Himmelsglut über dem Pazifik Hawaiianer staunen über rätselhafte Leuchtkugel

Mitten in einer Juni-Nacht leuchtete über dem Pazifik plötzlich der Himmel: Eine riesige Kugel blähte sich. Wilde Spekulationen folgten - was war der Auslöser? Jetzt gibt es eine Erklärung für das rätselhafte Phänomen. Ein Video zeigt den seltsamen Lichtball.
Leuchtkugel über dem Pazifik: Wilde Spekulationen

Leuchtkugel über dem Pazifik: Wilde Spekulationen

Foto: YouTube

Hawaii - Am frühen Morgen des 22. Juni glaubten Hawaiianer, ein Naturwunder zu sehen. Ein Teleskop , das auf dem Gipfel des Vulkans Mauna Kea stationiert ist, filmte ein rätselhaftes Leuchten am Himmel: Um 3 Uhr 39 blähte sich eine Kugel am dunklen Horizont, um 3 Uhr 45 war das Schauspiel vorbei. Just wurde in Internetforen spekuliert: Handelt es sich um Raumschiffe von Außerirdischen, fragten die Einen. Treibt Mutter Erde nachts Leuchtspiele, wenn sie glaubt, dass niemand zusieht, witzelten die Anderen.

Astronomen liefern nun eine wissenschaftliche Erklärung für die rätselhafte Himmelsglut. Eine Rakete habe die Leuchtkugel entstehen lassen, schreibt Philip Plait in seinem Blog . Er lehrte an der Sonoma State University in Kalifornien, USA. Um 3 Uhr 35 sei eine Minuteman-III-Interkontinentalrakete in Kalifornien abgehoben - die Himmelsrichtung von Hawaii aus gesehen stimmte damit überein. Von dem Start der Rakete hatten auch Fachmedien berichtet .

"Ich bin zu hundert Prozent sicher, dass es so war", meint der Astronom Jonathan McDowell von der Harvard University in den USA im Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Die Glutkugel sei vermutlich bei der Zündung der dritten Triebwerkstufe ausgelöst worden. Die genau Physik des Geschehens müsse aber noch geklärt werden, räumt McDowell ein.

"Die Vorstellungskraft dreht durch"

Vermutlich habe die Rakete bei der Zündung heißen Treibstoff in die Luft gestoßen, meint Plait. Das Gas habe die Luft zum Glühen gebracht, sagt auch McDowell. Die dünne Luft in der oberen Atmosphäre fördere große Leuchtphänomene: In dem Beihnahevakuum könnten sich Gase stärker ausbreiten; sie bildeten in der Höhe regelmäßige Formen wie Kreise. Dort verwehe kein Wind das Gas.

Nicht auszuschließen sei, dass nicht nur die Hitze des Gases, sondern auch die Druckwelle eine Rolle gespielt habe, meint Plait. Luft glühe, wenn sie zusammengedrückt werde. Der Fall erinnert an ein ähnliches Phänomen über Norwegen vor zwei Jahren. Damals hatte eine Rakete, die außer Kontrolle geraten war, eine Leuchtspirale am Himmel hinterlassen .

Astronom Plait ist begeistert angesichts der Neuigkeiten aus Hawaii: "Ich liebe solche Sachen", jubelt er auf seinem Blog. "Ein Mysterium lässt die Vorstellungskraft durchdrehen - aber dann kommen Logik und Vernunft ins Spiel."

boj
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