Gravitationswirkung Stern bläht Exoplaneten auf

Ein riesiger Gasplanet hat Astronomen lange vor Rätsel gestellt: Der Gasgigant ist wesentlich größer, als er eigentlich sein dürfte. Jetzt glauben Forscher, den Grund herausgefunden zu haben. Der Planet rast im Tiefflug über seinen Heimatstern, und das bleibt nicht ohne Folgen.

Exoplanet und Zentralgestirn (künstlerische Darstellung): aufgeheizt und abgespeckt
AFP

Exoplanet und Zentralgestirn (künstlerische Darstellung): aufgeheizt und abgespeckt


Auf dem Exoplaneten WASP-12b sieht die Welt ein wenig anders aus als auf Erden: 1527 Grad Celsius ist es auf dem 870 Lichtjahre entfernten Planeten heiß. Wolken aus gasförmigen Silizium umgeben Wasp-12b, der 356-mal so schwer ist wie die Erde. Der Gasgigant übertrumpft sogar noch den größten Planeten unseres Sonnensystems, den Jupiter. Der würde fast zweimal in ihn hineinpassen.

Eigentlich dürfte WASP-12b nicht so groß sein - rund die 1,2-fache Jupiter-Größe sollten nach Berechnungen von Astronomen solche Gasgiganten maximal aufweisen. Wissenschaftler um Shu-Lin Li von der Universität in Peking berichten nun im Fachmagazin "Nature", warum der Exoplanet so groß und vor allem auch so heiß ist: Es ist die Nähe zu seinem Stern.

Der 2008 entdeckte Planet hat nämlich eine sehr ungewöhnliche Umlaufbahn um seinen Stern: Er umrundet diesen in einem Abstand, der nur dem 3,1-fachen des Sternradius entspricht. WASP-12b rast also förmlich knapp an der Oberfläche des Sterns vorbei. Ein Umlauf - also ein WASP-12b-Jahr - dauert somit nur 26 Stunden.

Die Nähe zum Stern bewirkt nicht nur, dass der Planet stark aufgeheizt wird. Gemeinsam mit der exzentrischen Bahn von WASP-12b bewirkt sie auch, dass der Planet starken Anziehungskräften ausgesetzt ist, so die Forscher. Diese Gezeitenkräfte verformten den Himmelkörper unablässig, blähten ihn auf seine enorme Größe auf und führten zu einer zusätzlichen Aufheizung.

Doch sie berauben den Gasplaneten stetig auch eines Teils seiner Atmosphäre, vermuten die Wissenschaftler. Dieses Material strömt in Richtung des Muttersterns und könnte eine dünne Schicht um den Himmelskörper bilden, spekulieren die Astronomen.

lub/ddp

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