Grundstoff des Lebens Ferner Planet mit Sauerstoff-Hülle entdeckt

Das Hubble-Teleskop hat erstmals Sauerstoff und Kohlenstoff in der Atmosphäre eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Auf fremdes Leben aber deuten die Stoffe nicht hin: Der Gasriese ist eine kochend heiße Welt.


Planet HD 209458b (Zeichnung): Eiförmoge Hülle aus Sauerstoff und Kohlenstoff
ESA/ CNRS

Planet HD 209458b (Zeichnung): Eiförmoge Hülle aus Sauerstoff und Kohlenstoff

"Osiris" bescherte Wissenschaftlern Premieren in Serie: HD 209458b war der erste extrasolare Planet, der durch das Vorbeiziehen an seiner Heimatsonne entdeckt wurde, er war der erste, bei dem eine Wasserstoff-Atmosphäre nachgewiesen wurde und nun auch der erste mit einer Hülle aus Sauerstoff und Kohlenstoff.

Allerdings bekam HD 209458b von Astronomen nicht umsonst den Spitznamen "Osiris", jenes ägyptischen Gottes, der von seinem Bruder Seth getötet und in Stücke gerissen wurde, auf dass er niemals ins Leben zurückkehre: Der Planet ist ein Gasriese, der keinerlei Lebewesen beherbergen kann. Seine obere Atmosphäre ist bis zu 10.000 Grad Celsius heiß, und selbst die unteren Schichten bringen es noch auf 1000 Grad.

"Osiris" umkreist seine Heimatsonne in einer Entfernung von nur 6,9 Millionen Kilometern und benötigt für einen Umlauf weniger als vier Erdentage. Zum Vergleich: Die Erde hält einen mittleren Abstand von knapp 150 Millionen Kilometern zur Sonne. Durch die große Nähe zu seinem Zentralgestirn werden die äußeren Atmosphärenschichten von "Osiris" so heiß, dass sie ihren Wasserstoff förmlich ins Weltall hinauskochen.

Sauerstoff und Kohlenstoff werden in einem "hydrodynamischen Schlepptau" mit ins All gezerrt - wie Staub in einem überschallschnellen Wirbelsturm, berichtet das Forscherteam um Alfred Vidal-Madjar vom Institut d'Astrophysique de Paris. Die Wissenschaftler werden in der kommenden Ausgabe der "Astrophysical Journal Letters" von ihrer Entdeckung berichten.

Der Fund von Sauerstoff und Kohlenstoff an sich war keine Überraschung für Vidal-Madjar und seine Kollegen. Auch in unserem Sonnensystem kommen die beiden Elemente nicht nur auf der Erde, sondern auch auf Jupiter und Saturn vor - dort allerdings nur tief in der Atmosphäre und in kombinierter Form als Wasser oder Methan. Um "Oriris" dagegen bilden die Gase in ihrer reinen Form eine eiförmig verzerrte Hülle.

Zudem beweise die Entdeckung auf beeindruckende Art, dass auch auf eine Distanz von 150 Lichtjahren - der Entfernung zwischen Erde und "Osiris" - die Analyse der chemischen Zusammensetzung von Planeten-Atmosphären möglich sei. Das könne eines Tages auch zur Entdeckung eines Himmelskörpers führen, dessen Signatur auf Leben hindeute.



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