Hinweise auf Methansee Das erste Bild vom Titan

Die ersten Bilder der Raumsonde "Huygens" vom Saturnmond Titan sind am Abend im Kontrollzentrum der Esa in Darmstadt angekommen. Die auf den Schwarz-Weiß-Bildern sichtbare Landschaft zeigt nach ersten Einschätzungen Methanseen und -kanäle sowie Eis.



Nach Auskunft von Michael Khan aus dem Esa-Kontrollzentrum könnten sich bisherige Vermutungen über die Beschaffenheit des Titan bestätigen. Die hellen Bereiche auf dem ersten Bild könnten auf Eis hindeuten, die dunklen Strukturen auf Methanseen- und kanäle. Für genaue Aussagen müssten allerdings noch einige Daten ausgewertet werden. Insgesamt wurden bis gestern abend um 21 Uhr mehr als 350 Fotos nach Darmstadt gefunkt. Konkrete Auswertungen sollen in den kommenden Tagen folgen.

Mit dem Datenempfang ist die europäische Mission erfolgreich verlaufen. "Heute morgen hatten wir einen technischen Erfolg, heute abend haben wir einen wissenschaftlichen Erfolg", sagte der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur, Jean-Jacques Dordain, am Freitag in Darmstadt. "Wir sind damit die ersten Besucher auf dem Titan." Dordain wertete die geglückte Landung als großen Erfolg für die europäische Industrie und die internationale Zusammenarbeit. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn sprach von einem "brillanten Höhepunkt der Raumfahrtgeschichte".

Nach den ersten Erkenntnissen hat die Sonde mehr als drei Stunden überlebt. Neben Fotos lieferte sie auch Geräusche vom Titan sowie Analyse-Ergebnisse von der Zusammensetzung seiner Atmosphäre und Klimadaten. Rund 500 Megabyte an Informationen sendete sie zur amerikanischen Raumsonde "Cassini", mit der sie ins All geflogen war. Nachdem "Huygens" seinen Forschungsflug beendet hatte, schickte "Cassini" die Daten zur Erde.

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"Huygens"-Mission: Esa im Titan-Fieber

Foto: DDP

Die Wissenschaftler zeigten sich von der offenbar perfekten Landung überwältigt: "Das ist ein riesiger Schritt vorwärts", sagte David Southwood, Wissenschaftsdirektor der Esa. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand in diesem Raum noch einmal die Gelegenheit haben wird, so eine Landung mitzuerleben", meinte er auf der Pressekonferenz in Darmstadt. "Wir werden in den nächsten Stunden hart arbeiten, um die Daten auszuwerten."

Missions-Manager Claudio Sollazo sagte, alles an Bord habe genauso funktioniert wie geplant. "Wir sind gespannt auf die von der Sonde aufgezeichneten Daten. Uns interessiert unter anderem, wie die Schichten der Titan-Atmosphäre aussehen." Der Wert der Daten wird erst in den kommenden Tagen und Wochen feststehen. "Das ist wie ein Puzzle - erst wenn wir alle Informationen haben, können wir daraus ein Bild zusammensetzen", erklärte Sollazzo.

Der Saturn-Mond Titan versteckt seine Oberfläche unter einem undurchdringlichen orangefarbenen Smog. Diesen Wolkenvorhang hat die Raumsonde "Huygens" nun erstmals durchdrungen. Astronomen erwarten einen Blick in die Vergangenheit unseres Planeten, denn vieles weist darauf hin, dass die Erde in ihren jungen Jahren dem heutigen Titan ähnelte.

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