Historischer Flug "Space Ship One" gewinnt den "X-Prize"

Der Wettbewerb um den ersten Weltraumflug eines Privat-Raumschiffs ist entschieden. Das "Space Ship One" der US-Firma Scaled Composites hat zum zweiten Mal eine Höhe von 100 Kilometern erreicht - und den mit zehn Millionen Dollar dotierten "X-Prize" gewonnen.


"Space Ship One" am Trägerflugzeug "White Knight" beim Start zum zweiten Wertungsflug: "X-Prize"-Wettbewerb ist entschieden
REUTERS

"Space Ship One" am Trägerflugzeug "White Knight" beim Start zum zweiten Wertungsflug: "X-Prize"-Wettbewerb ist entschieden

Die Gewinner sprachen von einer neuen Ära der Luft- und Raumfahrt: Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen ist es einem Unternehmen gelungen, ein ausschließlich privat finanziertes Raumschiff ins All fliegen zu lassen. Pilot Brian Binnie habe eine Höhe 112 Kilometern erreicht, berichtete der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Radarmessungen. Der Vorsitzende der "X-Prize Foundation", Peter Diamandis, erklärte "Space Ship One" zum Sieger des Wettbewerbs.

Nach dem 90-minütigen Flug kehrte Binnie sicher zum kalifornischen Wüstenflughafen Mojave zurück. Die offizielle Bestätigung des Rekordfluges sollte am Montag um 19.45 Uhr deutscher Zeit erfolgen. An Bord von "Space Ship One" befanden sich neben Binnie 180 Kilogramm Ballast als Ersatz für zwei Passagiere. Damit hat das Team um Konstrukteur Burt Rutan und Microsoft-Mitbegründer Paul Allen bewiesen, dass es in der Lage ist, mit einem wieder verwendbaren Vehikel Touristen in den Weltraum zu bringen. Der Lohn der Mühe: Rutans Firma Scaled Composites gewinnt den mit zehn Millionen Dollar dotierten "X-Prize".

26 Teams haben acht Jahre lang um das Preisgeld gerungen. Die Initiatoren um Peter Diamandis wollen mit dem Wettbwerb die Tür zum Weltraumtourismus und zur kommerziellen Nutzung des Weltalls öffnen. "Wenn wir erfolgreich sind, wird unser Programm den Beginn einer Renaissance des bemannten Raumflugs einleiten", hatte Burt Rutan, 60, schon vor dem Gewinn des Preises betont.

Raumfahrt-Enthusiasten Rutan und Allen: "Space Ship One" räumt Preisgeld ab
REUTERS

Raumfahrt-Enthusiasten Rutan und Allen: "Space Ship One" räumt Preisgeld ab

Zuvor hatte es Zweifel an der Sicherheit seines Raumschiffs gegeben. Beim ersten Wertungsflug am vergangenen Mittwoch hatte Pilot Mike Melvill zwar mit der vorgeschriebenen Höhe von 100 Kilometern die Grenze zum Weltraum erreicht, doch "Space Ship One" vollführte dabei 29 Drehungen um die eigene Achse. Melvill soll sogar das Kommando zum Abbruch des Flugs erhalten, es aber ignoriert haben - was Rutan später bestritt.

Trotz des Erfolges in der Vorwoche wechselte das "Space Ship One"- Team für den entscheidenden Flug den Mann am Steuer aus. Der 51-jährige Brian Binnie war der erste Pilot, der mit einem privat finanzierten Flugzeug am 17. Dezember 2003 Überschallgeschwindigkeit erreichte. Nach Mike Melvill ist Binnie der zweite zivile Pilot, der sich jetzt Astronaut nennen darf. Binnie flog sogar noch neun Kilometer höher als Melvill am vergangenen Mittwoch.

Das Transportflugzeug "White Knight" brachte "SpaceShipOne" zunächst in eine Höhe von etwas mehr als 14 Kilometern. Dann koppelte Binnie ab und startete für 90 Sekunden das Raketentriebwerk. Mit dreifacher Schallgeschwindigkeit raste er über die Grenze zum Weltraum hinaus, die bei einer Höhe von 100 Kilometern liegt. Wenige Minuten später trat Binnie mit einem kurzen Grollen am Horizont wieder in die Atmosphäre ein.

Nach dem Gewinn des Preises beginnt für "Space Ship One" die kommerzielle Nutzung. Interessenten dürfte es bereits geben - unter anderem Richard Branson. Der britische Milliardär und Fluglinien-Besitzer hatte erst vergangene Woche angekündigt, ab 2007 regelmäßig Weltraumtouristen ins All zu befördern.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.