Japanische Raumsonde »Hayabusa2« Asteroiden-Proben in Australien angekommen

Nach sechs Jahren im All hat die japanische Raumsonde »Hayabusa 2« Proben auf der Erde abgeliefert, die sie auf einem fernen Asteroiden sammelte. Die Sonde warf das Material in einer Kapsel Richtung Australien ab.
Mitarbeiter der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa mit der Kapsel

Mitarbeiter der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa mit der Kapsel

Foto: JAXA HANDOUT / EPA-EFE / Shutterstock

Bei ihrem Eintritt in die Erdatmosphäre war die Kapsel als sternschnuppenähnliches Licht am Himmel zu erkennen: Die japanische Raumsonde »Hayabusa2« hat ihre Mission zum Asteroiden Ryugu erfolgreich beendet und eine Probenkapsel abgeworfen.

Ein Hubschrauber habe den kleinen Behälter im Landegebiet, der Wüste des Woomera-Testgeländes für Luft- und Raumfahrt im Süden Australiens, gefunden, gab die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa am Sonntagmorgen (Ortszeit) bekannt. Forscher erwarten in dem Behältnis 4,6 Milliarden Jahre altes Material vom Asteroiden Ryugu, das aus der Frühzeit des Sonnensystems stammt.

»Sechs Jahre, und sie ist endlich zur Erde zurückgekehrt«, kommentierte ein Sprecher das Ereignis. Jaxa-Mitarbeiter jubelten und streckten ihre Fäuste in die Höhe. »Hayabusa 2« hatte auf Ryugu 0,1 Gramm Proben gesammelt. Dennoch erhoffen sich Forscher, von dem Material auf die Entstehung der Erde schließen zu können.

»Wir haben die Kapsel gefunden!«

Weltraumbehörde Jaxa auf Twitter

Die Kapsel war am Samstag von »Hayabusa 2« abgekoppelt worden, als die etwa kühlschrankgroße Raumsonde 220.000 Kilometer von der Erde entfernt war. Wenige Stunden später meldete Jaxa, dass Suchteams die Kapsel auf einer Fläche von rund hundert Quadratkilometern anhand eines Senders aufgespürt und geborgen hätten.

»Wir haben die Kapsel gefunden!«, schrieb die Behörde beim Onlinedienst Twitter.

Nun soll die Kapsel zunächst auf ihren Zustand untersucht werden. Anschließend werden die Proben in der noch verschlossenen Landekapsel im Flugzeug nach Japan gebracht, wo sie in ein Labor des Jaxa-Forschungszentrums ISAS (Institute of Space and Astronautical Science) im nahe Tokio gelegenen Sagamihara überführt werden. Erst dort wird die Kapsel mit der kosmischen Fracht mit einem Roboter in einem sogenannten Reinraum-Labor in einer Vakuumkammer geöffnet.

Zunächst werden die einzelnen Bestandteile der Proben kuratiert und beschrieben, ehe ab Mitte des kommenden Jahres mikroskopische, mineralogische und geochemische Untersuchungen beginnen sollen. Die Wissenschaftler hoffen, durch Analysen der Proben den Ursprüngen des Sonnensystems und des Lebens auf der Erde auf die Spur zu kommen. Die Proben könnten möglicherweise organisches Material enthalten, erklärte der Manager der Mission, Makoto Yoshikawa. Im Fokus stehen vor allem Aminosäuren, die die fundamentalen Bausteine des Lebens sind.

Jaxa teilt die Proben mit der US-Weltraumbehörde Nasa und anderen internationalen Institutionen, ein Teil wird aber für zukünftige Forschung aufbewahrt, wenn neue Forschungsmethoden möglicherweise weitere Erkenntnisse ermöglichen.

Der Asteroid Ryugu ist besonders kohlenstoffhaltig und gehört zu den erdnahen Asteroiden. Solche Asteroiden könnten bei Einschlägen auf der Erde auch Wasser zu unserem Planeten gebracht haben. Die Vorgängersonde »Hayabusa« (Wanderfalke) hatte im Jahr 2010 weltweit erstmals Bodenproben eines Asteroiden zur Erde gebracht.

Der Nachfolger »Hayabusa 2« war im Dezember 2014 von Japan aus gestartet und hatte nach fast vier Jahren sein 300 Millionen Kilometer entferntes Ziel erreicht. Die Sonde landete später auf Ryugu und sammelte Proben von der Oberfläche sowie erstmals auch von einem Bereich unter der Oberfläche ein. Die beiden Bodenproben vom Asteroiden wurden in getrennten Kammern in der Kapsel verstaut.

An der spektakulären Mission hatte sich auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit dem gemeinsam mit der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelten Landeroboter »Mascot« beteiligt. Der war im Oktober 2018 auf dem Asteroiden Ryugu angekommen und hatte diesen erkundet – bis seine Batterie ausging. »Dies ist ein historischer Moment für die Weltraumforschung«, sagte DLR-Vorstandsvorsitzende Anke Kaysser-Pyzalla zur spektakulären Rückkehr der Probenkapsel.

Beim Eintritt in die Erdatmosphäre wurde die Kapsel zu einem Feuerball. Durch die Lufthülle bei großer Hitzeentwicklung von bis zu etwa 3000 Grad Celsius wurde sie abgebremst. In einer Höhe von rund zehn Kilometern über Australien wurde dann ein Fallschirm ausgelöst, an dem die Kapsel zur Erde schwebte.

Anders als die erste »Hayabusa«, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht war, setzte die »Hayabusa2« ihre Mission fort: Sie befindet sich jetzt auf dem Weg zu einem anderen erdnahen Asteroiden namens »1998KY26«. Dort soll die Sonde in zehn Jahren ankommen.

kha/dpa/AFP