Harte Landung Chinesische Sonde planmäßig auf den Mond gestürzt

Kontrollierter Absturz nach 16 Monaten: Chinas Raumsonde "Chang'e 1" ist zum Ende ihrer Mission auf dem Mond zerschellt. Doch Pekings Weltraumtechniker wollen schon bald dorthin zurückkehren - und dabei möglicherweise eines Tages sogar die Amerikaner abhängen.


Peking - Am Sonntagmorgen endete eine Mission, die Chinas Raumfahrttechniker monatelang mit Stolz erfüllte, von der die Welt aber vergleichsweise wenig erfuhr: Nach einem Bericht der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua schlug die gut zwei Tonnen schwere Sonde "Chang'e 1" kontrolliert auf der Mondoberfläche auf.

Bild der Mondoberfläche, aufgenommen von "Chang'e 1": Absturz nach 16 Monaten
REUTERS

Bild der Mondoberfläche, aufgenommen von "Chang'e 1": Absturz nach 16 Monaten

Der Absturz nach 16 Monaten Missionsdauer sei geplant gewesen, um damit Informationen für zukünftige chinesische Weltraumissionen zu sammeln, hieß es. Bereits im Orbit habe man ein Dutzend Tests unternommen, um Erfahrungen mit der Bahnregulierung der Sonde, die nach einer chinesischen Mondgöttin benannt ist, zu bekommen. Denn Peking hat auf dem Mond noch viel vor, wie Wu Weiren, der Chefdesigner des chinesischen Mondprogramms verriet: In einer zweiten Phase plane sein Land 2012 oder 2013 eine weiche Landung mit einem Mondmobil.

"Chang'e 1" hat dafür Vorarbeiten geleistet, unter anderem haben die Chinesen mit ihrer Hilfe ihre erste eigene Mondkarte erstellt - auch wenn es Ende 2007 Diskussionen um die Echtheit der Bilder gegeben hatte. Damals hatten einige Blogger geargwöhnt, Peking habe einfach nur alte Bilder der Nasa noch einmal neu präsentiert. Weltraumforscher aus dem Westen hatten das aber ebenso dementiert wie die chinesischen Behörden.

Nach der weichen Landung einer Sonde in drei oder vier Jahren will China im Jahr 2017 den nächsten Schritt seines Mondprogramms unternehmen: Dann soll ein weiterer Forschungsautomat Mondgestein sammeln und die Proben sicher zu Erde zurückbringen. Immer wieder wird auch darüber spekuliert, dass China auch eine bemannte Mondlandung ins Auge fassen könnte. Im vergangenen Jahr waren chinesischen Raumfahrer zum ersten Mal aus ihrem Raumschiff in den freien Weltraum ausgestiegen. Und im kommenden Jahr wollen die Chinesen mit "Tiangong-1" eine erste einfache Weltraumstation im Erdorbit einrichten.

Die US-Weltraumbehörde Nasa kalkuliert offenbar die Möglichkeit eines PR-Desasters bei der Rückkehr zum Mond ein, nämlich dass Peking schneller sein könnte. Ex-Nasa-Chef Griffin hatte mehrfach erklärt, er könne es sich durchaus vorstellen, dass China vor den Amerikanern einen Mann zum Mond bringt. Die Technologie dafür habe es jedenfalls.

chs



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