zu sagen: Es geht um eine unbemannte Landung. Den Hauptpreis in dem Wettbewerb, 20 Millionen Dollar, bekommt derjenige, dessen Roboterfahrzeug als Erstes mindestens 500 Meter auf der Mondoberfläche zurücklegen kann. Außerdem müssen HD-Videobilder zur Erde geschickt werden. Dass das Ziel nicht einfach zu erreichen ist, zeigt sich daran, dass die Organisatoren die Frist immer wieder nach hinten verschoben haben - aktuell auf Ende 2017. Und auch dabei wird es womöglich nicht bleiben.

"Alina" soll zwei Autos mitnehmen

Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin zeigen Böhme und sein Team das in Zusammenarbeit mit Audi entwickelte Roboterauto ("Audi lunar quattro") und das Landemodul "Alina", das 100 Kilogramm Nutzlast auf den Mond befördern soll. Und weil das für genau zwei Mondautos reicht, wollen Böhme und seine Leute die eben auch mitnehmen. Aus technischen Gründen, falls einer ausfällt - aber auch wegen der guten Bilder: "Dann kann ein Rover den anderen ablichten." Ein Fotoshooting auf dem Mond.

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Doch Böhme sagt auch: Es geht nicht nur um den Wettbewerb. Eventuelle Preisgelder seien für das Budget nicht nötig. Bei der Mondfahrt wolle man Nutzlasten für zahlende Kunden mitnehmen, die US-Weltraumbehörde Nasa zum Beispiel, das kanadische Technikunternehmen Gedex oder die holländische Firma Innovative Solutions in Space, die Minisatelliten in der Mondumlaufbahn starten will. Dazu kämen weitere Partner, die man später bekannt geben werde. Auch eine weitere große Raumfahrtagentur sei dabei. Man arbeite außerdem schon an einer Nachfolgemission für das Jahr 2022.

Denn tatsächlich geht es bei der ganzen Sache um viel mehr. Und zwar um die Frage, ob sich ein Frachtdienst zum Mond rentabel betreiben lässt. Und ob man vielleicht sogar viel Geld damit verdienen kann. Das hofft auch ein anderes Team, das auf der ILA klargemacht hat, dass es im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinauswill. Die Firma "Astrobotic" hat auf der Messe eine Partnerschaft mit dem Logistikkonzern DHL und dem Raumfahrtriesen Airbus Defence and Space bekanntgegeben.

"Wir glauben an diesen Markt"

"Unser Traum ist es, den Mond zugänglich für die ganze Welt zu machen", sagt Firmenchef John Thornton - und verweist darauf, dass dort bisher neben Amerikanern und Sowjets bisher nur die Chinesen gelandet seien. Das solle sich schon bald radikal ändern: Für 1,2 Millionen Dollar pro Kilo wolle seine Firma mit dem neuen Lander "Peregrine" kommerzielle Fracht auf die Mondoberfläche bringen. Auf Routineflügen, am besten alle zwei Jahre.

Beim ersten Mal plane man mit einer Nutzlast von 35 Kilogramm. Das sei dann eben das Roboterauto für den "Google Lunar X Prize". Auch die Rover zweier anderer Wettbewerbsteams wolle er mitnehmen - um mit ihnen dann ein Rennen auf dem Mond zu veranstalten. "Das wird fast wie Formel 1, nur in Zeitlupe", witzelt Thornton. Kosten und Preisgeld würde man teilen. Insgesamt habe man schon zehn verschiedene Transportverträge für Nutzlasten abgeschlossen.

"Wir glauben an diesen Markt", sagt Bart Reijnen von Airbus. Und "Astrobotic" sehe man als "Spitzenreiter" auf dem Weg zum Mond. Das Team ist in der Tat nicht irgendwer: Die Firma hat eine Partnerschaft mit der Nasa und schaffte es immer wieder, größere Geldsummen einzuwerben, zuletzt im Mai 2,5 Millionen Dollar von Risikokapitalgebern. Bei Zwischenstufen des Wettbewerbs "Google Lunar X Prize" hat "Astrobotic" außerdem schon 1,5 Millionen Dollar einstreichen können.

Was die Amerikaner ebenso wie die deutsche Konkurrenz noch nicht haben, ist eine verbindliche Mitfluggelegenheit. Man sei mit mehreren Partnern in Verhandlungen, heißt es von den "Part Time Scientists". Das Landemodul "Alina" sei so gebaut, dass er auf den Raketen verschiedener Anbieter mitfliegen könne. Neben der US-Firma SpaceX könnten die zum Beispiel aus Russland oder Indien kommen. Thornton sagt, man konzentriere sich auf SpaceX.

Bisher haben überhaupt nur zwei Teams beglaubigte Startverträge, um ihre Gefährte zum Mond zu bringen: Das israelische Team "SpaceIL" will im zweiten Halbjahr 2017 mit einer "Falcon 9" von SpaceX starten. Die US-Konkurrenz von "Moon Express" hat will eine "Electron"-Rakete der Firma Rocket Lab nutzen, die aber bisher noch nicht geflogen ist.

Wenn es mit dem geplanten Mondfoto für die Tochter von Eugene Cernan aus irgendeinem Grund übrigens doch nicht klappen sollte, hat diese schon seit einiger Zeit einen kleinen Trost. Alan Bean, ein früherer "Apollo"-Kollege ihres Vaters, hatte sich nach seiner Astronautenkarriere der Kunst zugewandt. Eines seiner Bilder zeigt einen großen Felsbrocken im Taurus-Littrow-Tal. Auf dem steht ganz klein, im Staub an der linken unteren Ecke: "Tracy".

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