Satellitenbild der Woche Schrumpfende Gletscher, wachsende Seen

Der Klimawandel lässt Gletscher nicht nur in der Arktis oder Antarktis schrumpfen, sondern auch auf der höchsten Hochebene der Welt. Dort hat ein See aufgrund der Veränderungen sogar seine Farbe gewechselt.
Als der Dorsoidong-Co-See noch hellblau war: Satellitenbild von 1987

Als der Dorsoidong-Co-See noch hellblau war: Satellitenbild von 1987

Foto: Joshua Stevens / NASA Earth Observatory

Probleme mit schmelzendem Eis, steigenden Temperaturen und Schmelzwasserabfluss kennen wir eigentlich vor allem aus den Polregionen der Erde – der Arktis im Norden und der Antarktis im Süden. Doch es gibt sie auch in einer Region, die Glaziologen manchmal als den dritten Pol bezeichnen: Gemeint ist das tibetische Plateau, die höchste Hochebene der Welt.

Auch hier speichern Gletscher gigantische Mengen Süßwasser – es gibt Zehntausende dieser mal größeren, mal kleineren Eiszungen zwischen den zahlreichen zerklüfteten Gebirgszügen. Insgesamt nimmt die Region mehr als zwei Millionen Quadratkilometer ein, das entspricht in etwa der Fläche von Grönland.

Wie sehr sich manche dieser Gletscher in den letzten Jahren verändert haben, zeigt sich an den beiden Seen auf den Bildern unten im zeitlichen Vergleich. Die Gewässer befinden sich westlich des Tanggula-Gebirges – einer kleinen Bergkette im zentralen Teil des tibetischen Hochlands.

Links die Aufnahme der Region vom Oktober 1987. Im Vergleich ist auf dem Bild vom Oktober 2021 die Wasserfläche größer geworden.
Links die Aufnahme der Region vom Oktober 1987. Im Vergleich ist auf dem Bild vom Oktober 2021 die Wasserfläche größer geworden.

Links die Aufnahme der Region vom Oktober 1987. Im Vergleich ist auf dem Bild vom Oktober 2021 die Wasserfläche größer geworden.

Foto: Joshua Stevens / NASA Earth Observatory / Joshua Stevens / NASA Earth Observatory

Auf den Aufnahmen ist das Wachstum vom Chibzhang Co (rechts im Bild) und Dorsoidong Co zu sehen. Das erste Bild wurde im Oktober 1987 aufgenommen; das zweite Bild zeigt dasselbe Gebiet im Oktober 2021. Die beiden Seen sind im Laufe der Zeit größer geworden, da die Gebirgsgletscher an Substanz verloren haben und geschrumpft sind. Allerdings gibt die Nasa, die die Aufnahmen veröffentlicht hat, zu bedenken, dass ein Teil der vergrößerten Wasserflächen auf Schnee zurückzuführen ist. Aber die Aufnahmen zeigen, dass sich die Vorderkante der Gletscher deutlich zurückgezogen hat.

Der Farbunterschied zwischen dem Dorsoidong-Co-See von 1987 und der aktuellen Aufnahme liegt daran, dass die beiden Seen durch einen schmalen Streifen Land getrennt sind. Sein Schmelzwasser stammt von den Gletschern in den Bergen im Westen, das des Chibzhang Co von den Gletschern im Osten. Im Jahr 1987 enthielt der Dorsoidong Co wahrscheinlich mehr Schwebstoffe, wodurch das Wasser hellblau erschien. Aber Mitte der Nullerjahre verschmolzen beide Seen miteinander, als der steigende Wasserspiegel den Landstreifen überflutete.

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Einem Forscherteam zufolge, das jahrzehntelang Bilder der »Landsat«-Erdbeobachtungssatelliten analysierte, wuchs die Fläche der Seen zwischen 1976 und 2017 um 23 Prozent. Auch die Radarhöhenmessungen der Satelliten zeigen im Laufe der Zeit immer größere Tiefen der Seen an. Laut den Daten des Global Water Monitor der Nasa hat die Tiefe des Kanals, der die beiden Seen verbindet, zwischen den frühen Neunzigerjahren und 2021 um etwa acht Meter zugenommen.

Mehrere Prozesse wirken sich auf die Größe und Tiefe der Seen in diesem Gebiet aus: die jährliche Niederschlagsmenge, die Verdunstungsrate und die Menge des Abflusses von schmelzenden Gletschern und Permafrostböden während der Sommermonate. Beide Seen werden sowohl durch Niederschläge als auch durch das Abschmelzen der Gletscher gespeist. Einige kleinere Seen im Südwesten, zu denen auch der Khongnam Tso am unteren linken Bildrand zählt, beziehen ihr Wasser dagegen aus Niederschlägen.

Durch die Auswertung und den Vergleich der Satellitendaten für beide Arten von Seen zeigte sich: Die Wasserstände in den Seen, die aus den Gletschern gespeist werden, sind viel stabiler. Tatsächlich scheint etwa die Hälfte des gesamten Anstiegs von Chibzhang Co und Dorsoidong Co auf die Gletscherschmelze zurückzuführen zu sein.

Diese beiden Seen sind nicht die einzigen auf dem tibetischen Plateau, die größer werden. In einem anderen Projekt verglichen Wissenschaftler anhand von »Landsat«-Daten sowohl Anzahl als auch Fläche der Seen auf dem tibetischen Plateau für das Jahr 1977 und 2014. Sie fanden heraus, dass die Anzahl der Seen um 235 gewachsen war. Die Fläche der Seen hatte sich um 18 Prozent vergrößert. Eine andere Analyse zeigt, dass auch die Tiefe von einem Teil der Seen zugenommen hat – zwischen 2003 und 2018 im Durchschnitt um 0,3 Meter pro Jahr.

joe
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